An Camerons erstem Film seit Aliens werden sich wohl bis ans Ende der Zeit die Meinungen scheiden. Für die einen wird er sein schwächster Streifen bleiben, mit zu vielen schwachen, gefühlvollen Szenen um Opferbereitschaft und eine gescheiterte Ehe. Für die anderen ist und bleibt er der atemberaubendste Unterwasseractionfilm mit Sci-Fi-Elementen, den es gibt.
Und beide Seiten haben recht.
Denn nie ist Cameron schwächer, als wenn er Zwischenmenschliches behandeln muß, ein Manko, daß auch im Falle von Titanic noch nicht vollständig behoben war (obwohl er deutlich dazugelernt hat). Die Liebesszenen zwischen Harris und Mastrantonio wirken qualvoll bemüht, kitschig und sind ungeheuer in die Länge gezogen, vor allem in den Wiederbelebungssequenzen. Andererseits beweist der Regisseur Meisterschaft, als einer von beiden mangels Taucheranzug notgedrungen ertrinken muß, um eventuell wiederbelebt zu werden. Mal zieht hier die Kritik, mal wieder nicht.
Allzu platt und plakativ auch die Make-
love-not-war-Botschaft unserer außerirdischen Freunde vom Meeresgrund.
Doch wenn es um submarine Action und bis dato nie dagewesene Trickeffekte geht, kann Cameron alles, wenn man ihm nur genug Zeit und Geld läßt. Denn die Unterwasserstadt der Aliens zählt immer noch zu den prachtvollsten Szenen der Filmgeschichte, vor allem für alle, die das Glück hatten, den Film in einem THX-ausgerüsteten Blackbox-Großkino zu sehen. Auch für das zum Fühler/Auge geformte Seewasser gabs 1989 schon so manches "Wow" aus dem Zuschauerraum.
Da kann so mancher Atem schon mal stocken. Ein Fest für die Augen also und spannend noch dazu. Und die Verstümmelung der Kinofassung, die um die Flutwellenszenen des Director Cuts beraubt ist, läßt noch so manchem Effektfreak das Herz bluten.
Fazit: Eine relativ abgelutschte Geschickte in ganz großen Bildern neu erzählt (siehe auch: Bibelschinken der Fünfziger und Sechziger)zum Erleben und dann erst zum Meckern. Für mich 9/10.