Auch die Mechanismen im Bereich Home Invasion wiederholen sich, denn bereits anno 1967 gab es mit Audrey Hepburn eine blinde Frau, die in ihren eigenen vier Wänden terrorisiert wurde. So ein Handicap macht sich jedoch gut, wenn man wie Regisseur Richard Schenkman in der Lage ist, mit simplen Mitteln latent Suspense zu schüren.
Die siebzehnjährige Emily (Noell Coet) ist seit einem Autounfall vor neun Jahren, bei dem sie ihre Mutter verlor blind. Ihr Dad (Daniel Hugh Kelly) sorgt sich zwar fürsorglich um sie, doch am Abend vor Halloween begibt er sich zögerlich zu einem Date, welches Emily für ihn klargemacht hat. Kaum ist Dad aus dem Haus, stören unerklärliche Geräusche die junge blinde Frau, welche kurz darauf von einem Eindringling terrorisiert wird...
Früher fanden viele filmische Gräueltaten direkt an Halloween statt, nun muss es bereits ein Tag davor sein, wobei der Hype in den USA ohnehin etwas intensiver ist und scheinbar mehrere Tage in Beschlag nimmt.
Derweil werden Emily und ihr Dad recht sensibel eingeführt, ihr Verhältnis wirkt liebevoll, wenn auch nicht gänzlich ohne Probleme, denn das Trauma des Unfalls hat Emily nach wie vor fest im Griff, weshalb sie auch nach so langer Zeit noch eine Therapeutin beansprucht und zeitweise unter Asthmaanfällen leidet.
Die Eröffnungssequenz untermauert bereits die Gefahr in der titelgebenden Nacht, als ein junges Paar in der Badewanne von lauten Geräuschen aufgeschreckt wird und wenige Minuten später das Zeitliche segnet. Auch bei Emily stehen die Vorzeichen nicht günstig, als Jugendliche die Fenster mit Eiern bewerfen, nachdem sie einige Minuten ums leicht abseits gelegene Haus geschlichen waren. Da werden durchaus Erinnerungen an Carpenters Klassiker wach, wobei der weitere Ablauf eher an "Scream" in einer Light-Variante erinnert.
Trotz angemessener Ecken und Kanten Emilys gehen natürlich sämtliche Sympathiepunkte an sie, während ihr leicht unterbelichteter Freund Jimmy von vornherein als Kanonenfutter einzuordnen ist und auch Leute, die kurz mal was abholen wollen, schnell auf der Liste des Killers landen. Dieser offenbart mit gelber Regenjacke und aschgrauer Maske zwar ein simples Outfit, doch wenn er da so still verharrend in der Wohnung steht und Emily nichts ahnend an ihm vorbei geht, kann durchaus leichte Gänsehaut entstehen. So dauert es auch eine ganze Weile, bis sich der Unhold konkret offenbart, was der Dramaturgie merklich wohl tut.
Das letzte Drittel setzt dagegen auf Konfrontationskurs, kleine Tempoeinlagen und ein wenig Blutvergießen, wobei die Idee, eine Kettensäge nur nach der Akustik in der darüber liegenden Etage einzusetzen, schon ein verblüffender Schachzug ist. Ansonsten überrascht der Verlauf nur geringfügig, der Showdown birgt keinerlei unerwartete Wendungen und auch die finalen Momente reißen nicht wirklich vom Hocker.
Dennoch überzeugt der Streifen aufgrund seiner versierten Inszenierung und dem damit verbundenen bodenständigen Handwerk. Hinzu kommt ein nuancierter Score mit sauberem Timing und allen voran die überaus glaubwürdige Performance von Noell Coet, welcher man die Blinde angesichts der authentisch wirkenden Blicke und Bewegungen jederzeit abnimmt.
Gradlinig erzählt und mit einigen spannenden Momenten ausgestattet, erfindet Schenkman zwar das Genre nicht neu, doch spätestens als TV-Premiere kann man ihn bedenkenlos mitnehmen.
6,5 von 10