Review

Inhalt:
Eine amerikanische Reisegruppe treibt es nach Barcelona, wo sie mit einer Mordserie konfrontiert wird. Ein Killer schnetzelt sich durch die Gruppe und nimmt sich von den weiblichen Opfern immer das linke Auge mit. Die Polizei tappt im Dunklen, vermutet jedoch, dass der Täter unter den Reisenden zu suchen ist.


Kritik:
Umberto Lenzi weiß ganz offensichtlich, welche Zutaten in einen vernünftigen Giallo gehören und hat diese auch alle in seinen Film hineingepackt. Leider hat er die Zutaten nicht lange genug kochen lassen, so dass das Ergebnis nicht gar geworden ist und etwas Salz fehlt auch.
So gibt es zwar einen ganzen Batzen Verdächtige, die auch mehr oder weniger sinnvolle Motive für die Bluttaten haben, aber alles wirkt lieblos konstruiert.
Die Charaktere bleiben platt, so dass eine Identifikation mit diesen (selbst mit der Hauptfigur) nicht möglich ist und ein Mitfiebern nicht zustande kommt. So gibt es einen typischen Ami (patriotischer Cowboy) mit Tochter, einen Geistlichen, ein älteres Pärchen, ein lesbisches Modell-Fotografin-Paar, einen Spaßvogel-Reiseführer, der sich als einziger über seine Scherze schlapplacht u.v.a. Hauptcharakter ist ein Mann, dessen Frau psychische Probleme hat, nicht mehr mit ihm zusammen ist und von ihm nach einem länger zurückliegenden Mord mit einem blutigen Messer in der Hand und einem Auge neben sich am Boden liegend gefunden wurde. Da sie außerdem nach Barcelona geflogen zu sein scheint, aber nicht gesichtet wurde, ist sie natürlich die Hauptverdächtige, doch unser Hauptcharakter weiß, dass bei der Erinnerung an seine am Boden liegende Frau etwas nicht stimmt. Auch solche Schlüsselszenen gehören in einen guten Giallo, nur wurde diese Erinnerungsszene nicht besonders gelungen eingesetzt und aufgelöst.
Apropos, die Auflösung wird am Ende schnell über die Bühne gebracht und ist arg aus der Luft gegriffen. Wer der Täter ist, hatte ich bereits früh geahnt, nur dachte ich an ein anders Motiv. Trotz allem gefällt mir das Ende an sich sehr gut, wobei mir besonders die Szene gefällt, in der eine Person den Täter auf frischer Tat ertappt und dann noch ein kurzes Katz und Maus Spiel von Statten geht.

Auch bei den Morden wurde geschludert. Wer eine Blutorgie wie in Umberto Lenzis Zombie- und Kannibalenfilmen erwartet, wird bitter enttäuscht. Obwohl es einige Opfer dahinrafft und auch das ein oder andere Auge flöten geht, wurden Effekthaschereien und Ekeleien vermieden. Das wäre zu verkraften, wenn Herr Lenzi statt dessen inszenatorisches (oder so) Geschick bewiesen hätte, aber auch das ist leider nicht der Fall. Es wirkt als werden die Morde nur gezeigt, weil sie gezeigt werden müssen. Ideenreichtum oder Mühe, das Gezeigte interessant zu gestalten, sind nicht zu erkennen.

Eine so richtig unheimliche Atmosphäre will auch nicht aufkommen, was meiner Meinung zum Großteil an der musikalischen Untermalung liegt. Es gibt ein Hauptthema und dieses wird zu jeder sich bietenden Gelegenheit eingespielt. Dies führt entweder zu einem Ohrwurm oder zu Aufdieeiergeherei, aber nicht zum Bedrohungsgefühl oder ähnlichem.
Selbst die Geisterbahnfahrt inklusive Bluttat kann keine dichte Atmosphäre aufbauen, obwohl Umgebung, Kamera, Schnitt und Beleuchtung alle Möglichkeiten bieten.

Die Schauspielkünste sind ebenfalls nicht besonders bemerkenswert und ich wage zu bezweifeln, dass es auch nur einer der Besetzung in der Filmbranche weit gebracht hat. Immerhin ist das dunkelhäutige Modell nett anzuschauen.

Insgesamt ist dies sicherlich kein Highlight im Giallobereich, aber immerhin kommt an keiner Stelle Langeweile auf. Etwas mehr Sorgfalt bei der Inszenierung, dem Charakterdarstellung und dem Spannungsaufbau wäre sehr förderlich gewesen.

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