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Über zehn Jahre nach seinem letzten Langfilm Save the Green Planet! (2003) erschafft der dortige Autor und Regisseur Jang Joon-hwan hier eine gänzlich andere, direkt im Widerspruch dazu stehende Welt. Ebenfalls mit den Mitteln von Genrewechseln und so den Sprüngen von ruhigem, und ab und an auch bewegungslosen Drama hinzu zu überdrehter Gewaltgroteske mit überhaupt gewöhnungsbedürftiger Prämisse wird die Geschichte von Selbstfindung, vom schwierigen Gang in das Erwachsentum und die Abschottung aus dem eigenen Elternhaus erzählt; mit dem Umstand, dass die Väter hier nicht die Erzeuger des Kindes, sondern die Entführer, die Erzieher und aufgrund ihrer Berufskarriere als bedingte Räuber und Mörder bald auch die größte Gefahr des Jungen sind:

Die berüchtigte und überaus gefährliche Bande der "Day Breakers", die angeführt von Yun Seok-tae [ Kim Yun-seok ] auch gerne inmitten der Öffentlichkeit und am hellichten Tage ihre Überfälle ausführen, lassen bei einem Mord den scheinbar blinden Masseur [ Wu Jeong-guk ] als Zeugen ihrer Tat zurück. Der Mann kann zwar tatsächlich überaus schlecht bis nahezu gar nicht sehen, aber gibt trotzdem Aussagen zum Geschehen, unter anderem ein eindrücklichen Geruch vom Chinesischen Wacholder ab. Aufgrund dessen kommt der ermittelnde Polizist Choi Jeong-min [ Kim Yeong-min ] vom Inter-City Investigation Crime Affairs auf die Fährte der Gang, die zur Tarnung in Paju in der Gyeonggi-do Provinz am 38. Breitengrad eine der vielen ansässigen Gärtnereien betreiben. Währenddessen machen sich die "Day Breakers", weiterhin aufgestellt durch Lee Jin-seong [ Jang Hyeon-seong ], Yun Gi-tae [ Jo Jin-ung ], Beom-su [ Park Hae-jun ] und Dong-beom [ Kim Seong-gyun ] mit jeweils eigenen Spezialitäten an die nächste Aufgabe, sollen sie doch im Ansinnen des Incheon real-estate developer Jeon Seung-gi [ Mun Seong-geun ] den noch einzig verbliebenen und hartnäckig aushaltenden Bewohner eines zukünftigen Bauprojektes beseitigen. Zur Unterstützung und zur Anleitung nehmen die Fünf ihren gemeinsamen "Sohn" Hwa-yi [ Yeo Jin-gu ] mit, einen Jungen, den sie 1998 entführt und seitdem gemeinsam auf- und in ihren Gewerbe herangezogen haben. Der scheinbar simple Mord wird zu einem Desaster, nachdem die ganze bisherige Welt nicht nur des Heranwachsenden, sondern auch der Erwachsenen kippt...

Gewalt- und Terrorkino unter einem kruden Aspekt, wird in der Darstellung der Eruption von Herrschaft und Macht auch mal der schwarze Slapstick und der Gang in die bizarre Überdrehtheit erreicht, spritzt das Blut in den psychopathischen Akten gerne direkt in die Kamera und sowieso meterweit. Die dreimal gestellte Frage nach dem "Warum" all dieser exzessiven Brutalität und Unmenschlichkeit wird nicht beantwortet, Opfer werden nicht beklagt, dafür umso fleißiger gemacht, was auch mal die Person am falschen Ort zur falschen Zeit und überhaupt die Phase allgegenwärtiger moralischer Korruption und Degenerierung erreicht. Angereicht und so auch aufgeheitert wird das Geschehen, welches im Grunde vom Lernen eigener Gefühle und dem Umsetzen eigener Gedanken statt nur dem blinden Gehorchen von Befehlen erzählt, mit mancherlei Aktion. Verfolgungsjagden per Auto vor einer plötzlichen Straßensperre oder eine spätere Jagd vor schussbereiten Häschern durch ein viel beschäftigtes Bauareal spielen auch mit den Mitteln des adrenalingetriebenen Kinos; eine Handhabung, die das Koreanische Kino in den letzten Jahren sowieso gelernt hat und hier wie blind beherrscht.

Gerade die zweite nächtliche Hatz durch Tunnel, über nassen Asphalt und in Absperrungen und Baumaschinen hinein baut eine Geschwindigkeit auf, die sich zusätzlich aus dem vorherigen fatalen Fortgang regelrecht entlädt.  Eine krisengeschüttelte Einheit, die keine und auch keine richtige Familie, aber eben doch so etwas wie eine Heimat, zumindest die einzige wahrhaftige Erinnerung an die Kindheit ist. In jungen Jahren den Eltern entraubt, in düsteren Verliesen und mit horrorreichen Monstern aus der Fantasie eingesperrt, wird aus der vermehrt ausgebildeten Tötungsmaschine der "Day Breakers" tatsächlich die Bedrohung, die man ehedem im Sinn hatte; nur jetzt mit dem falschen bzw. dem richtigen Ziel. Ein Kriminalstück im nihilistischen Grenzstadtmilieu, in der sich der Protege gegen seine Lehrmeister stellt, dazu ein zwar nicht dienstbeflissener, aber eifriger und auf seine Art und Weise hartnäckig divergenter Polizist, der nicht der Obrigkeit gehorcht, sondern allein ermittelt und ebenso gegen die geplanten Strukturen der Hierarchie gerichtet ist.

In kühler und karger Umgebung bebildert, in der die Einzelteile wie der spezielle Chinesische Wacholder, nachdem der Junge seinen Namen erhalten hat, aufgrund seiner Seltenheit und Schönheit auch Alleinstellungsmerkmal in all der Tristesse erhält, erscheint die Inszenierung gleichsam präzise entfremdet und verstärkt frostig, nur im teils schwer erträglich gefilmten Kampf auf Leben und Tod dann tatsächlich erregbar formuliert. Darstellerisch in den Erwachsenenrolle der Figur und Funktion nach ebenso solide, auch etwas unpersönlich und dafür zweckmäßig prononciert, was durch die zwischen Introvertiertheit, Aufgelöstheit und Abgebrühtheit wechselnde Ausdrucksweise von Yeo Jin-goo noch am Ehesten mit tatsächlicher Existenz gefüllt wird.

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