Ähnlich dem US - Propagandafilmer D. H. Griffith legte der cineastische NS - Kollaborateur Veit Harlan ("Jud Süß", "Kolberg") einen scheinbaren Gesinnungswandel hin, den ihm am Ende (zurecht) keiner abnahm: "Anders als du und ich", im Original ein halbwegs versöhnlicher FIlm zum damaligen Tabuthema Homosexualität, war auch Jahre nach Ende des Naziterrors der jungen und achso toleranten BRD ein Dorn im Auge, weshalb man allzu liberale Passagen in der Nachbearbeitung übersynchronisierte. Also nix mit Gay Liberation in den German 50's. Stattdessen bleibt ein zwar gut gespieltes und interessant inszeniertes, aber moralinsaures Lehrstück über den langen Weg, den die junge BRD damals noch zu gehen hatte, wenn es um die Gleichbehandlung queerer Personen ging, zu gehen hatte.
Dieser frühe Coming of Age - Fehlschlag stellt den "Leidensweg" des Abiturienten Klaus Teichmann in den Vordergrund, der zum Leidwesen seiner Eltern wenig Interesse an Rock'N'Roll und Tanzfeten zeigt, sondern mehr den schönen Künsten zugetan ist, ein Interesse, was er mit dem sensiblen Manfred teilt. Über den macht der intelligente Bankierssohn Bekanntschaft mit dem Antiquar Dr. Boris Winkler, auf dessen ausschweifenden Parties der Kunstkenner die beiden Freunde Gleichgesinnte in Sachen Kunst und Kultur finden, aber auch andere Lebensmodelle kennenlernen.
Für Klaus' gutbürgerliche Spießereltern ein wahrer Skandal, aber der kundige Jugendpsychologe weiß um Abhilfe: dem sexuellen Erwachen des rebellischen Knaben muss mit holder Weiblichkeit begegnet werden, die in Haushälterin Gerda auch schnell gefunden ist. Dier Verführung zeigt zum Ärger des geschassten Manfred Wirkung, der die Freundschaft nun in Manfreds besessener Vögelei dahinsiechen sieht, weswegen dessen Freund Dr. Winkler die Mutter der Kuppelei anzeigt.
Achja, die hormonellen Irrfahrten: Der gezeigte Leidensweg ist eindeutig der falsche, zumal unser Protagonist im Gegensatz zu Keule Manfred KEINERLEI homoerotische Tendenzen zeigt und nur ob seiner Interessen abgestempelt wird. Dabei bietet der Film seinem gebeutelten Protagonisten keinerlei Chance zur Erklärung seiner avantgardistischen Hobbies, während Vater und Onkel hingegen in einer Travestiebar (!) ihre Probleme runterspühlend das Publikum in bester Zoobesuchermanier begaffen und darüber herziehen dürfen
Das Kontingent an szenischen Absurditäten in diesem Film ist ohnehin sehr hoch. Dr. Winkler wird durchgehend sinister und durchtrieben dargestellt, während die "Verführung" Gerdas durch Klaus - man möchte dieser Tage eher "Vergewaltigung" sagen - eher einem Mordversuch aus einem Horrorfilm alter Schule gleicht, der dann aber von übertrieben heroischen Pathosklängen untermalt von Klaus' Mannwerdung zeugen. Heute Gott sei Dank undenkbar. Vollkommen surreal wirkt indessen ein improvisierter Ringkampf zu ebensolcher Trautoniummusik, den unser schurkiger Antiquar vom Dienst in seinem Wohnzimmer veranstaltet.
Der Film hätte keiner Übersynchronisation bedarft, um seine absolut konservative Schockwirkung auf das Publikum zu entfalten: Veit Harlan stellt sein ganzes propagandistisches Können hier zur Schau und schießt den scheinbaren Gesinnungswandel gleich mit der ersten halben Stunde des Films freudestrahlend in den Wind. Rehabilitation adé! Als deutsches Gegenstück zu "Glenn or Glenda" taugt der Film leider auch nicht. Die unfreiwillige Komik bleibt dann doch zu sehr im Halse stecken, je länger man drüber nachdenkt. Und dazu zwingen einen die miesen Umstände jener Zeit als moderner Mensch nun mal. Bereits 1957, 14 Jahre vor Rosa von Praunheim, galt: "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt."