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Wenn die letzte Messe noch nicht gelesen ist und das allerletzte Kapitel vom letzten Exorzismus noch ansteht, wird es immer Gruselmischungen geben, die alles aufgreifen, was zwischen Besessenheit und Kindheitstrauma, verdrängten Schuldgefühlen und Geistermädchen möglich ist. Im vorliegenden Fall von Regisseur und Co-Autor Daric Gates finden die Versatzstücke diverser Vorbilder jedoch kaum zueinander.

Polizist Michael (Will Wallace) und seine noch immer arg traumatisierte Frau Rachel (Emily Brooks) ziehen nach dem Unfalltod ihrer Tochter in das verschlafene Nest Glenwood Bay, wo Michael als Deputy neben Sheriff Hendricks (Don Swayze) seinen Dienst antritt. Doch schon am ersten Arbeitstag wird ein Mädchen als vermisst gemeldet, Rachels psychische Labilität steigert sich, während ein verlassenes Haus der Schlüssel zu allem sein könnte...

Gleich zum Einstieg sinniert ein Geistlicher über verschiedene Ebenen des Bösen, während eine Schlange sinnbildlich für die Verführung steht. Für solche Exkurse muss man nicht sonderlich bibelfest sein, auch wenn einige Male aus ihr zitiert wird. Es geht also um das Böse im Allgemeinen, im Besonderen laufen allerdings verschiedene Themenbereiche nebeneinander her, was auf Dauer reichlich schwammig und willkürlich anmutet.

Das klassische Bild des vermissten Mädchens im Wald wechselt sich ab mit diversen Formen von Besessenheit, es gibt einige Flashbacks und kurze Inserts, doch wirklich fokussiert auf ein Thema ist die Erzählung allenfalls gegen Ende, als mehrere kleine Geheimnisse gelüftet werden, was den Gesamteindruck immerhin noch ein wenig aufwertet.

Ansonsten sind die Figuren nicht gerade sorgfältig gezeichnet, es wird über weite Teile eher hölzern denn engagiert performt und allenfalls der stilsichere Look bringt ein wenig Professionalität mit rein. Allerdings ist es sicherlich kein Zufall, dass ein Gebäude nebst Treppe haargenau so aussieht, wie man Bates Motel in Erinnerung hat, - vielleicht hätte man solche Szenen besser außerhalb des Studiogeländes eingefangen.

Unterdes wird ein Anagram entschlüsselt, ein Psychiater lüftet ein Geheimnis, Will Wallace versucht einen zweiten Gesichtsausdruck und scheitert und am Ende muss der Geistliche mal wieder einspringen. Das ist im Gesamtbild alles andere als originell, gerät nur selten spannend oder gar mitreißend und wird bei alledem überwiegend ruhig vorgetragen, da Jump Scares und Blutvergießen totale Mangelware darstellen.

Wenn ein Joe Estevez schon dazu mutiert, als laut prophezeiender Patient hinter Gittern, aber im Flur (!) einer Nervenheilanstalt zu agieren, kann es mit dem Rest nicht weit her sein, zumal beim Exorzismus noch nicht einmal wirklich Körper verdreht werden.
"The Appearing" bietet eine halbgare Mischung jenseits von Gut und Böse, die nur leidlich unterhaltsam ist und außer grundsolidem Make-up und passabler Kamera absolut keinen Anreiz für eine Sichtung bietet.
3,5 von 10

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