"Vielleicht wäre es nächstes Mal besser zuerst den Großen fertig zu machen."
Regisseur Alan Taylor ("Game of Thrones", "Die Sopranos") überbietet mit dem Nachfolger "Thor - The Dark Kingdom" Action und Effekte des Vorgängers und lässt dafür die Figuren etwas kurz kommen. Dennoch funktioniert der Film als Popcornkino ungemein gut.
Nach der Zusammenkunft mit weiteren Superhelden in New York hat Thor (Chris Hemsworth) die Erde wieder verlassen, um die Ordnung in den restlichen neun Reichen wiederherzustellen. Sein Adoptivbruder Loki (Tom Hiddleston) wird währenddessen von Odin (Anthony Hopkins) für die Verbrechen auf der Erde verurteilt und in einer Zelle Asgard's eingesperrt.
Kaum hat sich die Lage wieder beruhigt steht schon eine neue Bedrohung an. Der Dunkelelf Malekith (Christopher Eccleston), erwacht aus seinem jahrtausendelangen Kälteschlaf und will mit Hilfe des Äthers das Universum wieder in absolute Dunkelheit stürzen.
Durch eine bevorstehende Annäherung der Welten an eine gemeinsame Ausrichtung entlang einer Linie, öffnen sich immer mehr Portale, die die Welten miteinander verbinden. Jane Foster (Natalie Portman), die betrübt vom Verschwinden Thor's ist, beschäftigt sich mit diesem Phänomen und gerät zwischen die Fronten.
"Thor - The Dark Kingdom" kann unabhängig seiner beiden Vorgänger "Thor" und "Marvel's The Avengers" gesehen werden. Gerade aber zahlreiche Details beziehen sich auf die genannten Filme und funktionieren natürlich nur bei dessen Kenntnis. Besonders der ein und andere Gag, so wie beispielsweise ein Kurzauftritt von Captain America, bezieht sich gerne auf bereits abgehandelte Erzählstränge. Ansonsten zitiert der Witz immer wieder die Überheblichkeit des Protagonisten oder dessen Beziehung zu anderen Figuren. Während diese Gags stets zünden, wollen Thor's machoartige Sprüche nicht immer zum Lachen animieren.
Die Geschichte ist einfach und verständlich gehalten, enthält jedoch trotzdem einige auffällige Logiklücken, besonders bei den Wendungen. Im Bewusstsein einen Film zu sehen der einzig unterhalten will, wird sich der Großteil des Publikums darum wohl weniger kümmern und stattdessen die zahlreichen Ausflüge in andere Welten genießen. "Thor - The Dark Kingdom" spielt im Gegensatz zu seinem Vorgänger weit häufiger außerhalb der Erde. Dadurch bekommt die Comicverfilmung nicht nur eine frische Optik. Auch einige kreative Möglichkeiten nutzen die Produzenten um für Abwechslung zu sorgen.
Gänzlich eigenständig ist "Thor - The Dark Kingdom" allerdings nicht. Immer wieder wird man als Vielseher an andere massentaugliche Filme erinnert. Besonders Einflüsse aus der "Star Wars"-Reihe, der "Herr der Ringe"-Reihe sowie "Man of Steel" sind offensichtlich.
Gewaltige Bilder und eine dramatische Musikuntermalung sorgen für eine ungemein epochale Atmosphäre. Vor allem die Optik Asgard's wirkt prächtig, die Zerstörungswut monumental und detailreich. Die Actionszenen sind anfangs nur zweckmäßig inszeniert, werden später aber wuchtiger, teils sogar überraschend ruppig. Im Finale strotzt "Thor - The Dark Kingdom" nur so von spaßiger, visuell einfallsreicher und herrlich durchgeknallter Action, die Dank einer dynamischen Kameraführung ausgesprochen gut eingefangen wird.
Die meisten Schauspieler wirken sehr eingespielt. Besonders Tom Hiddleston ("Gefährten") ragt heraus und präsentiert seine ambivalente Figur enorm variantenreich. Chris Hemsworth ("Snow White and the Huntsman") spielt seine Hauptrolle souverän aber geradlinig.
Unterstützend aber unscheinbar wirken Rene Russo ("Kopfgeld - Einer wird bezahlen", "Lethal Weapon"-Reihe) und Anthony Hopkins ("Das Schweigen der Lämmer", "Bobby") in ihren Nebenrollen. Natalie Portman ("Black Swan", "V wie Vendetta") leidet erneut unter ihrer einfältigen Rolle.
Wer keine knallharte Action ohne Kompromisse sucht und mit der Humor-Action-Mischung klarkommt, erhält mit "Thor - The Dark Kingdom" sehr heiteres Popcornkino, Kenner der Vorgängerfilme eine unterhaltsame Erweiterung des Marvel Cinematic Universe. Besonders die bombastische Inszenierung und einige spätere Actionszenen sind phänomenal. Es mangelt aber leicht an konsequenter Weiterführung, Eigenständigkeit und der Entwicklung der Figuren.
8 / 10