Review

Aus irgendeinem Grund, den ich heute nicht mehr nachvollziehen kann, sah ich "The Abyss" etwas verspätet im Kino und deshalb gleich den "Director's Cut". Erst später ,an Hand der DVD, konnte ich mir ein Bild von der ersten Fassung machen, die mich sicherlich nicht so beeindruckt hätte, denn gerade bestimmte "Längen" , die Cameron dann zuließ, empfinde ich persönlich als besonders wichtig.

Bis heute ist für mich "The Abyss" der beste Film von James Cameron. Natürlich ist "Terminator 2" ein überragendes, singuläres Meisterwerk seines Genres (was ja auch kaum kontrovers diskutiert wird) und "Aliens" ist der ultimative Thriller , aber bei mir persönlich sprechen beide eine Seite nicht an...

Kurz zur Story : Ein Atom-U-Boot ist verunglückt und die Navy benötigt die Hilfe einer nicht militärischen Ölbohr-Unterwasserstation ,geleitet von Virgil "Bud"Brigman (Ed Harris) . Natürlich spielt die Navy dabei nicht mit offenen Karten, sondern schickt ein eigenes Team herunter, daß die Sache (und die Atombomben) selbst in die Hand nehmen soll. Zusätzlich kommt auch noch Lindsey (Elisabeth Mastrantonio), Buds Ex-Frau, die die Unterwasserstation konstruiert hat ,mit an Bord.

Auf dieser Basis entwickelt Cameron 3 Handlungsstränge, die natürlich eng miteinander verwoben sind :

- die Action unter Wasser mir der Bergung der Atomwaffen und der Auseinandersetzung mit dem Militär
- die Begegnung mit dem Unbekannten aus der Tiefe, die zum Schluß in eine Botschaft kulminiert
- und die Wiederbegegnung und damit folgende Auseinandersetzung zwischen dem ehemaligen Ehepaar Lindsey und Virgil

Über Camerons Fähigkeit, etwas Großes ("Think Big") zu schaffen, braucht man kein Wort zu verlieren. Die Bilder unter Wasser sind beeindruckend und atmosphärisch stimmig, ebenso die Aufnahmen in der klaustrophobischen Unterwasserstation und technisch ist das Alles natürlich auf der Höhe seiner Zeit.

Aber hier riskiert er mehr, denn er läßt sich Zeit....

...und das wirkt überaus stimmig, denn das Tempo unter Wasser ist wesentlich langsamer. Alle Vorbereitungen (z.B das Anziehen des Unterwasseranzuges), Vorwärtsbewegungen im Wasser (sei es mit dem U-Boot oder schwimmend) oder in der Tauchstation (die Enge und die große Anzahl an Luken), aber auch die technischen Abläufe bei der Bedienung der Unterwassergeräte erfordern Geduld und Genauigkeit.
Aus dieser Langsamkeit ergibt sich eine enorme Spannung, die Cameron dadurch noch steigert, wenn er diese Abläufe detailliert schildert , während der Zeitdruck durch den Konflikt stetig wächst. Teilweise ist das kaum auszuhalten (und führt dadurch auch prompt zu Fehlern bei der Besatzung, die weiteres Unglück herauf beschwören), aber genau das trägt zur atmosphärischen Dichte bei, denn egal wie fantasievoll die Grundlage einer Story ist, in sich sollte sie immer glaubwürdig sein.

Dazu läßt er sich auch viel Zeit (und die hat der Film glücklicherweise) mit der Auseinandersetzung zwischen Bud und Lindsey. Für mich ist Ed Harris sowieso einer der am meisten unterschätzten Schauspieler, der hier in jeder Sekunde des Films überzeugend agiert. Gemeinsam mit der ebenfalls hervorragenden Elisabeth Mastrantonio gelingt es ,die Wiederzuwendung des Paares nach der Trennung absolut überzeugend zu entwickeln.

Das ist keineswegs kitschig ,sondern hat ein sehr genaues Timing. Gerade die Szene, in der Bud Lindsey wiederbelebt ist von geradezu quälender Länge . Der Betrachter hält diesen Rettungsversuch, den ich niemals wieder in einer annähernden Intensität in einem Film gesehen habe, kaum aus. Der Versuch, sich nicht darauf einzulassen (und damit abzutun), ist verständlich, nimmt der Szene aber nichts von seiner Qualität, sondern beweist geradezu ,daß der anerkannte Action-Filmer Cameron eben auch in der Lage ist, nicht nur leicht verdauliches (auf höchstem Niveau) zu produzieren. Leider hat Cameron diese Art der Konfrontation später nicht mehr gesucht und auch die Liebesgeschichte in "Titanic" ist eher dem Massengeschmack zugewandt.

Dagegen gibt es in "Abyss" eine Vielzahl solcher Szenen, nicht zuletzt Bud's Tauchgang in die ewige Tiefe und dem dabei stattfindenden "Dialog" mit Lindsey.

Ich finde, Cameron gelingt in diesem Film ein wenig die Quadratur des Kreises. Nicht nur optisch opulentes Actionkino mit großer Spannung, sondern auch eine ergreifende wirklich überzeugende Liebesgeschichte und dazu noch eine Message zum Schluß, die auch unter dem Gesichtspunkt der damaligen politischen Lage gesehen werden sollte.

Aus diesem Film geht man zutiefst beeindruckt und auch etwas mitgenommen heraus, eben nicht nur mit einem lässigen Spruch auf den Lippen (Hasta la vista, Baby!), aber genau das ist James Cameron auch irgendwie zum Verhängnis geworden

Bei mir hat es gewirkt (10/10)

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