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John Grisham Verfilmungen erzählen zwar alle ähnliche Geschichten, aber sind alle auch ziemlich spannend und da bildet auch „Die Jury“ keine Ausnahme.
Thema des Films ist der immer noch vorherrschende Rassismus in den Südstaaten, der teilweise extrem offen zutage tritt. Ein extremer Fall ist die Vergewaltigung der Tochter von Carl Lee Hailey (Samuel L. Jackson) durch zwei weiße Rassisten, was diese nur schwer verletzt überlebt. „Die Jury“ geht das Thema direkt sehr hart an (die Vergewaltigungsszene aus der Perspektive des Opfers geht echt an die Nieren), auch wenn der Film nicht ganz so schonungslos wie z.B. „Mississippi Burning“ ist.
Da er fürchtet, dass die beiden Vergewaltiger mit geringen Strafen davonkommen, erschießt Carl Lee die beiden noch auf dem Weg zur Verhandlung, worauf man ihn selbst verhaftet. Hier tritt die interessante Frage auf, die sich durch den ganzen Film zieht: Ist Carl Lees Handeln gerechtfertigt oder zu verurteilende Selbstjustiz? Erfreulicherweise wird sie nie offen beantwortet, denn auch wenn die Schrecklichkeit der Vergewaltigung erkennt, so muss man sich stets fragen, ob es gerecht ist, dass Carl Lee eventuell straffrei davonkommt, eventuell die Todesstrafe verhängt wird etc.

Für den Freispruch setzt sich der junge Anwalt Jake Tyler Brigance (Matthew McConaughey) ein, der Grisham-typisch unter Klientenmangel leidet, obwohl er ein brillanter Kopf ist. Doch der Prozess zieht weite Kreise: Politische Interessengruppen wollen den Fall für ihre Sache ausschlachten, der KKK bedroht Jake und sein Team usw. Doch kann sich der junge Verteidiger gegen den brillanten Staatsanwalt Rufus Buckley (Kevin Spacey) durchsetzen?
„Die Jury“ ist kein reiner Gerichtsfilm und das ist auch gut so, denn gerade in diesen Passagen stecken ein paar Schwächen. So sind die Winkelzüge der Anwälte, das übliche Befragen und eventuelle Diskreditieren von Zeugen sowie die Berufung auf Präzedenzfälle übliches Gerichtsfilmmaterial und sehr spannend gemacht, doch wenn es um die Plädoyers geht, dann wird „Die Jury“ teilweise unangenehm kitschig. Da Vergebungsszene des angeschossenen Cops Dwayne Powell Looney (Chris Cooper) mag man ja noch verzeihen, doch die Tatsache, dass der Fall in erster Linie aufgrund eines auf die Tränendrüse drückenden Plädoyers entschieden wird, stößt dann angesichts des sonst eher nüchternen Rest etwas übel auf.
Um einiges realistischer erweisen sich die Ausschreitungen rund um den Prozess: Carl Lees Familie wird von der Armut bedroht, da der Vater im Knast sitzt, der KKK schreitet immer ruppiger und brutaler ein und die Anwälte versuchen sich auch außerhalb des Gerichtssaales auszubooten (u.a. durch das Stibitzen von Informationen oder Ausschaltung von Zeugen). So behält „Die Jury“ auch außerhalb der Gerichtsszenen seinen Drive und bleibt recht spannend, nur einige Fragen lässt der Film offen. *SPOILER* Über den Verräter in den Reihen des KKK erfährt man z.B. gar nichts. *SPOILER ENDE*

Auch im punkto Figuren kann „Die Jury“ Sympathien einstreichen. Jake ist der typische Grisham-Anwalt, aber dafür stellt man ihm mit Harry Rex Vonner (Oliver Platt) einen schrägen besten Freund zur Seite: Mehrfach geschiedener Scheidungsanwalt stets mit einem sarkastischen Spruch auf den Lippen. Hinzu kommt noch Jakes schlitzohriger Mentor Lucien Wilbanks (Donald Sutherland) sowie die gerechtigkeitsliebende Jurastudentin Ellen Roark (Sandra Bullock). Mit diesen kann sich Jake dann nette Wortgefechte liefern, was den sonst ziemlich ernsten Film auflockert und auch über gelegentlichen Kitsch (hier wären noch die Szenen mit Jakes Familie zu nennen) hinwegtröstet.
Schauspielerisch kann man an dem prominenten Ensemble eigentlich nichts aussetzen, wobei sich vor allem für Matthew McConaughey für seine Verhältnisse überraschend gut schlägt. Noch kurz vor dem Durchbruch standen damals Ashley Judd (hier als Jakes Ehefrau) und Chris Cooper, die sich in der Menge bekannter Gesichter ganz gut schlagen. Etwas kurz kommt nur Kiefer Sutherland als Bruder des einen Rassisten.

So bleibt unterm Strich recht spannendes und gut gespieltes Grisham-Entertainment, das einige interessante Themen aufgreift. Allerdings hat der Film auch seine Längen und wird stellenweise etwas arg kitschig und pathetisch.

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