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Wer auf unkomplizierte Art mit Toten kommunizieren möchte, greift zu einem EVP-Rekorder (Electronic Voice Phenomenon), was es mittlerweile bestimmt auch als App geben dürfte.
Cooler sind natürlich diese ganz alten Kästen, die an Röhrenradios erinnern und eventuell noch bei Opa auf dem Dachboden zu finden sind. Obacht allerdings bei der Anwendung in Häusern mit Hintergrund einer Tragödie, denn wie das Regiedebüt von Mac Carter unumwunden zugibt, beginnt nahezu jede Geistergeschichte mit einem Haus und einem Familienunglück.

Jenes ereilte die Familie Morello, von denen nur noch Janet lebt, welche das angeblich verfluchte Landhaus am Rande des Waldes für Familie Asher verlässt. Der achtzehnjährige Sohn Evan, der eines Abends die kesse, jedoch vom Vater misshandelte Tochter Sam kennen lernt, interessiert sich eigentlich nur beiläufig für die Vorgeschichte des Hauses, doch düstere Vorzeichen mehren sich, als die beiden unbedacht einen bösen Dämon freilassen...

Leider musste Carter in seine Geschichte in Teenagerpaar einbinden, um auf genau jenes Ende zusteuern zu können, nur leider heißt das für Fans mit Hang zu flotten Abläufen: Unterbrechungen, Schmalz und nur selten ein paar kluge Dialoge.
Die Annäherung des Heldenpaares wirkt arg konstruiert, die Außenseiterstellungen zu offensichtlich herauskristallisiert und während sämtliche Familienmitglieder zu Randfiguren degradiert werden, kommen die aktiven Bemühungen für Geisterkommunikation nicht über zwei kleine Seancen hinaus.

Derweil schürt das Anwesen kaum Atmosphäre, lediglich der leicht verschneite Wald untermauert die eigentliche Einsamkeit der Protagonisten. Besser ist es etwas wenig später um die Schockmomenten bestellt, denn diese können sich sowohl auf visueller Ebene als auch vom Timing her mit Hollywoodstandards messen, obgleich einiges an CGI im Spiel ist.
Zwar fließt zwischenzeitlich kaum Blut und mitreißende Konfrontationen bleiben fast gänzlich aus, doch zwei kleine Verwandlungsszenen im Zuge einer Besessenheit und einige harsche Soundeffekte sorgen zwischenzeitlich für halbwegs gelungene Spukmomente.

Leider macht sich der Mangel an innovativen Ideen zusehends bemerkbar, denn auf Dauer gesellen sich kaum abwechslungsreiche Erscheinungen hinzu, etwaige Flashbacks erzählen kaum etwas Neues und auch das Finale erfährt spannungstechnisch kaum eine Steigerung, obgleich das konsequente Ende durchaus zu gefallen weiß.
Auf darstellerischer Ebene wird passabel performt, es reißt sich jedoch auch keiner ein Bein aus, um auch nur ansatzweise in die Nähe einer Oscarnominierung zu gelangen.

Mac Carter beweist zumindest handwerkliches Geschick, sorgt mit wenig Aufwand für eine gelungene Optik und beweist ein gutes Händchen bei den Spezialeffekten.
Leider wird die Erzählung stets durch Dramenanteile ausgebremst, Nebenhandlungsstränge verdrängen zu häufig den eigentlichen Kern der Geschichte, welcher im Endeffekt zu wenig Spuk und zuviel Teeniegedöns liefert.
Nicht uninteressant, aber unterm Strich ein Streifen, der zu wenig Eigenständigkeit und Raffinesse mitbringt, um sich von der breiten Masse abzuheben.
5,5 von 10

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