Fast könnte dem Co-Autoren und Regisseur Alejandro Monteverde Verharmlosung unterstellt werden, denn der Titel bezieht sich zwar in erster Linie auf einen kleinen Jungen, gleichermaßen war er der Codename der Atombombe auf Hiroshima, was hier ebenfalls thematisiert wird. Allerdings wählt Monteverde stets den richtigen Ton, um die Botschaft über die Probleme der Daheimgebliebenen effektiv zu vermitteln.
O'Hare ist ein kleines Fischerdorf in Kalifornien. Hier lebt der achtjährige Pepper (Jakob Salvati) mit Mutter, dem älteren Bruder und seinem Vater (Michael Rapaport), den er über alles liebt. Als dieser eingezogen wird, um in Japan zu kämpfen, bricht für Pepper eine Welt zusammen.
Pater Oliver (Tom Wilkinson) appelliert indes an Peppers Glaube und so soll der Knirps eine Liste der Nächstenliebe abarbeiten, die ihn ausgerechnet zum japanischstämmigen Nachbarn Hashimoto (Cary-Hiroyuki Tagawa) führt…
Monteverde gelingt es innerhalb weniger Minuten das Herz des geneigten Betrachters zu berühren, als Pepper mit seinem Vater in Fantasiewelten eintaucht und die beiden wie ein Herz und eine Seele erscheinen. Pepper, der im Dorf wegen seiner mickrigen Statur nur „Little Boy“ genannt wird und mit Hänseleien der Gleichaltrigen zu kämpfen hat, avanciert sogleich zum Sympathieträger, was allerdings auch auf Hashimoto zutrifft. Denn obgleich dieser seit über 40 Jahren in den Staaten lebt, wird er von allen Seiten angefeindet und lässt sich schließlich auf den Jungen ein, welcher zuvor noch mit seinem Bruder eine Art Attentat auf dessen Haus verübte. Die Annäherung zweier Außenseiter.
Doch nicht nur die bereitet lustige als auch berührende Momente. Es geht um Hoffnung, Bangen und Leid, jedoch auch um Mut zum Glauben, Toleranz und Respekt und es wird deutlich, wie unterschiedlich Menschen damit umgehen, wenn das Schicksal eines Familienmitgliedes aufgrund des Krieges lange Zeit ungewiss ist.
Einige Male wird dabei die Sicht von Pepper präsentiert, etwa, als er sich für einen Moment in den Trümmern von Hiroshima wähnt oder eine sagenumwobene Gestalt in der Auseinandersetzung zwischen Mongolen und Japanern einnimmt. Ohnehin ist die Kamera oft auf Augenhöhe des Jungen, was den einen oder anderen aufheiternden Moment beschert, während der goldgelben Farbgebung mit vielen Sonnenuntergängen und einigen Weitwinkelaufnahmen stets ein wenig Hoffnung mitschwingt.
Es ist ein Balanceakt aus bewegenden und tragischen Momenten, der gegen Ende zwar leicht kitschig daherkommt, jedoch zu keiner Zeit den moralinsauren Zeigefinger erhebt.
Nicht zuletzt die grandios aufspielenden Mimen tragen dazu bei, dass das Interesse am Geschehen zu keiner Zeit weicht. Neuling Salvati bringt eine unglaubliche Präsenz mit, die phasenweise unter die Haut geht. Die Chemie zwischen ihm und den übrigen ist stimmig und erzeugt, primär in einigen ruhigen Momenten zuweilen eine leichte Gänsehaut.
So liefert Monteverde letztlich ein in sich stimmiges und stets rundes Drama ab, überzeugt mit starken Bildern und grundsolider Ausstattung, während sämtliche Darsteller auf ganzer Linie punkten. Abwechslungsreich, kurzweilig, einfühlsam und mit dem Herz am rechten Fleck, - klare Empfehlung.
8,5 von 10