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Was in Bruchteilen an "The Ring" erinnert, geht tatsächlich zurück zu den Wurzeln des klassischen Gruselschockers aus Japan, als man noch weitgehend ohne Computereffekte ein paar (un)angenehme Schauer erzeugen konnte. Neu ist die Geschichte eines verfluchten Gebäudes beileibe nicht, doch in diesem Fall ist es eine Frage der Umsetzung.

Die drei Mädchen um Ayane wähnen sich in einer Reality-Show und sollen sich mit einer Handkamera in einem verlassenen Hospital filmen, doch kurz darauf verändert sich Ayanes Gesicht, bis sie schließlich zu einer alten Frau mutiert. Doch auch das Schicksal der übrigen Crew scheint längst besiegelt, wenn der Fluch nicht rechtzeitig aufgehoben wird...

Als drei alberne Piepsstimmen bei einem typisch albernen Tänzchen erklingen, wie man es eigentlich nur aus Japan kennt, regen sich üble Befürchtungen, dass mal wieder viel Klamauk einfließen könnte, doch dem ist glücklicherweise nicht so. Bereits mit dem Betreten des verwaisten Hospitals wird eine düstere Grundstimmung eingeleitet, die sich im Verlauf noch verdichten soll. Die Figurenzeichnungen fallen zwar mau aus, doch aufgrund des flotten Tempos und der Konzentration aufs Wesentliche, fällt dieser Punkt nicht allzu stark ins Gewicht.

Natürlich kennt man Effekte wie huschende Schatten oder zufällig während einer Filmaufnahme auftauchende Silhouetten, doch hier stimmt fast immer das Timing, etwa als jemand flachsähnliches Material auswürgt, eine Person aus einem Korridor weggerissen wird oder wie von unsichtbarer Hand beide Beine verdreht werden.
Hinzu kommt die sehr effektive Soundabmischung, welche neben den üblichen Whooshs einige Reverse Sounds und wabernde Klangteppiche beinhaltet und zielsicher auf das Geschehen abgestimmt ist.

Splatterfreunde werden zwar nicht allzu intensiv beglückt, doch dafür können sich die weitgehend handgemachten Effekte sehen lassen, welche zahlreiche Schnittwunden, einige Pusteln, einen stark angeschwollenen Arm und eine aufgetrennte Wange implizieren. Wer ein wenig auf Ekel steht, bekommt überdies ein paar abgetrennte Hautfetzen und ein paar undefinierbare flüssige Substanzen serviert.

So soll eine Haarnadel beim Auflösen des Fluches helfen, das titelgebende alte Weib mit Zauselmähne und rotem Mäntelchen huscht beängstigend hurtig durch die Flure, es gibt grausige Rückblicke in eine Pflegeanstalt und einen kleinen Twist, der die Konstellation unter den drei Damen ein wenig in ein anderes Licht rückt.

Mit gerade einmal 71 Minuten Laufzeit geht die Sache rasch über die Bühne, nach einem eher austauschbaren Einstieg nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf, während auf atmosphärischer Ebene primär ein paar creepy Momente zünden und die meisten, wenn auch schlicht in Szene gesetzten Schockeffekte sitzen.
Als Freund typisch japanischer Gruselschocker sollte man nicht allzu viele Innovationen erwarten, dann dürfte "The Crone" kaum enttäuschen, sondern eher überdurchschnittlich unterhalten.
6,5 von 10

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