Review

Der einhellige Erfolg von Vulgaria (2012) bei Kritikern und Publikum hat in rascher Folge zu mehreren Versuchen geführt, die Methode auf unterschiedliche Art und Weise und mal mit mehr, mal mit weniger Annäherung zum Original weiter zu führen. So spinnt The Midas Touch die Idee in gleicher Manier erneut, diesmal aber in im Grunde jugendfreier Version hinfort, während Hardcore Comedy das Groteske und die Verwendung von foul language und nackten Tatsachen auf niederer Ebene zu wiederholen versucht. Der wie die anderen Vertreter ebenso 2013 lancierte  SDU: Sex Duties Unit ist dabei als Letzter im Bunde theoretisch vom Inhalt am Weitesten entfernt, vom Bündnis selber allerdings am Nächsten dran, basiert die Category III comedy auf einer short story des dortigen Regisseurs und teilt man sich auch weitere Positionen hinter und vor der Kamera. Zudem sind mindestens zwei direkte Verweise, quasi Aha-Erlebnisse als Gusto für das Publikum gegeben, auch wenn man scheinbar materiell einen komplett anderen Weg geht:

Nach einem ergebnislosen Einsatz bei einem Juwelierraub mit Geiselnahme und einer erneuten Brüskierung durch ihren Vorgesetzten Stone [ Michael Wong ] beschliesst das B - Team der Special Duties Unit, angeführt von Keung [ Chapman To ] und begleitet von Josh [ Shawn Yue ], Ka Ho [ Matt Chow ] und 'Dried Shrimp' [ Derek Tsang ], zur Entspannung einen heimlichen Trip nach Macau zu machen. Unerlaubt vom Dienst und Territorium entfernt, lassen sie sich des Nachts heimlich und ohne mitgeführte Identitäten vom Schmuggler Big Fei-lung [ Simon Loui ] per Boot in das Vergnügungsparadies überführen, um den No. 1 Clubhouse Nightclub und die dortigen ansässigen Prostituierten zu besuchen. Während Josh mit dem eigentlich nur zum Schauen und Lernen anwesenden Neuling Lily [ Lau On-kei ] einen nicht nur die Augen und Hände ansprechenden, sondern tatsächlich überaus süßen und liebenswürdigen Fang gemacht hat, müssen die Anderen alsbald enttäuscht und zusätzlich auf der Flucht vor der örtlichen Polizei [ u.a. Ken Wong, Tony Ho, Lawrence Chou ] abziehen. Im Fahndungsradar von Gesetz und Medien und schnell schwindender finanzieller Mittel stößt die Truppe zudem auf den gesuchten und gefährlichen Verbrecher Wang Tao [ Ken Lo ].

Dabei ist der nach außen hin geschlossene Vergleich zu den besonders in den Neunzigern populären Filmen um die Riegen von SDU und Co. noch mit der aufschlussreichste und interessante im gesamten Komplex, wird auch immer wieder zu dieser Idee zurückgegangen, auch wenn das Element der Action und visuellen Annäherung abseits der Titelsequenz (leider) komplett fehlt. So verwendet man zwar bei einer zeitigen Geiselnahme gleich mehrerlei optische Motive im Auftritt des herbeigerufenen Spezialkommandos, das waffenstarrende Getöse und technikaffine Handwerk, die maskuline Präsenz sowie den Fetisch von Uniform und Gewehr, bezieht dort auch ein Cameo der geradezu offiziellen Personifikation durch Michael Wong für das Subgenre ein – Wong hat sowohl durch The Final Option (1994), First Option (1996), Option Zero (1997) als auch The New Option (2002) und deren im Anschluss komplette DTV Filmserie geführt – , belässt es anschließend aber schon wieder dabei. Im Grunde führt man den großen Rest der Handlung einfach ein anderes Erlebnis, nur mit der Prämisse, dass die Reisenden Mitglieder einer Spezialeinheit sind und nicht entdeckt werden dürfen fort.

Allerdings trifft durch die berufliche und geographische Herkunft der vier Vergnügungssüchtigen ein nächstes Element der Geschichte umso mehr, wird das eingangs angesprochene "team spirit" hier tatsächlich entwickelt und gelebt und ist gegenseitiges blindes Vertrauen und Kenntnis der Stärken und Schwächen der Anderen von entscheidenden Bewand. Die hier gebotene Männerfreundschaft, in der auch die erst verborgenen Homosexualität des Jüngsten im Bunde und sein späteres coming out keinerlei Problem darstellt – was angesichts der Geschichte des Hongkong Kinos so selbstverständlich nicht ist, auch wenn man sich erste Witze darüber nicht verkneift – , und wo man sich auch in nähester und intimer Nähe des Gegenüber unbeschwert wohlfühlt und frei ist, ist mit die große Einheit des Geschehens; wird das male bonding des sonstigen Heroic Bloodshed hier auch gar nicht konterkariert, sondern dem tatsächlich wörtlich freien Lauf gelassen und emotionalisiert. In derlei Hinsicht auch sympathisch und mit Spielfreude und tatsächlichen Darstellern, darunter den hier ausnahmsweise auch weniger aufdringlichen Chapman To und den anderenorts etwas hölzern wirkenden Shawn Yue als Prominenz besetzt, sowie mit mehrerlei kurzen, wenn auch lauten Gastauftritten gewürzt formuliert sich der Abstecher auf Macau als tatsächlich bunter Kurztrip.

Überhaupt ist die Verlegung der Absonderlichkeiten und Ausschweifungen der "Operation: Sex War" von HK weg auf das gar nicht ferne, aber trotzdem gänzlich andere Macau und seine Möglichkeiten auch mit noch der bester Anlass, die die neugewonnene (und auch kommerziell gewordene) Freiheit von verbalen Derbheiten, platter Frauenbeschau und sexuellen Zoten wie bei einem jederzeit entschuldbaren Abstecher zu begehen. Kein Wunder, dass man die Analogie zu Hangover (2009) und seiner catchphrase "What happens in Vegas, stays in Vegas." und "what happens in Macau, there won't be a second round." final noch zieht, ist doch gerade die Vorbereitung zum Besuch im Puff und seine Ausführung von theoretisch anzüglichen, schlüpfrigen, bisweilen auch durchaus die Frauen verachtenden Geschmack. (Angedeutete) Blowjobs allerorten, viel barbusige Nackedeis im Geschäft, darunter auch die Lehrlinge in Ausbildung, die, ob sie wollen oder dürfen oder eher nicht, auch in die Tätigkeit einbezogen werden, wenn sie sich nicht hartnäckig genug wehren, und anderen unter die Gürtellinie zielendes und die Hosen herunterlassendes als Aufhänger für anlockendes Marketing und gleichsam exploitatives Flair.

Details
Ähnliche Filme