Review

"Auf die eine oder andere Art betrügen wir uns selbst."

New York im Jahr 1978. Irving Rosenfeld (Christian Bale) lebt neben der Führung einer Wäscherei von Kreditbetrug. Seine Geschäfte hält er stets in kleinem Rahmen, wodurch er nicht auffällt. Privat läuft es für ihn weniger gut. Mit seiner selbstsüchtigen Frau Rosalyn (Jennifer Lawrence) ist er nur noch wegen des von ihm adoptierten Sohnes zusammen.
Auf einer Party lernt er die attraktive Sydney (Amy Adams) kennen. Mit ihr beginnt er nicht nur eine Affäre, er macht sie auch zu seiner Geschäftspartnerin. Nach einer Weile werden sie allerdings von dem FBI-Agenten Richie DiMaso (Bradley Cooper) enttarnt. Der übereifrige Agent nutzt die Situation und handelt einen Deal mit Irving und Sydney aus. Sie sollen ihm größere Fische liefern, die bei ihnen Schmiergelder beziehen. Personen aus höheren Kreisen, wie aus der Politik. Tatsächlich beißt der allseits beliebte Bürgermeister Carmine Polito (Jeremy Renner) an einen Kredit an, um ein heruntergekommenes Viertel in New Jersey zu restaurieren. Aber als auch noch die Mafia ins Spiel kommt, wächst Irving die Sache über den Kopf.

Nicht ohne Grund beginnt "American Hustle" damit, wie der von Christian Bale ("The Dark Knight"-Reihe, "The Fighter") gespielte, deutlich übergewichtige Irving Rosenfeld kunstvoll seine nicht mehr allzu zahlreichen Haare so kaschiert, sodass sie seine zu sehende Kopfhaut bedecken. Bereits diese wortlose, ausführlich präsentierte Szene drückt deutlich aus, worum es in diesem Film geht: Um Täuschung und Betrug.

"American Hustle" ist vieles. Mal Krimi, mal Drama oder Komödie. Vor allem aber ist der Film Darstellungstheater mit dem Fokus auf seine Figuren und der interessanten Frage, wer hier gerade wen herein legt. Er weckt gleichzeitig auch Erinnerungen an die "Ocean's"-Reihe, die mit ähnlichen Gaunereien und einer gleichen heiteren Stimmung unterhält.
Schaut man etwas tiefer fällt allerdings auf, dass die Geschichte doch erheblich flacher und die Figuren eher stereotypischer Natur sind. Die Idee an sich funktioniert, doch so richtig zünden will das Ganze nicht. "American Hustle" bewegt sich zeitweise zu sehr auf der Grenze zum handfesten Drama, als dass er als vollkommen ironisch oder augenzwinkernd durchgehen kann und umgekehrt. Zeitweise ist die Handlung sogar ein wenig ermüdend und muss erst mal wieder die Kurve kriegen. Dazu kommt ein unnötig verkompliziertes Katz- und Maus-Spiel, dass final doch sehr einfach aufgelöst wird.

Besser dagegen verhält es sich bei der Präsentation und Inszenierung. Die 70er Jahre wurden unglaublich authentisch eingefangen. Neben den aus heutiger Sicht verrückten Frisuren und eigensinnigen Outfits, findet sich auch ein atmosphärischer Soundtrack mit schmissigen Songs von Tom Jones, den Bee Gee's, Elton John und Paul McCartney. Aus dieser Atmosphäre definiert sich auch der sehr skurrile Humor.

Die Darsteller geben sich wandlungsfähig, physisch wie auch psychisch. Christian Bale mit schlecht kaschierter Halbglatze und dickem Bauch ist hier das beste Beispiel. So hat man ihn bislang noch nicht gesehen. Bradley Cooper ("The Place Beyond the Pines", "Hangover"-Reihe) steht dagegen ein wenig im Hintergrund, während Amy Adams ("Man of Steel") und Jennifer Lawrence ("Die Tribute von Panem"-Reihe) nicht nur wegen ihrer gewagten Outfits in Erinnerung bleiben.
In Nebenrollen kommen Jeremy Renner ("The Town - Stadt ohne Gnade", "Tödliches Kommando - The Hurt Locker") sowie Robert De Niro ("Heat", "Machete") unterstützend hinzu.

"American Hustle" ist eine handwerklich gelungene Gaunerkomödie mit dramatischen Elementen, aber ohne größere Spannungsmomente. Die sensationellen, sehr spielfreudigen Schauspieler sowie die authentisch eingefangene 70er-Jahre Atmosphäre überzeugt. Unter der hell glänzenden Oberfläche ist allerdings in Sachen Handlung nicht wirklich viel zu holen. Knappe ...

7 / 10

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