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Für fast jedes kleine Kind ist Papa der Held, Cory Yuens „My Father is a Hero“ nimmt das Ganze aber ausgesprochen wörtlich.
Kung Wei (Jet Li) arbeitet als Undercovercop und gibt sich für den Job als Dieb aus, wovon Frau und Sohn nichts wissen. Sonderlich familienkompatibel ist der Beruf allerdings nicht, Papa kommt zu spät zu Sohnemanns Veranstaltungen und wird gar für einen Auftrag nach Hongkong geschickt. Politisch korrekt geht es dabei nicht immer zu, der Sohn wird mit sanfter Gewalt gedrillt den Atem lange anhalten zu können, Papa haut bei der Flucht ein paar Wachhunde zu Klump, indem er den Tieren die Knochen bricht usw., das wäre im westlichen Kino kaum möglich.
Während Kungs Frau auf dem Festland immer schwerer krank wird, erschleicht sich ihr Männe das Vertrauen eines lokalen Gangsterbosses, zieht jedoch auch die toughe Polizistin Fong (Anita Mui) an seine Hacken...

Cory Yuens Film ist ein eigenwilliger Mix aus Actionthriller, Drama und Komödie, wobei die Witzeleinlagen hier nur sporadisch vertreten sind und man von daher vom Holzhammerklamauk anderer HK-Actionfilme verschont bleibt, was hier auch mit dem teilweise recht düsteren Undercoverplot kaum vertragen würde. Sicher bietet das Spiel rund um Tarnen und Täuschen vor allem Altbekanntes, auch die Frage, welche Nebenfiguren wohl dahinscheiden werden, kann man mit etwas profunder Genrekenntnis bereits im Vorhinein beantworten, aber immerhin kommt Yuens Film zügig genug in die Puschen, damit das nicht so wirklich negativ auffällt.
Im Actionbereich kann man wieder auf die gewohnten Yuen-Qualitäten bauen, da wird kunstvoll gefightet und geballert, wobei vor allem der Überall beim Deal mit den Bomben durch einfallsreiche Choreographien zu überzeugen weiß. Die große Actionkeule bleibt freilich eingepackt, in der Mitte wird wenig gekämpft, ehe dann im letzten Drittel noch mal ordentlich aufgedreht wird und der Held der verbliebenen Gangsterbelegschaft zeigt, was eine Harke ist. Allzu derbe ist „My Father is a Hero“ trotz einiger Härten nicht, jedoch sollte man tunlichst zur ungekürzten Fassungen greifen.

Statt Actionoverkill gibt es dann verstärktes Drama zwischen den Wemmsereien und da darf man vorsichtig aufhorchen, denn da ist das HK-Kino ja nicht immer stilsicher, doch auch da schlägt sich Cory Yuens Film erfreulich wacker. Es wird nur selten auf die Tränendrüse gedrückt, den üblichen Hang zu Pathos und Kitsch vermeidet man auch und versucht stattdessen die Situation von Kungs Familie zu thematisieren: Im Unwissen über seine Tätigkeit müssen sie immer Gerüchte hören, dass er ein Verbrecher sei, der Sohn wird in der Schule angefeindet usw. Yuen bebildert die Probleme durchaus stimmig, wenngleich das Ganze eher Nebenschauplatz ist und die Actiongeschichte im Vordergrund steht – aber wer Tiefgang möchte, der greift bei der Undercoverthematik vermutlich eh nicht zu einem Actionreißer.
Ein Plus für den Film ist die Besetzung mit Jet Li, der sowieso immer edle, väterliche Figuren spielte und den Part des heroischen Undercoverbullen mit Leben und Emotionen zu füllen weiß. Anita Mui spielt solide, wird vom Script aber ganz klar auf den Platz der zweiten bis dritten Geige verwiesen und kommt von daher nicht voll zur Geltung. Eine Überraschung ist Filmsohn Miu Tse, der nicht nur ganz ordentlich spielt, sondern vor allem ordentlich auszuteilen weiß: Die Kampfkünste des Knirpses sind für sein Alter echt enorm gut.

Es ist nicht Cory Yuens bester Film, kann nicht ganz mit Werken wie „Righting Wrongs“ mithalten, und doch ist „My Father is a Hero“ ein temporeicher Reißer mit schicken Actionszenen, stimmiger Inszenierung, aber auch recht altbackener Story. Ordentliche Hongkong-Ware, die 6,5 Punkte meinerseits einfährt.

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