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Agoraphobie in seiner extremen Form stellt für Freunde des düsteren Films oftmals eine Geduldsprobe dar, denn meistens verlässt der Protagonist seine eigenen vier Wände nicht und so ist man über rund 90 Minuten einem isolierten Zustand ausgesetzt. Steifen wie "Copykill" konnten die drohende Eindimensionalität zwar durch ein solides Drehbuch kaschieren, doch im vorliegenden Fall verlässt sich der mexikanische Regisseur Alfonso Pineda Ulloa zu sehr auf Paz Vega in der Hauptrolle.

Medium Martha (Vega) arbeitet erfolgreich als Seherin, als sie von dem flüchtigen Bekannten Mario brutal vergewaltigt wird. Kurz darauf legt sie ihre Tätigkeit nieder und zieht in eine andere Wohnung, in der sie einige Überwachungskameras aufstellt und sich komplett von der Außenwelt isoliert. Allerdings mehren sich Zeichen, dass in dieser Wohnung eine grausige Tat geschehen sein muss...

Mit der Vorgeschichte hält sich die Erzählung nicht lange auf, stattdessen werden zum Einstieg einige Flashbacks bemüht, welche Marthas Kindheit und die Entdeckung ihrer medialen Fähigkeiten veranschaulichen. Indes offenbart sich sogleich das schwere Trauma in Form von Angstzuständen und kleinen Panikattacken, da ihr Peiniger, wie sie per Internetrecherche erfahren muss, wieder auf freien Fuß kam und dieser Umstand natürlich die Ängste zusätzlich schürt. Hinzu kommt ihre impulsive Nachbarin, welche sich von Martha beobachtet und ausspioniert fühlt und einige Male an ihrer Tür droht, während die Überwachungskameras zusehends Störsignale empfangen.

Innovativ ist das Sujet natürlich in keinem Punkt, doch bis zu einem gewissen Grad wecken einige Geheimnisse Interesse, denn Visionen und Alpträume bringen nur häppchenweise Informationen an die Oberfläche. Auf Dauer wirken die stets gleichen Perspektiven der Überwachungskameras jedoch ermüdend, da bis auf Silhouetten im Hintergrund nicht mehr zu sehen ist und die äußeren Einflüsse gegenüber der Hauptfigur doch deutlich überschaubar sind.

Die ruhige Erzählweise zieht sich bis zum Finale durch und wird durch den Score fast durchgehend untermauert, während sich in der austauschbaren Wohnung des Victoria-Gebäudes zu wenig ereignet. Erst in den letzten Minuten wird das Geheimnis gelüftet und zumindest in diesem Punkt vermag der Verlauf ein wenig zu überraschen, zumal recht clever mit der Erwartungshaltung des Publikums gespielt wurde.

Ansonsten liefert Paz Vega ein solides und nie überzogenes Spiel ab, die variable Kamera außerhalb der fest installierten zeugt von ein paar gekonnt eingefangenen Momenten und auch einige Bildkompositionen mit Blut und Badewanne sehen durchaus ästhetisch aus.
Nur die Story bleibt trotz der gelungenen Auflösung etwas zu eindimensional, die Schockmomente sind rar gesät und der Terror hält sich über weite Teile deutlich in Grenzen.
Für eine Sichtung okay, für eine klare Empfehlung ist der Stoff jedoch zu durchschnittlich ausgefallen.
5,5 von 10

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