Review

Den "Punisher" hatten wir 1989 mit Dolph Lundgren schon einmal, als er innerhalb einer Comicverfilmung auf Rachefeldzug ging und dabei keine schlechte Figur abgab. Rein körperlich musste der Schwede zwar noch nicht viele Abstriche machen, als Bösewicht im vorliegenden Streifen jedoch das hässlichste Styling ever über sich ergehen lassen.

Kriegsveteran John (Cung Le) legt sich zur falschen Zeit mit den falschen Jungs an und lädt damit den Zorn des Gangsterbosses Hollis (Lundgren) auf sich, der kurzum seine Familie ermorden lässt. Stück für Stück arbeitet sich John an Hollis heran, um dem Übeltäter persönlich an den Kragen zu gehen...

Dem Regieduo Serafini/Coyne stand augenscheinlich nicht allzu viel Kohle zur Verfügung, denn in Sachen Action und Schauwerte beschränkt sich der Streifen auf simple Prügeleien, anstatt teures Inventar oder gar Autos zu Bruch gehen zu lassen.
Die Figurenzeichnung des Helden geht zwar in Ordnung, doch im Verlauf wird etwas zuviel militärischer Pathos eingebunden, während die Bösen (einschließlich korrupter Cops) allesamt mit vielen Klischees ausgestattet sind und innerhalb dieser Truppe keine interessante Figur auszumachen ist.

Immerhin kaschiert das latent flotte Erzähltempo einige Mankos der oberflächlichen und in allen Punkten erahnbar verlaufenden Geschichte, welche ebenfalls kaum ein Klischee ausklammert und sich zudem komplett ernst nimmt, was im Fall von Lundgren verdammt schwierig ist, da er mit seinen Tattoos, der Pornobremse und den gescheitelten langen Schmierloden nebst Strickpulli im Finale nur selten Eindruck schindet, - höchstens einige seiner zynischen Sprüche.

So konzentriert sich das Geschehen auf diverse körperliche Auseinandersetzungen, eher seltener auch mithilfe von Stich - oder Schusswaffen. Die schlichte Choreo begeistert nicht gerade, einige Zeitlupen weisen zwar ein ordentliches Timing auf, akrobatische Einlagen oder gar kreative Ansätze sind jedoch nicht erkennbar, so dass die Chose vergleichsweise routiniert und unaufgeregt rüberkommt, zumal Le als auch Lundgren nicht unbedingt ihr komplettes Repertoire abrufen müssen.

Anbei spielt noch Vinnie Jones mit, doch der darf körperlich fast gar nicht ran und auch Briana Evigan gibt sich in der Rolle der Nutte vergleichsweise zugeknöpft. Darstellerisch gibt es insgesamt nicht viel auszusetzen, auch wenn Cung Le für die tragende Hauptrolle etwas wenig Charisma mitbringt. Anbei geht die Kamera in Ordnung, der Score könnte etwas mehr antreiben und auch die Kulissen sorgen nicht gerade für Abwechslung, die der eindimensionalen Geschichte durchaus geholfen hätten.

Denn diese hangelt sich per Selbstjustiz von einer Station zur nächsten und birgt im Verlauf keinerlei Überraschungen, liefert anderweitig aber nur selten spannende Konfrontationen und bleibt im Bereich des Zwischenmenschlichen auf der breiten Oberfläche kleben.
Das nahezu latent hohe Erzähltempo, ein paar okaye Kämpfe und eine eher zurückhaltende Härte bleiben, was im Endeffekt einen Actioner im unteren Mittelmaß repräsentiert: Okay für Zwischendurch, aber nichts was hängen bleibt oder man gesehen haben sollte.
4,5 von 10

Details
Ähnliche Filme