Biographische Filme über Menschenrechtsaktivisten und Freiheitskämpfer sind grundlegend aller Ehren wert, denn diese Persönlichkeiten haben viel bewirkt und oft jahrzehntelang gegen bestehende Ungerechtigkeiten gekämpft. Der Titelgebende hat zweifelsohne ebenfalls viel erreichen können, doch Regisseur Diego Luna vermittelt mit César Estrada Chávez keine sonderlich mitreißende Figur.
Mitte der Sechziger setzt sich der Latino-Amerikaner Cesar (Michael Peña) in Kalifornien für bessere Arbeitsbedingungen der Farmarbeiter auf den Plantagen ein und gründet mit Dolores (Rosario Dawson) eine Landarbeitergewerkschaft. Nach medienwirksamen Auftritten und Boykotten schüren sie jedoch den Zorn der Farmer und Unternehmer, vor allem ein Mogul der Traubenplantage (John Malkovich) will nicht auf die Forderungen der streikenden Arbeiter eingehen...
Das Biopic begeht gleich zu Beginn einen eklatanten Fehler, denn die Hauptfigur wird fast ohne jeglichen Kontext in die Handlung geschleudert und auch die Beweggründe seiner Bemühungen werden nur oberflächlich eingebunden. Der Zuschauer erhält kaum einen Einblick, unter welchen Bedingungen die Plantagenarbeiter schuften müssen, denn Fakten werden eher beiläufig erwähnt, Einzelschicksale bleiben jedoch völlig außen vor.
Der Kampf um Recht und Würde des arbeitenden Volkes folgt einigen Genrekonventionen, was durchaus auch einige Stärken einfließen lässt. Zeitgenössische Originalaufnahmen und eine solide Grundausstattung gehören definitiv zu den positiven Seiten des Streifens. Direkte Konfrontationen zwischen den eigentlich pazifistisch veranlagten Arbeitern und ihren teils gewaltbereiten Bossen generieren sogar für kurze Momente ein wenig Spannung, doch andere Aspekte wie die problematische Vater-Sohn-Beziehung werden auffallend unbeholfen abgearbeitet.
Erfolge der Aktivisten schüren natürlich positive Gefühle beim Betrachter und das Ziehen immer größerer Kreise (vom kalifornischen Delano bis zuletzt London) sowieso, doch all das hätte man sich ein wenig aufwühlender und bewegender gewünscht, da viele Momente trotz des soliden Scores eher kalt lassen, als zu berühren.
Das mag letztlich auch der schwach ausgearbeiteten Titelfigur geschuldet sein, denn einerseits geht diese beim Hungerstreik deutlich an ihre Grenzen, doch kurz darauf folgt ein nächstes Kapitel, bei welchem die vorherige Selbstläuterung gar nicht mehr erwähnt wird.
All das ist nicht gänzlich langweilig, doch der Gesamteindruck wirkt wie eine schwach ausgearbeitete Biographie, welche sich an einigen historischen Eckdaten orientiert, ohne dabei in die Tiefe der Materie einzutauchen.
Herausgekommen ist ein eher austauschbarer Streifen mit einem blassen Helden, noblen Absichten und einer Essenz, die gütig stimmt, aber nicht wirklich glücklich macht.
5,5 von 10