Staffel 1
Staffel 1
Die reiferen Vampire Diaries?
Vampire Diaries ist kurzweilig, cool, kitschig, ganz klar auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten - und gefiel mir & vor allem meiner Freundin immer gut (4 Staffeln bisher gesehen). Der oft gezogene Vergleich / Schelte mit "Twilight" war eine Beleidigung für die Serie. Und als kleiner Inkognito-Fan war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis ich mir auch die Spin Off-Serie "The Originals" zu Gemüte führe. Im gleichen Universum voller Vampire, Werwölfe & Hexen angesiedelt, geht es hier um die Urvampir-Familie rund um Klaus, Elijah & Co., welche in VD lange Zeit die Bösewichter abgaben & nun versuchen ihre zerrüttete Heimat New Orleans zurück zu erobern & zu verteidigen.
"The Originals" hat schnell einen kleinen Hype aufgebaut & den allgemeinen Tenor, es sei wesentlich besser als seine Vater-Serie. Und trotz Sympathie für die Teenies aus Mystic Falls, verstehe ich die Argumente der Originals-Befürworter. Als eine Mischung aus Interview mit einem Vampir, Game of Thrones & Vampire Diaries, gilt das Motto: blutiger, härter, reifer, schneller, weniger kitschig, hintergründiger, erwachsener, vielschichtiger. Hier gilt nicht Gut gegen Böse, sondern alles ist grau. Glatte, engelsgleiche Charakter sucht man fast vergebens, man feuert eher die BadBoys an. Das ist reizvoll & die größte Stärke der 22 Folgen der ersten Staffel. Ganz in den Himmel loben würde ich die Serie nach der Auftaktstaffel aber noch nicht - ein Damon & seine Sprüche/Humor fehlen, ebenso wiederholt sich Einiges & zu sagen, dass Kitsch & soapige Liebeswechselspiele komplett abstinent wären, ist auch eine Lüge. Und wenn es kitschige Anflüge gibt, ist der Fremdschäm-Faktor nur noch größer, da sich der Rest so ernst nimmt.
Die Urvampire sind unterschiedlich, interessante Charakter & zeigen eine wirklich kaputte, bemitleidenswerte Familie. Leider weiß man aber eh eigentlich, dass die drei Geschwister trotz Zickereien zusammen halten & nie echte Konsequenzen oder gar dauerhafte Tode gibt. Die Schauspieler machen ihre Sache alle gut, Marcel als sympathischer Gegenspieler finde ich am besten. Die eintönige Barkeeperin Cami am nervigsten, auch durch eine gelangweilt wirkende deutsche Synchro. New Orleans punktet als toller, atmosphärischer Schauplatz in jeder Hinsicht gegen das sterile Mystic Falls. Und auch die Geschichte rund um Macht, Intrigen & Familie, liegt oft näher bei Shakespeare als bei GZSZ. Dazu kommt ein schicker Look samt stimmiger Musik. Insgesamt also viele Schritte vorwärts, aber noch lange nicht perfekt. Da muss mehr kommen, das Potenzial ist da. Mehr Blut, mehr Abwechslung, mehr Sex, mehr "The Originals". Das Staffelfinale zeigt da eindeutig in die richtige Richtung.
Fazit: auf dem Weg zur besten Vampirserie aller Zeiten? Sind noch ein paar Schritte... aber für alle denen VD zu soapig war - ohne Vorurteile bitte eine Chance geben! (7,5/10)