kurz angerissen*
Das beste Neeson-Vehikel seit „The Grey“ von 2012, was auch daran liegt, dass es diesmal nicht nur ein Neeson-Vehikel ist. Scott Frank beschwört den Pessimismus uralter Noir-Krimis herauf und bietet ein Stadtbild voller abgehalfterter Ziegelsteingebäude, das unter grellweißem Himmel und kahlen Herbstbäumen wie verlassen aussieht – und verirrt sich doch mal eine Gestalt auf die Straße, so ist es selten eine gutmütige.
Die Entwicklungen in der nicht ganz geradlinigen Entführungsgeschichte lassen auch an den Nicolas-Cage-Thriller „8MM“ denken, weil sich in beiden Fällen ein Ermittler in Abgründe menschlicher Perversion und Dämonie verirrt. Der Neeson-Faktor kommt insofern zum Tragen, als dass er seinen mit „96 Hours“ etablierten Rollentypus einmal mehr solide variiert und somit eine abgeklärte Figur ins Spiel schickt, derweil Cage den Gräueltaten mit emotionaler Betroffenheit begegnete. Die Hauptfigur ist die Abläufe also gewöhnt, was „A Walk Among The Tombstones“ ein Stück weit distanziert wirken lässt. Dann aber ist er wiederum mit vereinzelten Schockmomenten und Situationswendungen von einer Absurdität durchsetzt, wie sie sich eigentlich nur in der Realität ereignen können, fußend auf Hochmut, Trauer, Hass, Verblendung und anderen Gefühlsregungen, die das Urteilsvermögen einschränken. Weiterhin wird der Hauptfigur, ähnlich wie jüngst in „The Equalizer“, ein Protegé an die Hand gelegt, das nicht nur fleißig Romandetektive rezitieren kann, sondern außerdem als emotionaler Anker für den Zuschauer fungiert.
Mit einem anderen Hauptdarsteller, einem möglichst unbeschriebenen Blatt, hätte der Film womöglich noch besser funktioniert, weil man in dem Fall nicht versucht gewesen wäre, ihn als B-Actioner zu kategorisieren, der er gar nicht ist. Dank des getragenen Tonfalls, der atmosphärisch dichten Bilder und der angenehm hakeligen und doch irgendwie geradlinigen Geschichte funktioniert er trotzdem.
*weitere Informationen: siehe Profil