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In seinem letzten Film offenbart Robin Williams noch einmal, warum er besonders in ernsteren Rollen brillierte, denn er verstand es, mit wenigen Gestiken, zurückhaltender Mimik und viel Ausdruck in den Augen wahnsinnig viel Gefühl zu transportieren, wodurch das Drama von Dito Montiel hauptsächlich lebt.

Der sechzigjährige Bankangestellte Nolan (Williams) lebt in einer routinierten Beziehung mit Joy (Kathy Baker), als er eines Abends den jungen Stricher Leo (Roberto Aguire) anfährt und mit ihm im Hotelzimmer landet. Um zu reden. Dies geschieht noch einige Male und es scheint eine Frage der Zeit, bis Nolan seinem Umfeld etwas zu offenbaren scheint...

Vielleicht hätte es einen würdigeren Abschluss für Williams geben können, denn das Drehbuch lässt ihn so manches Mal im Stich. Dabei birgt die Geschichte des zurückhaltenden Einzelgängers, dessen Lebenslüge so langsam aufzufliegen droht unheimlich viel Potenzial für spannende Konfrontationen. Doch die Erzählung bleibt still und unaufgeregt, selbst als Nolan dazwischen geht, als Leo verprügelt wird oder als er von der Intensivstation des Krankenhauses informiert wird. Oft verharrt die Kamera beinahe lethargisch, doch manchmal ist sie genau in dem Moment genau richtig positioniert, um die volle Bandbreite von Nolan einzufangen, der nie aus sich herausgeht, jedoch jederzeit wie kurz vor der Explosion erscheint.

Die triste, teils hoffnungslose, mindestens aber melancholische Stimmung wird primär durch Nolan generiert, der seine Bedürfnisse und Wünsche verschlossen hält und auch in sexueller Hinsicht Angst vor Berührungen zu haben scheint, was allerdings nie so recht durchleuchtet wird. Eine innige Umarmung scheint das Größte für ihn zu sein, er habe Angst, andere zu verletzten, was eine der Begründungen ist, die Homosexualität niemals offen auszuleben.
Und anbei stellt sich die Frage, ob es bereits Fremdgehen ist, sich mit jemandem zu treffen, ohne dabei Liebesbekundungen oder gar körperliche Nähe auszutauschen.

Die allgemeine Zurückhaltung und das starke Spiel mit Nuancen und Gestiken zeichnet auch die Nebendarsteller aus, denn Joy scheint gewisse Zusammenhänge zu erahnen, doch flüchtet sich in ihre Bücher, ihren Traum einer gemeinsamen Kreuzfahrt, von der sie im Grunde nur allein träumt, während Leo seiner tristen Existenz mit allgemeiner Gleichgültigkeit gegenüber tritt, selbst als Nolan ihm einen Job im Restaurant anbietet.
Auf ihre Art sind sie alle in ihrem Kosmos gefangen, nehmen bestimmte Umstände hin, obgleich der Schritt hinaus ein Leichtes wäre.

Insofern ist die Geschichte nichts für Zwischendurch, kein spektakulärer Streifen über ein Coming out oder gar ein Psycho-Thriller, welcher sich in Ansätzen ebenfalls angeboten hätte.
Ein brillanter Robin Williams trägt die Chose mit Unterstützung seiner beiden Mitspieler erstklassig, die Atmosphäre lebt mit und durch ihn.
Ein Film, der in entsprechender Stimmung gesichtet werden sollte und ein wenig Geduld und Einfühlungsvermögen beansprucht. Ein leiser Film mit beinahe ebenso leisem Abgang.
6,5 von 10

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