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Ungewohntes Projekt von Anlage, Regie und Darstellern gleichermaßen, quasi eine Kreuzung aus Ip Man und dem Kickboxer from Hell als düsteres bis horribles Actionmärchen, von Ressentiments geschürt. Irrationale Einschübe von schwarzer Fantasie, schwarzer Magie und einem Setting als nebulöses Sektenhauptquartier und Kriegsgefangenschaft machen das Werk von Genreneulig Law Wing-cheong auch schon abseits der formalen Qualitäten, die zusätzlich ihre Ehre erweisen, zu einem Vertreter fern der Regelmäßigkeit. Ein Werk der Kunst und Experiment mit strikten Feindbildern, dass nicht der Schönheit huldet, sondern wie aus dem finsteren Kerker und viel Gewalt und Emotionslosigkeit außer schlichter Wut und Haß formuliert und mit so eher gestörten Wohlgefallen durchzogen ist. Vom Publikum trotz bravourös ausgeführten und eingefangenen Actionszenen entsprechend weitgehend ignoriert, was nicht nur, aber auch der Besetzung fern von Popularität geschuldet ist:

K-29 [ Xing Yu ], als Kind vom japanischen Hades-Kult entführt und zur tödlichen Maschine trainiert, kehrt nach seiner Flucht und einem in Folge ruhigen Leben in einem Shaolinkloster für eine spezielle Mission an die frühere Wirkstätte und seinem ehemaligen Blutsbruder Daisuke Kurashige a.k.a. K-28 [ Steve Yoo ] zurück. Obwohl der Zweite Weltkrieg beendet ist, hat die von Kawao Amano [ Yasuaki Kurata ] geführte und wieder erstarkte Sekte nicht nur eine Squadron internationaler Armisten wie Bill [ Matt Mullins ], Bauer [ Kofi Yiadom ] und Arnold [ Robert Gilabert Cuenca ], sondern auch eine weitere Truppe Minderjähriger als Kriegsgefangene und unfreiwillige Kombattanten inhaftiert. Der folgende Todesreigen, vor allem vom dämonischen Crazy Monkey [ Nam Hyun-joon ], wird von der Tochter des Sektenführers, der Journalistin Eko [ Zhang Ya-mei ] erst mit getreuen Reportagen begleitet, bald aber angezweifelt und sehr zum Unwillen von Daisuke negiert.

Geplant als 'Starthilfe' für Xing Yu, der sich zwar als Kleinst- bis Nebenrolle in allerlei Genrearbeiten seit 2004 verdient und einen Namen in den auf dies achtenden Kreisen gemacht und zuvor die harte Schule von fast einem Dutzend direct-to-video Arbeiten von Philip Ko, also die unterste Stufe quasi durchlaufen hat, wird die Handlung auch direkt um dem 'King of Vajra' aufgezogen und strukturiert. Für die Rolle ist der Wushu Xuexiao Schüler und Gründer der Shaolin Zhixing Daochang Stätte auch perfekt, wird hier rein Stoismus und Kampfkunst gefordert und entsprechen die Dialoge ebenso diesem Sujet; Überhaupt gerät die steife Geschichte immer dann ins Stocken, wenn das Gleiche wie zuvor noch einmal in gleicher Tonart gesagt oder Dinge einfach noch einmal behauptet werden, obwohl sie längst feststehen. Ein Stillstand aus Gerüchten und Lügen, dass sich wie die rasselnden Fußfesseln der Inhaftierten um die aufrührerischen Actionszenen danieder legt.

Fehlendes Charisma des Darstellers, was auch seitens der Inszenierung vom dramaturgisch erfahrenden Law oder den anderen Rollen nicht ausgeglichen, aber wohl so richtig in dieser Brut aus Gewalt, Kolportage und Propaganda auch nicht gefordert wird, wird durch die roboterhafte Funktion als einzig möglicher Retter in der Not und der Fähigkeit des Martial Arts ersetzt. Überhaupt funktioniert dieser killing game - Alb in seiner Faszination des Absurden und zerrissen Letalen, in dessen Kolloseum der Nachkriegs- und noch Invasionsära immer der Hauch von  Rohheit, Unmenschlichkeit und Gefühllosigkeit und als einzig wahrhaftig vom allgegenwärtigen Leid Ergriffener doch tatsächlich nur der bucklige Leichenwäscher umhergeht. Umflort ist der Hintergrund dieser fundamentalistischen Exploitation zudem von ewigwährender Rassenanfeindung, in der aus der Sicht der Herkunft der People's Republic of China gerade der Japanische Mensch ein Unhold, oft auch ein körperlich entstellter und/oder geistig kranker Mann, mehr wie der Boogeyman zum Fürchten und aus einer Anderswelt porträtiert wird. Eine Gehirnwäsche voll Dogma und Indoktrination, die das Drehbuch ebenso anprangert wie genauso, nur halt umgekehrt praktiziert. Ein choreographierter Glaubenskrieg, der keine Gefangenen macht und Grautöne nur für die Optik, nicht den Inhalt erwählt.

Im Kontrast dessen und zum teils parvenuhaften Maskulinismus, Nationalismus, Patriotismus im tödlichen Über-Ernst ist die Produktion gar nicht schäbig, sondern mit Multinationalität, Aufwand, der properen Finanzierung von geschätzten 16 Mio. USD und sichtlich für ein erhofftes Gastspiel in den Leinwandstätten sowie den Verkäufen in das Ausland gehalten. Zwar zeigt man im Grunde nur die Arena des Todes selber und nur eingangs der friedliche Gegenpart der Shaolin, wird der Schrein des Hadeskultes als Gedankengebäude aber auch in mehrere Räume gespalten und sowohl in die Tiefe als auch die verzweigte Breite zerlegt. Andacht, Teestube, Dojo, Kerker, Gruselkabinett; alles vorhanden, um sich auf den Gegner vorzubereiten und je nach Standard des Anderen entweder reißend zu zerlegen oder tatsächlich das Duell in die Länge zu ziehen. Ein wenig überraschend kommt das Gelingen der Montage dabei schon, wird gerade in einer vorgeschaltenen Tempelanlage eine fulminante Auseinandersetzung gepaart mit Läufen, Sprüngen, Schwingen, Überschlägen und Poppin' Dance um das Konstrukt herum geliefert, in der das sparsam eingesetzte Wirework endlich einmal auch sinnigen Effekt hat und die Aufmerksamkeit und Wildheit des Kampfaktes zusätzlich am Reizen ist. Dort funktioniert tatsächlich die Berichterstattung selber, finden die Zweikämpfe und auch der Aufruhr drumherum in harmonischer und nahezu vollendeter Einheit von Choreographie, Kamera und Schnitt und so in ungefährdeter Zuschaustellung und dem Sehvermögen treugesinnter Übersicht statt.

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