Dass der zweite eigenständige Film des zuvor u.a. als Assistant Director für Kim Ki-duk tätigen Jang Cheol-soo nach dem furiosen Einstand mit dem Rachedrama Bedevilled (2010) so vergleichsmäßig leise erschien, liegt nicht an dem Thema oder gar der Qualität an sich, sondern der Behandlung mit bekannten Motiven, die sich diesmal weniger genre- und für den ausländischen Markt erfreulich, dafür in behutsamer und bedeutsamer Weise propagieren. Während der Erstling gerade in der Aufarbeitung einer furchtbaren Tragödie und im Gewand eines vornehmlich verständlichen, da reißerischen Rape-and-Revenge und dort auch durchaus exploitativ erschien, wird hier zwar das auch für den westlichen Markt interessante Motiv der stetig schwelenden Konfliktteilung von Nord- und Südkorea und die Elemente von Spionage, Undercovertätigkeit und Geheimdienstklüngelei mitsamt eindrücklichen Actionszenen von professionell-rationalen Handgemenge erzählt. Allerdings erst spät als Thriller und zuvor als heimische Dramödie und deswegen mit ungewohnten, dennoch die Massen und den Einzelnen persönlich ansprechenden, wenn auch (trotz einiger Überschneidungen beider Filmen) niemals mit rein aggressiv - verstörenden Blick. Die Emotionen werden erst spät hochgekocht, vorher wie abgeschirmt angegangen und so in der Tarnung, in der humoristischen Fassade, auch absichtlich in den Klischees und bald in einem Umschwung hin zu Action und Brutalitäten, einen ausufernden Gefecht zwischen einer vom Diktator entsandten Todesschwadron und einer südkoreanischen SWAT - Einheit, blutüberströmt im Dauerregen versteckt:
Lieutenant Won Ryu Hwan [ Kim Su-hyeon ], ein nordkoreanischer Elitesoldat in der streng geheimen 5446 Special Unit, lebt seit zwei Jahren als scheinbar geistig leicht eingeschränkter junger Mann in einem Vorort von Seoul, wo er sich das Schicksal des Undercover mit dem örtlichen Postboten Seo Sang Ku [ Go Chang-seok ] und der gemeinsamen Operation "Red Cliff Flower" zum Wohle des Landes teilt. In all den Jahren ist nichts passiert, wurde keine Nachricht von der Heimat empfangen und kein spezieller Auftrag außer dem der Anwesenheit und des Wartens instruiert. Als eines Tages mit Ri Hae Rang [ Park Gi-ung ] als vermeintlicher Möchtegern-Rockmusiker und dem 'High School Studenten' Ri Hae Jin [ Lee Hyeon-u ] ein dritter und vierter Schläfer auftauchen, kommt plötzlich Leben in das bisher trostlose und vom schlichten Alltag geprägte Geschehen, wird ein ehemaliger Minister der People's Armed Forces und bald anschließend weitere Überläufer eliminiert, was den National Intelligence Service unter Leitung von Seo Su-hyeok [ Kim Seong-gyun ] auf den Plan ruft. Um die eigenen Machenschaften zu decken, wird ein Selbstmordauftrag an die noch Übriggebliebenen Spionage, und um diesen Nachdruck zu verleihen, ihr ehemaliger Ausbilder Colonel Kim Tae Won [ Son Hyeon-ju ] entsandt.
Die anfängliche Schwäche des Filmes, der im Grunde auf einem derzeit beliebten Thema der Überschneidung der Interessen beider geteilter Länder fokussiert und damit in der zeitlichen und materiellen Nähe von The Suspect oder The Commitment gesetzt ist, liegt dabei tatsächlich im Versuch des Humors. Zumeist bemüht man sich der einfachen Struktur, indem der scheinbare Narr und Tölpel seine Umwelt durch möglichst fehlerhaftes, gerne auch mal peinliches Verhalten von seiner Harmlosigkeit und Naivität überzeugen soll, die Treppen stetig hinunterfällt, sich von kleinen Kindern scheuchen lässt oder gänzlich die Manieren des guten Anstandes in der Öffentlichkeit vergisst. Derlei Episoden, die auch mit dem running gag - System arbeiten, erreichen irgendwann gegen Ende einen gewissen Sinn, tragen aber oft eine Spur zu dick auf und sind vermehrt eher ein Nachteil des Filmes, der die dunkle Seite so zumeist überspielt.
Ein leichter Ton wird anfangs so zwar angestrebt und lange auch beibehalten, und ist diese Veränderung der Person auch zugehörig zum Wechsel der Identität, die im angepeilten Feindesland, dem Sabotageareal, einem schlicht-beschaulichen Vorortslum mit schiefen Ebenen und Kleinkrämerei, zur Erfüllung der Mission für die daheim wartende Republik nötig ist. Ein ständig Verstellen der eigenen Gedanken und Gefühle, des eigenen Ich, indem der Undercover sich zwar weiterhin fremd fühlt, aber dennoch nach und nach doch in der neuen Welt ankommt und an die Menschen um ihn herum bald auch mehr als nur gewöhnt ist. Ein Spiel mit versteckten Karten, welches schon jede der neuen Produktionen um verdeckt operierende Geheimagenten, um 'Schläfer' fern der Heimat – siehe auch The Spies oder Secret Reunion die Jahre davor – auszeichnet, und hier noch einmal aus der Warte eines noch jungen und sein ganzes Leben noch vor sich habenden Menschen erzählt wird. Dass man sich in diesem Ungewissen aus einmal Gelernten und nun Erlebten verliert und am Ende unsicher ist, welchen Weg man einschlagen soll oder ob man nicht schon instinktiv zu weit gegangen ist, gehört dabei ebenso zum guten Ton derlei Bebilderungen, wie auch der Wechsel der Gefühle, die Abstufung und Schwarzweißtöne der Nordkoreanischen Verkörperungen üblich ist.
Denn natürlich wird auch hier in Rückblenden mit Einstellungen von wild antrainierten Kindersoldaten, im Gesicht entstellten Ausbildern und heruntergekommenen und seltsam im Sozialismus verharrenden Gebäuden formuliert, gibt es die unbarmherzigen, selbst auf Minderjährige und andere Zivilisten keinerlei Rücksicht nehmenden Killerkommandos. Auch die drei entsandten Hauptfiguren zweifeln an ihrem Auftrag erst, als es an den eigenen Kragen und vor allem die entfernt in Gefahr befindlichen Familien und auch einen unbefriedigenden Auftrag, nämlich dem des eigenen Selbstmordes geht. Der Held in spe, der schon von Beginn an die Identifikation erhält, aber natürlich auch von den Südkoreanern ganz heimlich und leise in Empathie und Mitgefühl auf ihre Seite gezogen wird; stellt sich dies aber immer noch nicht als Kommentar, sondern der Variante einer unterhaltenden Meinungsbildung für die fast sieben Millionen Zuschauer im Publikum und vielleicht kleinen Annäherung an den Landesbruder auf der anderen Seite der Grenze dar.
Zuguterletzt getragen von sicheren darstellerischen Leistungen, der Steigerung von Geschwindigkeit bis hin zu der Inszenierung von Actionszenen, die allererst noch spielerisch und übertrieben in der Physik, bald als raues Erwachen, im kompromisslosen Nahkampf und dem Ausschalten ebenso trainierter Gegner dann auch radikal bis schnörkellos bemerkenswert gehalten und auf den passenden Moment hinfixiert sind.
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