"Ich bin bei dir in der Finsternis. Du bist nicht allein!"
Zur Zeit des Kalten Krieges sinkt ein amerikanisches Atom-U-Boot durch einen schweren Zusammenstoß im Meer auf den Grund. Die ohnehin angespannte Situation zwischen der USA und der UdSSR spitzt sich aufgrund des nicht geklärten Sinkens des U-Bootes dramatisch zu. Daher wird die sich in der Nähe befindende Mannschaft der Unterwasser-Bohrstation Deepcore samt Ausrüstung herbei zitiert, um eine Truppe Navy Seals, unter dem Kommando von Lt. Hiram Coffey (Michael Biehn), bei einer Rettungsmission zu unterstützen. Der Leiter der Station Virgil "Bud“ Brigman (Ed Harris) ist weder von dem Auftrag noch den Personen des Militärs begeistert. Am wenigsten allerdings von seiner Beinahe-Ex-Frau Lindsey (Mary Elizabeth Mastrantonio), die durch die Beteiligung an der Konstruktion der Station ebenfalls hinzu gezogen wird. Während sich Spannungen unter den Personen auf der Station aufbauen, braut sich über dem Meeresspiegel ein Unwetter zusammen, wodurch der Kontakt zur Außenwelt zum erliegen kommt und die Deepcore zum Brennpunkt der Ereignisse wird.
Eine gereinigte Inhaltsangabe gibt nicht Preis, dass "Abyss" im Science-Fiction Genre angesiedelt ist und eine Begegnung der dritten Art enthält. Auf diese muss man nicht mal allzu lange warten, erkennt aber erst gegen Ende des langen Films um was es sich bei den immer wiederkehrenden merkwürdigen Vorfällen handelt. Wie lang hängt von der gesehenen Fassung ab, wobei die erweiterte Fassung von über zweieinhalb Stunden wesentlich zum Verständnis handlungsrelevanter Situationen beiträgt.
Aufgebohrt wurde nicht nur das Ende des Filmes, sondern auch die Charakterzeichnung durch zahlreiche Detail-Sequenzen oder ganze Subplots. Dadurch gewinnen diese merklich an Glaubwürdigkeit und Individualität, verlängern allerdings hin und wieder die Sichtung auf ein dramatisches Ereignis, was gerade in der Einführungsphase ein paar langwierige Passagen verursacht.
Dies gibt sich mit zunehmender Laufzeit, denn trotz der augenscheinlich schlichten Handlung baut "Abyss" einen enormen Spannungsbogen aus. Verursacht durch die klaustrophobisch enge Umgebung der Bohrstation, werden die Spannungen unter den verschiedenen Charakteren schließlich Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Vielseitige Kameraperspektiven dokumentieren das Geschehen auf Deepcore stets übersichtlich und figurennah. Der Effekt: Während sich die Ereignisse überschlagen fühlt man sich als Zuseher mitten hinein versetzt.
Die dadurch entstehende Atmosphäre vermag der wuchtige Soundtrack, gerade zu spannungsvollen Szenen, noch weiter zu steigern.
Neben der Charakterstudie handelt "Abyss" noch weitere Aspekte ab, die Anno 1989 die Bevölkerung bewegte. Der Kalte Krieg sorgte für Unruhe und findet hier eine politische Nebenhandlung, die genau betrachtet den eigentlichen Auslöser darstellt. Der schwelende Konflikt der atomaren Supermächte greift aber einzig im Finale voll durch, wobei der Science-Fiction Film ins kitschig, amerikanische abdriftet und eine nahezu plakative Anti-Kriegs-Botschaft vermittelt, die nicht jeder für gut befinden wird.
Gut und geradezu richtungsweisend ist jedoch die phänomenale Tricktechnik. Die geradezu epischen Unterwasserszenen wurden mit immensem Aufwand und dato neuartiger Aufnahmetechnik tatsächlich unter Wasser gedreht. Die daraus entstandenen Bilder erschaffen eine gelungene Authentizität. Neben diesen stechen die detailliert konzipierten, extraterrestrischen Besucher heraus, die als erstmalig komplett computeranimierte Wesen in einem Film gelten.
Ed Harris ("Die Truman Show", "The Rock") und Mary Elizabeth Mastrantonio ("Scarface", "Robin Hood - König der Diebe") harmonieren erstklassig. Michael Biehn ("Terminator", "Planet Terror") mimt ordentlich einen egozentrischen, aber nie überlegenen Gegenspieler.
Allgemein passt die Darstellung der Schauspieler zur Stimmung des Films, eine herausragende Leistung ist jedoch nie erkennen.
"Abyss" ist ein typisches Großprojekt von James Cameron ("Aliens - Die Rückkehr"). Viel zu erkennender Aufwand in der Technik und dem emotionalen Kern, und übliche Schwächen in Präsentation und Innovation der Handlung. Trotzdem funktioniert das Science-Fiction Epos durch eine immens dichte Atmosphäre und dem herausragenden Spannungsaufbau, auch wenn die wenig actionbetonte Inszenierung sowie das kitschige Ende nicht überall seine Anhänger findet.
9 / 10