Review

SPOILERWARNUNG!


Handlung:

Es ist Halloween-Abend. Die Babysitterin Sarah passt auf die beiden Geschwister Tia und Timmy auf. Während sie sich gelangweilt “Die Nacht der lebenden Toten” im Fernsehen ansehen, findet Timmy beim Zählen seiner gesammelten Süßigkeiten eine unbeschriftete Videokassette, die ihm offenbar unbemerkt zugesteckt worden ist. Timmy ist neugierig, was auf dem Band zu sehen ist, aber Sarah hat ein ungutes Gefühl und will alleine einen Blick riskieren. Die beiden Kinder reden so lange auf Sarah ein, bis sie schließlich nachgibt und die Kassette in den Videorecorder schiebt. 

Als die Kassette startet, sehen sie eine Art Horrorfilm, in dem eine junge Frau namens Casey in einer U-Bahn-Station von einem furchteinflößenden Clown unter Drogen gesetzt und in ein unterirdisches Tunnelsystem entführt wird. Als sie wieder zu sich kommt, findet sie sich gefesselt an einer langen Kette wieder. Neben ihr befinden sich noch zwei weitere junge Frauen, Sara und Kristen, die schon seit geraumer Zeit ihr Dasein hier unten fristen. Voller Furcht harren sie der Dinge, die da auf sie zukommen, als plötzlich Sara an der Kette weggezogen wird. Casey und Kristen nehmen allen Mut zusammen und versuchen ihrer Leidensgenossin zu folgen und einen Ausweg zu finden. Aber alle Versuche zu entkommen scheitern. Kristen wird von einer entstellten menschenähnlichen Kreatur getötet und Casey von einer Gruppe monströs aussehender Kuttenträger gefangen genommen, die während eines satanischen Rituals den Fötus aus dem Bauch einer schwangeren Frau schneiden. Danach wird Casey vom Teufel vergewaltigt.

Sarah hat indessen genug von dem Film und schickt die Kinder ins Bett. Während Timmy genervt ist, dass Sarah ihm seine Videokassette weiter vorenthält, hat Tia mit der Furcht zu kämpfen, die der Clown in dem Film ihr doch eingejagt hat. Sarah versucht sie zu beruhigen, aber schließlich schleicht sich Tia in Timmys Zimmer, um nicht alleine zu schlafen. Sarah telefoniert derweil mit einer Freundin, mit der sie sich noch verabredet, wenn sie mit ihrem Babysitting fertig ist. Als alles ruhig ist, legt sie die Kassette wieder in den Recorder, um trotz ihrer Abneigung zu sehen, was sonst noch darauf enthalten ist. 

Es folgt eine neue Geschichte, in der eine Frau namens Caroline gerade in ein schickes Landhaus gezogen ist, wo sie auf ihren Mann John, einem Kunstmaler, wartet, der gerade mit einer Ausstellung in der Stadt beschäftigt ist. In der Nacht stürzt ein unbekanntes Objekt in der Nähe ihres Hauses ab, was einen Stromausfall verursacht. Caroline kriegt es mit der Angst zu tun und will mit dem Auto flüchten. Aber der Motor springt nicht an. Als sie durch die Heckscheibe etwas aufleuchten sieht, läuft sie wieder zurück ins Haus. Kurz darauf ruft John an, der sich auf dem Heimweg befindet. Panisch berichtet Caroline von ihren Erlebnissen, als die Verbindung abbricht. Tatsächlich ist ein Alien gelandet, der ins Haus eindringt und Caroline nach dem Leben trachtet. Verzweifelt versucht sie, sich vor dem Wesen zu retten und zu verstecken. Als plötzlich ihr Handy klingelt, entdeckt sie das außerirdische Wesen in ihrem Versteck und fällt über sie her. In ihrem Todeskampf zieht Caroline das Tuch von einem Gemälde, das ihr Mann gemalt hat. Zu sehen ist das schreckliche Antlitz des Clowns, der schon in der ersten Geschichte zu sehen war.

Sarah stoppt den Film erneut, weil sie seltsame Geräusche im Haus hört und etwas die Treppe hinauf huschen sieht. Sie schaut nach den Kindern, weil sie glaubt, dass sie durchs Haus schleichen. Timmy spottet, dass es vielleicht der Clown sei, worauf Sarah leicht verstört wieder ins Wohnzimmer geht. Sie versucht, ihr aufkommendes Unbehagen zu verdrängen und lässt den Film weiterlaufen.

Nun geht es um eine Kostümbildnerin, die mitten in der Nacht auf einer Landstraße eine Tankstelle aufsucht, weil ihr das Benzin ausgeht. Dort wird sie Zeugin, als der Tankwart einen Mann im Clownkostüm vor die Tür setzt, weil dieser die Toilette mit Urin und Kot beschmiert hat. Trotz des Ärgers erklärt der Angestellte der jungen Frau ihre weitere Route, als ein schepperndes Geräusch aus dem Laden dringt. Der Tankwart will nachsehen, aber als er nicht wiederkommt, geht die junge Frau ihm nach und muss mit ansehen, wie der Clown dem Mann den Kopf absägt. Zu Tode erschrocken rennt sie zu ihrem Auto und rast davon. Doch weit kommt sie nicht, denn der Clown scheint ihr immer einen Schritt voraus zu sein. Nur mit knapper Not gelingt es ihr, sich aus seinen Angriffen zu befreien. Schließlich flüchtet sie aus ihrem Auto in eine etwas abgelegene Hütte am Highway, doch der Clown stellt ihr weiter vehement nach. Dort gelingt es der Frau, ihren Widersacher mit einem Messer nieder zu stechen. Dann begegnet sie am Straßenrand einem Autofahrer, der sie zum nächsten Polizeirevier mitnehmen will. Doch der Clown hat den Angriff überlebt und verfolgt die zwei seinerseits mit einem Auto und erschießt im Vorbeifahren den Mann. Das Auto mit den zwei Insassen kracht demzufolge gegen einen Baum. Irgendwann erwacht die junge Frau, die den Unfall überlebt hat, aus ihrer Ohnmacht und findet sich auf einem Operationstisch gefesselt wieder. Mit Entsetzen muss sie feststellen, dass der sadistische Clown allerlei Obszönitäten in ihren Körper geritzt und obendrein ihr alle Extremitäten amputiert hat.

Angewidert schaltet Sarah den Videorecorder aus, als plötzlich das Telefon klingelt. Am anderen Ende hört Sarah den Notruf der Frau aus der dritten Episode. Plötzlich schalten sich die Geräte von selbst an und der Clown ist wieder auf dem Bildschirm zu sehen. Bedrohlich kommt er immer näher und auf einmal scheint es so, als würde er hinter ihr auf dem Sofa sitzen. Als sich Sarah erschrocken umschaut, ist dort aber niemand. Aber im Fernsehbild steht der Clown auf und kommt ihr immer näher. Panisch gelingt es Sarah schließlich, die Videokassette aus dem Recorder zu zerren und zu zerstören. Der Spuk scheint vorbei, aber dann hört Sarah Schreie aus dem Kinderzimmer. Sie rennt die Treppe hinauf und sieht den Clown blutüberströmt vor Timmys Zimmer stehen. Voller Entsetzen schlägt sie sich die Hände vors Gesicht. Als Sarah eine Sekunde später die Augen wieder öffnet, ist der Clown verschwunden, aber im Kinderzimmer findet sie nur noch die abgetrennten Köpfe der Geschwister.


Kritik:

Für sein Spielfilmdebüt hat es sich Regisseur Damien Leone einfach gemacht, indem er zwei frühere Kurzfilme in eine Rahmenhandlung eingebaut hat. Für die erste Episode auf der Videokassette verwand er “The 9th Circle”, den er 2006 mit einer professionellen Crew auf 35 mm drehte und zwei Jahre später auf dem Backseat Film Festival mit einer Premiere zeigte. Inszenatorisch reiht sich der Streifen in eine beliebige Reihe von Independent-Filmen ein. Der Schauwert liegt hier auf den grotesken Masken, die die Darsteller unter ihren schwarzen Kapuzen tragen. Was sich zu Beginn inhaltlich noch an einem roten Faden entlang hangelt, löst sich in einer Flut von Bizarrerien und Geschmacklosigkeiten auf. Vielleicht ist dieser Umstand dahingehend begründet, dass Leone seinen “neunten Zirkel” etwas kürzen musste, um ihn in die Rahmenhandlung von ALL HALLOWS’ EVE besser einfügen zu können.

Die zweite Episode, die Leone direkt für den Film gedreht hat, geht einen ganz anderen Weg. Sie verlässt den kruden Horror-Pfad und huldigt offenkundig klassisch angehauchten Science-Fiction-Filmen mit sogenanntem Home-Invasion-Einschlag. Augenscheinlich war Leone von dem Science-Fiction-Film DIE BESUCHER inspiriert, zumal in der Treppenszene gegen Ende der Episode. Für dieses bizarre Kammerspiel wollte Leone ursprünglich eine Alienfigur verwenden, aber aus Budgetgründen musste schließlich ein Schauspieler mit einer Alienmaske herhalten. Für die Beatmungsmaske des Alien soll sich Damien Leone an Jason Voorhees Hockeymaske ein Vorbild genommen haben, heißt es, während man für die Beleuchtungstechniken nach John Carpenters FOG - NEBEL DES GRAUENS schielte. 

Für die dritte Episode verwendete Leone einen weiteren Kurzfilm, “Terrifier” (2011), in dessen Mittelpunkt nun Art, der Clown steht, der in “The 9th Circle” noch eine Nebenerscheinung war, wenn auch durch Mike Gianellis gekonnte Darbietung eine recht prägnante. Um Art präsenter und beängstigender in Szene zu setzen, möbelte Leone ihn zu einem scheinbar übermenschlichen Horrorclown auf, ohne aber vermeintliche Vorbilder wie Stephen Kings Pennywise direkt zu imitieren. Art, der Clown spricht nämlich nie ein Wort und verhält sich wie eine Pantomime. Während man gewiss ist, dass es sich bei Pennywise um eine dämonische Ausgeburt der Angst handelt, ist Art der Clown auf grotesken Pfaden unterwegs. Zunächst wirkt er wie ein durchgeknallter Serienmörder mit einer schaurigen Fratze und der Vorliebe für fiese bis mörderische Streiche. Aufgrund seiner physischen Konstitution tritt er allerdings nicht unbedingt beeindruckend in Erscheinung. Aber wenn es ans Eingemachte geht, entwickelt er sich zu einem Stehaufmännchen à la Michael Myers oder Jason, das in der Lage ist, jede schmerzhafte Gegenwehr abzuschütteln. 

Aber anders als die genannten Kollegen aus dem Kino-Killer-Metier gibt sich Art, der Clown nicht mit dem kurzen und heftigen Abmurksen seiner Opfer zufrieden. Damien Leone hat seinem Killerclown eine extrem sadistische Ader eingepflanzt, die ihn dazu antreibt, mit allem, was der Haushalt und die Hobby-Werkstatt so hergeben, ans blutrünstige Handwerk zu gehen.

Alleinstehend haben die Episodenfilme schon einen gewissen Reiz, wenn man die Budget bedingten Unzulänglichkeiten außer Acht lässt. Aber als zusammenhängendes Werk stoßen sie sich aufgrund ihrer Unterschiedlichkeiten deutlich voneinander ab, sodass sich die Frage stellt, was das ganze bezwecken will. Die Rahmenhandlung mit der Babysitterin wirkt in diesem Zusammenhang obendrein klischeehaft und unglaubwürdig. Da hilft auch Leones konfuse Pointe nicht, Art, den Clown, in die reale Welt außerhalb des Videofilms zu materialisieren und am Ende die zwei Kinder töten zu lassen.

Stilistisch wirkt ALL HALLOWS’ EVE wie ein kleines Potpourri unterschiedlicher Epochen. Während das Handlungsgerüst wie eine übliche digitale Direct-to-Video-Produktion ausschaut, gehen Leones Kurzfilme dank digital eingefügter Bildeffekte zurück in die Vergangenheit. “The 9th Circle” bleibt in der VHS-Ära hängen, mit all seinen Störstreifen und Bildwacklern und Schneerauschen, während “Terrifier” - Tarantino sei Dank! - mit seinen Verschmutzungen und Kratzern eindeutig an die schludrigen Exploitation-Streifen der “Grindhouse”-Kinos angelehnt ist. Offenbar hatte Leone von Anfang an Großes mit seinem Clown vor, denn in seinem nächsten Spielfilm - selbsterklärend auch TERRIFIER benannt - schiebt dieser eine blutige Solo-Nummer.

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