"Jackass" startete im Jahre 2000 als Fernsehreihe, in der die Mitstreiter Mutproben oder waghalsige Stunts hinlegten, sich in lebensgefährliche Situationen brachten oder zumindest schmerzhafte Erfahrungen sammelten. Es folgten drei Kinofilme und spätestens danach kannte jeder das Gesicht von Co-Erfinder Johnny Knoxville. Also musste eine Verkleidung her und die als 86jähriger Opa erweist sich als goldrichtig, um ahnungslose Passanten in Verlegenheit zu bringen.
Irving Zisman (Knoxville) plagen gleich mehrere Probleme: Seine Frau ist nach 46 Jahren Ehe verstorben, seine Tochter muss wegen Drogen ins Gefängnis und er soll seinen achtjährigen Enkel Billy (Jackson Nicoll) zu dessen Erzeuger bringen, der seinen Sohn eigentlich gar nicht bei sich haben will. Es beginnt eine abenteuerliche Reise mit einigen Überraschungen...
Man muss nicht zwangsläufig ein Freund von Jackass" sein, um das Prinzip des Streifens zu mögen, denn hier geht es weniger um Stunts oder sinnlose Selbstverletzungen, als um eine Sketch-Komödie, die mit ihren versteckten Kameras zwangsläufig an derbere Episoden aus "Verstehen Sie Spaß?" erinnert. Nur wenige Figuren sind eingeweiht, während der amerikanische Durchschnittsbürger sein wahres Gesicht offenbart und unter anderem dabei hilft, eine Leiche im Kofferraum zu verstauen oder dabei zusieht, wie sich Opa und Enkel am helllichten Tage im Park die Bierdosen reinziehen.
Irving gibt sich dabei als fluchender Lustmolch, der alles begehrt, was auch nur ansatzweise weiblich erscheint, während Billy mit seiner unbefangenen Art rasch Sympathiepunkte sammelt, indem er auf offener Straße einen neuen Dad sucht oder der Angestellten eines Sexshops ("Ist mein Opa bei ihnen?") recht charmant eine auffallend große Oberweite attestiert. Die Lückenfüller im Auto sitzend hätte es zwar kaum benötigt, doch man merkt, dass die Chemie zwischen den beiden Darstellern stimmt.
Natürlich sind nicht alle Gags Volltreffer, denn die Fäkal-Episoden lassen das Niveau zwischenzeitlich deutlich absinken und der Scherz mit dem eingeklemmten Penis im Getränkeautomat kommt auch nur lauwarm rüber, doch spätestens als Irvin beim großen Bingo-Abend Tinte trinkt und seinen Cocktail-Shaker aus der Tasche kramt, während manche lachen und andere angewidert wegschauen, trifft der Stoff genau ins Schwarze.
Der Höhepunkt ist allerdings die Anspielung auf "Little Miss Sunshine", als Billy am Kinder-Schönheitswettbewerb in Verkleidung teilnimmt und vor allem den zweifelhaften Zielen der Eltern mal so richtig den Spiegel vorhält.
Knoxville hat zwar irgendwann von sich behauptet, nicht wirklich schauspielern zu können, doch hier gibt er in jeder Hinsicht einen überzeugenden alten Kauz ab: Viel zu weite Kleidung, dazu die entsprechend leicht gebückte Körperhaltung und eine nahezu perfekt verstellte Stimme. Ohne dem dazugehörigen Make-up ist das allerdings nur die halbe Miete, denn auch da sitzt bis auf den letzten Altersfleck alles grandios.
Zwar ist die eigentliche Geschichte etwas schwach auf der Brust und bietet lediglich einen Rahmen, um ein paar Streiche mit versteckten Kameras über die Bühne zu bringen, doch es steckt gleichermaßen überraschend viel Charme hinter der Sache, was primär im letzten Drittel untermauert wird, als Rocker im Kollektiv ein Verhalten außerhalb sämtlicher Klischees an den Tag legen, während Outtakes beim Abspann belegen, mit wie viel Spaß und Herzblut die Beteiligten bei der Sache waren.
Wenn das der neue Weg von "Jackass" sein sollte, dann gerne mehr davon!
7,5 von 10