Review
von Leimbacher-Mario
Unterschwellige Bedrohung
„The Drop“ ist ein zurückhaltender, sehr charakterkonzentrierter Gangsterkrimi der New Yorker-Schule. Stark gespielt und konzentriert brodelnd, selten bis nie aus dieser Anspannung ausbrechend. Ketten raus, Kragen hoch. Lederjackenblues. Eher wenig gesprächig und dennoch genug sagend, voller Geheimnisse und doch wird das Wichtigste immer klar, mit Elefanten im Raum, die immer kurz vor'm Platzen stehen. Erzählt wird von einer von vielen Kneipen in Brooklyn im eiskalten Winter, wo die tchechenische Mafia in unregelmäßigen Abständen ihr Schwarzgeld bunkert. Doch als dieser „Drop“ eines Abends noch vor der Abholung ausgeraubt wird, sitzen der Besitzer und seine linke Hand ziemlich in der Tinte...
Was sticht an einem Film heraus? Das frage ich mich bei jeder Kritik und nach jeder Sichtung, das versuche ich in den meisten Reviews von mir schon deutlich zu machen und in den Mittelpunkt zu stellen, das halte ich für wichtiger und bleibender als jedes unwichtige Detail zu nennen oder gar eine „Komplettierung“ in Sachen Kritik und Einschätzung erreichen zu wollen. Und bei „The Drop“ ist das ohne Frage die Atmosphäre des winterlichen Brooklyns und dessen warmen, wohligen (Gangster)Bars, die fast wie Oasen in einer sowohl menschlich wie landschaftlichen kargen Betontundra wirken. Und die Darsteller. Rapace ist immer intensiv und gut. Gandolfini machte uns hiermit als letzte Rolle nochmal ein Geschenk und liefert alles andere als Stangenware ab. Und Tom Hardy ist eh ein schauspielerisches Kraftpaket, das man wirklich selten kommen sieht und das einen dennoch immer wieder überrollt. Sein Charakter ist mysteriös, gutmütig und ambivalent. „The Drop“ berstet fast vor innerlicher Anspannung und selten saß man bei einem (auf den ersten Blick) derart zurückgelehnten Krimi dauernd dermaßen auf der Couchkante. Zumindest ging es mir so. Um zu ganz ähnlichen und noch besseren Gangsterballaden wie etwa „Eastern Promises“ oder „Road To Perdition“ aufzuschließen, fehlt es vielleicht ein wenig an Style, handfesten Höhepunkten und Drive. Dennoch: unzweifelhaft gut!
Fazit: der komplett entschleunigte und understatete „John Wick“-Cousin. „The Drop“ ist eine ruhige Crimeballade zwischen verschwundenem Geld, gefundenem Hund und sprachkargen Typen. In your Face!