Review
von bodycounter
Peter Winter leidet an Schizophrenie. Unfähig, sich in eine
funktionierende Gesellschaft zu integrieren, fristet er ein qualvolles
Schattendasein, verstümmelt sich selbst (duscht mit Stahlwolle als
Schwamm, bricht sich mit einem Taschenmesser den Fingernagel heraus)
und versucht, den Stimmen in seinem Kopf zu entkommen. Seine Mutter ist
die einzige Person mit der er spricht, die ihn akzeptiert obwohl sie
auch nicht wirklich die Tragweite seiner geistigen Krankheit erkennt.
Seine Tochter, die nach dem Tod seiner Frau und seinem psychischen
Zerfall adoptiert wurde, ist sein einziges Ziel. Während eine
Mädchenleiche gefunden wird, in deren Fall er einer der
Hauptverdächtigen darstellt, macht er sich auf die Suche nach seiner
Tochter.
Clean,
Shaven stellt ein zu unrecht unbekanntes Indie-Drama dar, welches vor
allem durch die unglaublich intensive Performance von Peter Greene
(besser bekannt als Zed von Pulp Fiction) und die eindringliche
Bildsprache auftrumpfen kann. Peters schizophrene Gedankenwelt wird von
statischem Lärm und Sprachfragmenten transponiert die den Zuschauer
Peters Leiden unmittelbar fühlen lassen. Gleichzeitig taucht die
statische Kamera das Geschehen aber auch in eine trostlose Atmosphäre
die nochmals von der Dialogarmut unterstrichen wird. So werden dem
Publikum verschieden Szenarien präsentiert, die seine Isolation und
Depression aufzeigen (z.B. als er in seinem gestohlenen Auto eine
Schrotflinte findet und damit mitten auf dem Highway herumspielt, oder
als er alle Scheiben und Spiegel in seinem Auto abklebt, bzw.
zerschlägt um nicht seine eigene Refklektion ertragen zu müssen. Einzig
die Begegnung mit seiner Tochter am Schluss des Films zeigt nochmal
einen menschlichen Peter, der anscheinend nur auf der Ebene eines
Kindes Verständnis erfahren kann.
Fazit: intensives,
nachdenklich stimmendes Drama mit einem sehr guten Peter Greene, der
sogar noch Michael Rookers Performance des Norman Bates aus "Henry -
Portrait of a Serial Killer" übertrifft... angucken!.