Vielleicht zurecht darf man über die momentane Blockbusterwelle aus Südkorea zwiespältiger Meinung sein. Seit Streifen wie "Yesterday" sei nämlich Vorsicht geboten, denn der manchmal etwas offensichtliche Versuch, Hollywood zu kopieren, geht in junger Vergangenheit immer öfter in die Hose. Bei solch grottigen Vorbildern allerdings aber auch kein Wunder...
Wie es der Titel schon verrät, spielt sich der Film im Jahre 2009 ab, und auch hier trifft ein Schnellfeuer an polierter Killeraction auf einen pseudointelligenten Gegenpart. In naher Zukunft ist Korea nichts weiter als eine unbedeutende Kolonie der Weltmacht Japan. Dies geschah aus folgendem Grunde: Den Japanern gelang es durch ein heiliges Artefakt ein Zeittor ins Jahr 1909 zu öffnen und somit die Ermordung des japanischen Gouverneurs Hirobumis zu verhindern. Japan gewinnt daraufhin den Zweiten Weltkrieg und unterwirft Korea. Der Rest der Welt ist natürlich ahnungslos, nur eine Gruppe eingeweihter koreanischer Widerständler kämpft weiterhin für die Unabhängigkeit. Und erst als zwei JBI-Cops, einer davon koreanischen Ursprungs, in der Sache ermitteln, wird der "Betrug an der Menschheit" stückweise aufgedeckt.
Etwas hanebüchen kommt die Story schon rüber, aber das fällt zu Beginn erst einmal gar nicht auf, da die ganze Handlung und deren Fäden erst im Laufe des Films so richtig aufgedeckt werden. Und zugegeben: das Spektakel fängt auch ziemlich bombastisch an. In brillanten Bildern zeigt uns der Regisseur, wie koreanische Freiheitskämpfer eine japanische Ausstellung mit Waffengewalt etwas aufmischen. Ähnlich wie in den späteren Actionszenen wird nicht mit Blei und Blut gegeizt. JBI Agenten fallen genauso zahlreich wie die koreanischen Widerständler, Blutschwallen spritzen durch die Gegend und amoklaufende Psychogesichter à la Nicolas Cage versüßen den cineastischen Brei. Doch diesem Pluspunkt folgt gleich die Ernüchterung, denn etwas Besseres als die zugegeben makellose und prima inszenierte Action gibt es hier nicht zu sehen. Wenn auch übertrieben, ist sie eigentlich der einzige Grund, diesen Film überhaupt anzusehen.
Denn der Plot außenrum ist löchrig, an den Haaren herbeigezogen und schießt sich dank eines prallen Picknickkorbes voller trauriger Klischees selbst ins Aus. Die Autoren biegen sich die sowieso total unglaubwürdige und unrealistische Geschichte immer so zurecht, wie sie gerade gebraucht wird - auf Plausibilität wird dabei leider nicht immer Rücksicht genommen. Unausgegorene Sequenzen, die zwar im ersten Moment recht hübsch anzusehen sind, verwandeln sich leider äußerst schnell in alberne und überflüssige Zugaben, ohne die der Film vielleicht besser gefahren wäre. Heroisch billig versucht unser Held zum Beispiel ein kleines Kind aus einem tödlichen Kugelhagel zu retten, versagt aber und der Junge stirbt an Ort und Stelle. Was folgt ist eine ellenlange Sequenz, in der unser Protagonist nun die Kinderleiche im Arm hält und sich seinen Visionen aus der Vergangenheit hingibt. Der Mensch will anscheinend nicht dabei gestört werden - das sehen auch seine Gegner ein, die mit vollgeladenen Maschinengewehren vor ihm stehen, gerade noch mit der festen Überzeugung, dem Bastard ein paar Löcher in den Torso zu blasen, sich jetzt aber lieber ein anderes Ziel suchen. Das erinnert schmerzend an billige Actionreißer, die versuchen, durch solche Szenen etwas Emotionen in ihr eigentlich gar nicht tiefsinniges Wesen zu bringen, aber dabei grundsätzlich versagen. "2009" macht hierbei keine Ausnahme. Abseits davon stellt sich mir ebenfalls die Frage, wieso man bei dieser Zeitreise, die man in keiner Weise manuell beeinträchtigen kann, immer wieder genau an derselben Stelle in der Vergangenheit rauskommt.
Neben vielen heroischen Augenblicken verderben auch etliche pathetische Momente den gut gemeinten Brei. Teilweise wird's dann schon fast patriotisch und man folgt billigsten Hollywood-Strickmustern. Keine Sekunde lang wird versucht zu verbergen, dass Japan hier als böser und machtsüchtiger Obermotz dargestellt wird, den es zu bekämpfen gibt. Als Einwohner der Insel wäre ich deshalb direkt beleidigt...
Die Darsteller des Spektakels sind so lala, keiner besonders gut oder schlecht - Grund zur Klage gibt es somit glücklicherweise nicht. Bei der Technik hat man sich Gott sei dank mehr Mühe gegeben als bei der Story. Teilweise präsentiert sich das Werk in beeindruckenden Einstellungen, die Kulissen sind recht zufrieden stellend und die Action absolut makellos oder ordentlich deftig. Der klassische Soundtrack ist im Gesamtbild trotz vereinzelter Overkills ebenfalls durchaus vorzeigbar.
Das Fazit: Ich persönliche liebe das koreanische Kino, aber bei solch flachen und pseudocoolen Hollywood-Ripoffs kommt mir die Suppe hoch. Vor allem den Westlern wird vorgegaukelt, dass "2009 Lost Memories" einer der besten südkoreanischen Filme aller Zeiten sei, doch in Wahrheit ist er eigentlich einer der miesesten. Enttäuschend dümpelt das Big-Budget Machwerk belang- und zusammenhangslos à la "Yesterday" vor sich hin, nur ab und zu entfalten sich recht brauchbare Actionsequenzen. Der Hype um diese extreme Anballung von Klischees ist mehr als übertrieben, denn hier findet man kaum etwas Brauchbareres als gewohnte neumodische Hollywood-Dutzendware vom Fließband. Bitte Finger weg davon, vor allem als ernsthafter Fan des koreanischen Kinos sollte man bewusst Distanz zu diesem pathetischen Streifen einnehmen. Die paar Bewertungspünktchen gibt's für die ordentliche Action und ein paar nette Einstellungen.