Bei seiner Premiere auf diversen Festivals wurde dieser rare italienische Beitrag (rar in dem Sinne das aus Italien seit Michele Soavis "Dellamorte Dellamore" kein wirklich bedeutender Thriller- / Horrorfilm bis zu Argento's "Non ho sonno" gekommen ist) als "Das Comeback des Giallos" angepriesen. Vielleicht nicht gerade hilfreich für den Streifen, denn die Messlatte wird bei solcher Werbung von vielen in einer Höhe angelegt, der nur die wenigsten Filme standhalten würden.
"Almost Blue" ist auch nicht wirklich ein Giallo, auch wenn Infascelli hier und da eindeutig darauf abzielt erinnert der Film eher an David Fichers düsteren "Seven". Die Geschichte um einen Killer, der seine Opfer tötet und dann deren Identität annimmt ist eine gute Grundlage doch an der Umsetzung hapert es vor allem in der zweiten Hälfte des Films deutlich. Die Protagonistin, eine Polizistin, die sich mit zunehmender Besessenheit in den Fall verbeisst und dabei immer wieder übers Ziel hinausschießt ist für eine Identifikationsfigur einfach zu "leer" und damit ist einem schon die Möglichkeit genommen, 100 %ig ins Geschehen einzusteigen. Schlüsselfigur ist ein blinder Junge, der den Mörder per Internet im Gespräch mit einem seiner Opfer belauscht. (Ähnlich wie Karl Maldens Figur in "Il gatto nove code"). Zweifellos interessant, doch das sich eine (später auch sexuelle) Beziehung zwischen ihm und jener Polizistin entwickelt stört die melancholische und nihilistische Richtung, die der Film von Anfang an einschlägt ungemein. Besonders brutale oder blutige Szenen darf man sich übrigens nicht erwarten, auch wenn einige Details schon auf die Magengrube schlagen.
Trotz alle dem ist "Almost Blue" sehenswert, visuell hat der Film einige nette Ideen zu bieten, der Soundtrack geht auch gut ins Ohr (natürlich kein Vergleich zu den markanten Klängen eines Stelvio Cipriani oder Ennio Morricone) und der Nervenkitzel kommt auch nicht zu kurz, trotz alle dem bleibt am Ende eine gewisse Unzufriedenheit beim Betrachter zurück, so als habe der Regisseur permanent versucht, eine gewisse Barriere zu überwinden und bei dem Versuch aber immer wieder abgerutscht. Wieder ein Film, in den man viel Hoffnung investiert hat, der aber letzten Endes auch nicht überraschend genug ist, um dem darnieder liegenden italienischen Genre-Film wieder auf die Sprünge zu helfen.