"Six Feet Under" - mal wieder eine Serie, gibt ja so wenige im deutschen Fernsehen. Und dann auch noch aus den USA, oh mein Gott. Na das wird was werden... In etwa diese Geisteshaltung hatte ich beim Einschalten, als auf VOX die erste Folge bzw. der Pilot ausgestrahlt wurde - mehr oder weniger schaute ich lediglich mangels besserer Alternative auf einem anderen Kanal zu dieser Uhrzeit.
Ich war hin und weg, kurz gesagt: völlig begeistert. Ruhig, strukturiert, mit viel Sinn für feinfühligem Humor und melancholischen Tönen erzählt "Six Feet Under" die Geschichte von der Familie Fisher und Söhne, einer alteingesessener Dynastie, ein kleines Familienunternehmen im Bereich der Bestattungen. Fishers bringen liebevoll und mit viel Herz Menschen zu ihrer letzten Ruhestätte. Dabei geht es weniger um die Bestattungsvorgänge, die sich lediglich als "Rahmenhandlung" wie ein roter Faden durch die einzelnen Folgen zieht sondern vielmehr um die beteiligten Charaktere.
Da hätten wir zuallererst natürlich die Fisher Familie. Der verstorbene Vater, hinterbliebene Ehefrau, die beiden Söhne und eine Tochter. Die Serie verwendet viel Zeit darauf die Charaktere langsam und sorgfältig auszuarbeiten. Jeder ist für sich genommen ein Unikat, hat seine Macken, seine Kanten und Ecken - und ist doch liebenswert. Dadurch spielen sich die einzelnen Personen schnell in das Herz des Zuschauers, werden fast zu einem Teil seiner selbst. Noch nie hat mich eine Serie so überzeugt, so berührt, so viel Raum eingenommen - und das schlicht und ergreifend durch die erstaunlich menschlichen und nachvollziehbaren Charaktere der Hauptfiguren.
Auch die Nebenrollen sind allesamt liebevoll ausgearbeitet. Alle Rollen sind mehr als treffend perfekt, fast scheint es so, als ob "Six Feet Under" den Schauspielern auf den Leib geschnitten wurde. Jeder geht in seiner Rolle auf, ja, man meint stellenweise die Schauspieler "leben" ihre Rolle tatsächlich.
Die Handlungen scheinen sowohl in ihren kurzen Episoden der einzelnen Folgen fast aus dem Leben gegriffen, genauso wie die eigentliche Rahmenhandlung die sich durch alle fünf Staffeln hindurch zieht. Dazu tragen die einerseits abstrusen und doch realistischen Todesfälle bei, andererseits aber auch die allzu menschlichen Entwicklungen der Protagonisten, sowohl im positiven wie auch im negativen.
"Six Feet Under" widmet sich dem Sterben als auch gleichermaßen dem Leben. Die Beteiligten kämpfen tagtäglich mit dem präsenten Tod, ebenso wie mit den Wirren ihres eigenen Lebens, ihren Träumen, ihrer Zukunft. Die Serie gilt zurecht als die intelligenteste, anspruchsvollste und damit als die "beste" Serie der heutigen Zeit.
Prädikat besonders wertvoll - Kopfkino in Serie.
(10/10)