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Ein Traumschloss voller leichter Farben, als weitere Verfilmung der Begebenheiten der von Wu Cheng'en in der Ming-Dynastie aufgeschriebenen 'Journey to the West', dessen Quellen ähnlich wie die der anderen 'Four Great Classical Novels' der Chinesischen Literatur abgesehen vom historischen Kontext immer wieder in der jeweiligen Moderne aktualisiert wurden. Anhaltende Beliebtheit durch die Vermischung altertümlicher Werte, die der heutigen Generation abgesprochen werden, in Verbindung mit folkloristischen Themen, chronikalischer Mythologie und dem Suchen nach dem Gefühl der Befreiung im Taoismus und Buddhismus wird das durch diverse mediale Versionen und Variationen am Leben erhaltende Teilstück von 'Der rebellische Affe' hier aus einem etwas anderen Blickwinkel mit weniger Schärfen erzählt.

Bombastisches Spektakelkino, das von vornherein als Kassenerfolg konzipiert wurde und den Boden von im Vergleich dazu gewöhnlichen Neujahrsfilmen [Veröffentlichung war 31.01.2014] auch niemals nur annähernd betritt. Wo sonst eher die heimischen Verhältnisse in Humor und Gefühl und Seichtigkeit ertränkt werden, wird hier seine ganz eigene Komposition von Instrumentierung erzeugt, ist die Welt oft nur mit Spezialeffekten, ob nun in Handarbeit oder per Bits und Bytes erzählt. Gigantomanie und Zerstörungswut, aufgrund der Vorlage und ihrer jahrhundertelangen Identität im Volksmythos noch gemäßigt an Kontrast, an Glanz und Schein und im Vergleich. Ein Lernprozess in verschiedenen Wolkenschichten, gesteuert aus der Hölle in ihrem Abbild voll Schwefel und Krater und speienden Vesuv von einem Beelzebub stilecht in Schwarz und mit aufgesetzten Hörnern hinaus:

Nach einer erbitterten Himmelsschlacht wird der Bull Demon King [ Aaron Kwok ] nach der Niederlage gegen den Celestial Jade Emperor [ Chow Yun-fat ] nur durch Fürsprache der jüngeren Schwester des Gewinners, der Princess Iron Fan [ Joe Chen ], verschont und auf einen flammenden Berg auf der Erde verbannt. Die zerstörten Örtlichkeiten werden durch die magischen Kristalle der Göttin Nüwa [ Zhang Zilin ] wieder repariert und zusätzlich dadurch auch Sun Wukong, der Affenkönig [ Donnie Yen ] geboren, der im Auftrag der Götting Guanyin [ Kelly Chen ] durch den Lehrmeister Puti [ Hai Yitian ] erzogen und ausgebildet werden soll. Währenddessen schließt sich der weiterhin auf Herrschaft und Rache aus sinnende Bull Demon mit dem verräterischen Yang Jian [ Peter Ho ], dem Wächter des Südlichen Himmelstores zusammen, schleust die unschuldig-verführerische Ruxue [ Xia Zitong ] als Lockvogel in die Nähe des übermütigen Affenkönigs ein und intrigiert zusätzlich auf mehreren Ebenen, so dass schließlich Prince Nezha [ Carlson Cheng ] auf den aufmüpfig Scheinenden und zu dessen Verhaftung angesetzt wird.

Erste Gehversuche in Bürokratie und Korruption und Willkür, dann bald die Konfrontation und der 'Aufstand im Himmel'.
Das Überhandnehmen von Effekten unterschiedlicher Qualität wurde auch der mit aktuellsten Verfilmung der Anfangskapitel der Shénmó Xiaoshuo aus dem 16. Jahrhundert als Nachteil zu Lasten gelegt, sind die Erzählungen über Götter und Dämonen, über Utopien und Exotien, die im Text in der Fantasie des Leser zum Leben erwachen, für die Augen als nächste Wahrnehmung doch niemals adäquat umzusetzen. Wo im vergleichsweise erdigen Wechselbad der Gefühle Journey to the West: Conquering the Demons (2013) von Stephen Chow und Derek Kwok gerade erst gen Ende der Verlass in die Hände der Techniker gelegt wird, scheint The Monkey King: Wreaking Havoc in Heavenly Palace im Großteil fern der fassbaren Realität und damit auch der altmodischen Handwerkskunst ausgelagert zu sein. Andere Welten werden erschaffen, und später als Hintergrund, aber ohne materielles, geistiges oder soziales Bestehen eingefügt. Auch der Gegenüber transformiert sich ebenso wie sich der Protagonist in Aberhunderte seines Selbst potenziert, Tsunamis werden ausgelöst und Pixelbauten in ihre Einzelteile zerlegt. Viel Schall und Rauch als Modernisierung der Kultur, welches noch zusätzlich im 3D-Effekt visualisiert im momentan dafür entgegenkommendsten Markt der Volksrepublik China selbst über die Erwartungen gut ankam, und als bisher dritte lokale Produktion überhaupt mehr als 1 Milliarde RMB einspielte.

Ein Unmaßmatinee für die Sehnerven, für den Kopf oder das Herz allerdings weniger, was an der trotz vieler Ortswechsel – dessen geographische Zuordnung man zueinander auch niemals durchschaut oder bald wieder vergisst – und einfacher Strukturen von Handlung und Emotion doch noch mangelnd emphatisierender Geschichte liegt. Im Grunde auch Kino für die Jüngeren, die noch Aufgeschlossenen oder die ganze Truppe mit Familiensinn, die in den Feier- und Urlaubstagen nicht die Unternehmung in die Natur hinaus, sondern die Lichtspielstätte mit seinen märchenhaften Ablenkungen und teuren Aufwendungen lenkt. Geboten wird Einiges für das Geld, Zeugnis auch der Stärkung der eigenen Selbstsicherheit des Chinesischen Kinos, ist das Staraufgebot schon allein an vorderster Front mit den Kassenmagneten Yen, Chow und Kwok und viel bekannten Darsteller auch in zweiter Reihe belegt sowie die Anstrengungen der Dreharbeiten dahinter enorm.[ Der Startschuss begann im Oktober 2010 und erforderte das Budget von 80 Mio. USD].

Die verspielte Bilderflut, umflort oft von heller Einfassung und mit rein oberflächlicher Präsenz, gewinnt allerdings oder verliert selbst wenn dann schnell ihren Reiz, ob nun Luftschlösser frei schwebend über den Wolken oder ein Wald komplett aus den gängigen Deutungswesen von Fantasyflächen erbaut werden und installiert werden. Auch die Zuhilfenahme von Mitteln aus dem Reich der Fabeln, die in dieser Abhandlung gleichsam wie die jüngeren Fernsehserien, der 2011er CCTV Version, der 2010er von Zhejiang Satellite TV oder der im Ausland noch am Ehesten bekannten TVB-Spielart von 1996 samt folgenden Sequel genutzt wurde, verstreicht relativ schnell als luftdurchströmter Effekt voller Kommerzialität und Exzess. Die kristalline, aseptische, hier parabelarme Handlung von Aufstieg und Fall und Täuschung und Wahrheit vollzieht sich wie im jenseitigen Nebenher, ohne größere Einflüsse einer integrierenden Dramaturgie, die man dem sonst mit weitaus düsteren Stoffen hantierenden Regisseur Soi Cheang gerade auch trotz dem Verwenden einer manchmal ungewöhnlichen Inszenierung von Ereignissen und merkwürdig stilisierten Erfahrungen durchaus vorbehaltlos zutrauen kann, hier aber rein artifiziell im Feenstaub und anpassend an propagandistische Sittenvorstellungen vergeht.

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