Review

kurz angerissen*

In einer Detailnachstellung von Geschehnissen um den Ringer Mark Schultz, seinem Bruder David und seinem Mäzen John du Pont sucht Regisseur Bennett Miller nach einer für seinen Film wichtigen Wahrheit über die Dynamik in dieser eigentümlichen Dreiecksbeziehung.

Ausgedorrte Farben geben einen selten verwendeten und doch ehrlichen Abdruck der 80er Jahre preis, die Raumaufteilung lässt Schultz’ Single-Apartment ebenso leer erscheinen wie du Ponts Anwesen, das mit kalten Trophäen der Vergangenheit zugepflastert ist, oder wie die Turnhallen, in denen die Sportler ihrem Training nachgehen.

Irgendwie gelingt Bennett in seiner peniblen, geduldigen Erzählweise tatsächlich ein Portrait von Machtverhältnissen und psychoanalytischer Selbstdeutung, den Fokus immer hauptsächlich auf Steve Carells masken- wie rätselhaftes Auftreten gerichtet, ohne jedoch Tatum oder Ruffalo außer Acht zu lassen.

Andererseits betreibt „Foxcatcher“ seltsam viel Aufwand, um diesen Gewinn einzufahren. In gewisser Weise funktioniert das dezente Spiel mit Unterschwelligkeiten jedweder Art, jedoch hinterlässt die trockene Auflösung eine gewisse Leere, denn rückblickend funktioniert die Erzählung maßgeblich über Andeutungen und die unausweichliche Entwicklung zur Tragödie. Möglicherweise fehlt eine tiefere Erzählebene, die den gelungenen Ansätzen Nachhaltigkeit geben könnten. So bleibt nun typisches Oscarmaterial: Mit einer Geschichte aus dem Leben und streitbare Schauspielkunst, die sich durch ein möglichst hohes Maß an Wandlungsfähigkeit definiert.

*weitere Informationen: siehe Profil

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