Review

„Wasabi“ bezeichnet ein japanisches sehr scharfes Gericht, das auch im gleichnamigen Film eine kleine Rolle spielt.
Eine viel größere Rolle spielt jedoch der Polizist Humbert Fiorentini (Jean Reno), die französische Ausgabe von Dirty Harry. Verdächtigen, Verbrechern und Leuten, die ihm einfach nur so im Wege stehen, wird immer direkt auf die Moppe gekloppt und Banküberfälle verhindert er im Alleingang. Die Charaktereinführung versieht Regisseur Gerard Krawczyk dann auch mit einer schrägen Optik, die gut comcihaften Charakter des Films passt.
Wegen seiner ruppigen Methoden schickt man Humbert auf Zwangsurlaub – und in genau diesem Augenblick erfährt er auch, dass eine Verflossene in Japan verstorben ist. Humbert reißt dorthin und erfährt, dass er und die Verstorbene eine Tochter haben: Die 19jährige Yumi Yoshimido (Ryoko Hirosue), die kurz vor ihrer Volljährigkeit steht…

„Wasabi“ ist eine lockerleichte Angelegenheit, bei welcher der Plot allerdings eher nebensächlich ist. Da Yumi Polizisten hasst und ihren Vater am liebsten umbringen möchte, verschweigt Humbert erstmal seine wahre Identität – und muss natürlich irgendwann mit der Wahrheit rausrücken. Außerdem geraten Vater und Tochter noch aus etwas konstruierten Gründen ins Visier der Yakuza, die bereits die Mutti gemeuchelt haben und das Ganze als Todesfall durch Krebs getarnt haben. Die Japaner haben’s nicht gemerkt, aber Supercop Humbert checkt’s natürlich. Wie das Ganze ausgeht ist auch abzusehen, diverse tote Yakuzas und eine Versöhnung später darf der Abspann rollen. Doch Krawczyk drückt so sehr aufs Gaspedal, dass der dünne Plot kaum ins Gewicht fällt.
Stattdessen setzt „Wasabi“ auf den eigenwilligen Humor, der sicher nicht jedermanns Sache sein wird, mir aber gefiel. Humberts Auftritte enden grundsätzlich mit Verletzungen und Zerstörung, total köstlich die Szene, in der Yumi shoppen geht und Humbert von ihr unbemerkt mehrere Yakuza ausknockt. Auch sonst ist gute Laune angesagt, die Sprüche zünden zumeist, z.B. wenn Humbert zu seinem Kumpel Momo (Michel Muller) sagt „Nimm doch die Handgranaten mit.“ als sie Yumi zum Tanzen begleiten sollen.
Im Zeichen des Humors steht auch die Action, die allerdings nicht so häufig auftritt: So fliegen von Fäusten und Projektilen Getroffene grundsätzlich meterweit durch die Gegend und der Spaßfaktor ist in den Auseinandersetzungen wichtiger als möglichst spektakuläre Szenen. Trotzdem machen die Konfrontationen Laune, gerade der Golfplatzfight ist ein echter Hingucker. Da es sich um Komödie handelt, fällt auch der Mangel an Realismus nicht negativ auf, z.B. wenn Humbert fürs Finale extra Verstärkung anfordert und dann doch alle Bösewichter im Alleingang umnietet ohne dass seine Kollegen einen Schuss abfeuern.

Gelegentlich schlägt „Wasabi“ auch mal leisere Töne an, meist wenn Humbert seiner großen Liebe, Yumis Mutter, die er seit 19 Jahren nicht mehr gesehen hat, nachtrauert. Auch in der Vater-Tochter-Beziehung menschelt es zwischendurch mal und das auch gelungen. Nur stellenweise hemmen die ruhigeren Parts den Filmverlauf, z.B. wenn Humbert seine neue Freundin bekocht und die ihm vorwirft, dass er trotz seiner Bemühungen nicht beziehungsfähig ist.
Jean Reno als harter Superbulle – das passt wie die Faust aufs Auge. Locker-flockig zieht Reno seinen Partner hier runter, aber bringt auch die gelegentlich sichtbare emotionale Seite von Humbert überzeugend rüber. Ryoko Hirosue passt in die Rolle der schrillen Tochter, wenngleich ihre Rolle gelegentlich etwas nervig angelegt ist und auch die sonstigen Nebendarsteller machen einen ordentlichen Job. Allerdings bleiben sie kaum im Gedächtnis, da „Wasabi“ fast komplett auf den großartigen Jean Reno zugeschnitten ist.

„Wasabi“ erfindet das Genre der Actionkomödie zwar nicht neu und die Action könnte spektakulärer sein, doch dank des absurden Humors, des tollen Jean Reno und der flotten Inszenierung empfiehlt er sich gute Unterhaltung ohne größere Ansprüche.

Details
Ähnliche Filme