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Wie verletzlich der Mensch ohne seine fünf funktionierenden Sinne ist, will uns die vorliegende Anthologie mit fünf Kurzfilmen beweisen. Natürlich steht bei allen Episoden das Horrorgenre im Fokus, doch der eigentliche Kern des jeweiligen Sinnes wird dabei oft sträflich vernachlässigt.

Es geht also um die fünf Sinne: Riechen, Sehen, Tasten, Geschmack und Gehör.
In "Smell" erhält Büroangestellter Seth von einer ominösen Dame ein Duftfläschchen mit künstlichen Pheromonen. Kurz darauf können ihn alle gut riechen, er steigt zum Manager auf und genießt den Erfolg bei Frauen, - bis sich ernsthafte Nebenwirkungen des Duftstoffes offenbaren.
Ein solider Opener mit einem Score, der das Komödiantische der Geschichte untermauert, obgleich diese nur partiell zum Schmunzeln verleitet. Mit rund 23 Minuten ist der Einstieg etwas zu lang ausgefallen, die handgemachten Effekte und die Pointe, die treffende Besetzung und die gut ausgewählten Locations kaschieren jedoch ein wenig und hieven das Teil in Richtung Mittelmaß.

In "See" geht es folgerichtig ums Sehen, allerdings eher um das, was Menschen bereits gesehen haben und zu sehen glauben, da ein Augenarzt eine Methode entwickelt hat, um Patienten per Augen einen Teil der Erinnerungen zu absorbieren (wie auch immer das möglich sein soll). Als er einem Schläger eine Lektion erteilen will, geht die Aktion nach hinten los.
Mit 13 Minuten Laufzeit ist die Geschichte zwar angenehm kurz ausgefallen, doch die Ausarbeitung geht gar nicht, da null Hintergrund eingebunden wird, die Pointe enttäuschend ausfällt und lediglich ein paar Gewaltszenen (selbstverständlich im Umkreis des Auges) eingebunden werden. Ein insgesamt recht schwacher Beitrag.

Kapitel "Touch" schafft es endlich, den eigentlichen Sinn in den Fokus zu rücken, als der blinde Junge Henry nach einem Autounfall seine Eltern am Unfallort zurück lässt, sich durch den Wald tastet und bald an eine Waldhütte mit Killer gerät.
Der Sinn des Tastens entscheidet über Leben und Tod, über Zuschnappen einer Bärenfalle oder den Moment einer eventuellen Gegenwehr, was teils recht spannend und gut fotografiert in Szene gesetzt ist. Das leicht offen gehaltene Ende punktet ebenso wie die simple Prämisse an sich, auch wenn im Sinne des Vorantastens noch mehr drin gewesen wäre, - zehn Minuten mehr hätten der Laufzeit von 13 Minuten zumindest nicht geschadet.

In "Taste" geht es um ein ominöses Vorstellungsgespräch in einem genauso dubiosen Großkonzern, in das es Eric verschlägt, der völlig ahnungslos auf eine Unterredung mit seiner potenziellen Chefin wartet. Das Gespräch endet für Eric anders als vermutet.
Die Geheimniskrämerei in dem großräumigen Gebäude punktet definitiv, denn man weiß nie mehr als Eric, der noch nicht einmal einen Plan hat, aufgrund welcher Fähigkeit er hierher beordert wurde. Die plötzliche Wendung fällt zwar relativ blutig aus, doch die dazugehörigen Latexeffekte sind leider deutlich als solche erkennbar und die Konsequenz der Story ergibt nur einen Sinn, wenn man den Titel aus Sicht der Chefin interpretiert.

Found Footage bleibt auch hier unverzichtbar und so haben wir es bei der abschließenden Geschichte in "Listen" mit drei Reportern zu tun, die altes Filmmaterial sichten, um die irre Komposition eines Russen zusammenzutüfteln, was jedoch für jeden tödliche Konsequenzen hat, der das Stück einmal komplett hört.
Das Schwarzweißmaterial hat es phasenweise in sich und auch die an "The Ring" angelehnte Grundidee ist passabel, nur das Drumherum mit den Journalisten macht wenig Sinn und ist auf optischer Ebene anstrengend zu verfolgen. Die Pointe ist demgegenüber erahnbar, der Blutgehalt ist hier jedoch vergleichsweise gering, die Grundidee macht auf auditiver Ebene jedoch Spaß und unterhält von daher recht ordentlich.

Alles in allem bieten die fünf Episoden nicht mehr als Durchschnitt, ein Kapitel mit erinnerungswürdiger Note ist allenfalls ansatzweise auszumachen und zudem fehlt eine Rahmenhandlung komplett, - lediglich manche Figuren sind vage mit einigen Geschichte verbunden oder treten kurz am Rande auf.
So punktet das Konzept mit den fünf Sinnen nur teilweise, passabel inszeniert sind sie alle, nur fehlen insgesamt die Cleverness, die Schauwerte und die durchschlagenden Pointen.
Fans von Kurzfilmsammlungen könnten einen vagen Blick riskieren, jedoch gab es in letzter Zeit weitaus bessere Anthologien.
5 von 10

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