Review

Der Restaurator Stefano reist in das abgelegene Kaff Solmi, um in der örtlichen Kirche ein Fresko wieder auf Vordermann zu bringen, das in grausamen Details die Ermordung eines Heiligen zeigt. Schon kurz nach seiner Ankunft erzählen ihm die Einheimischen gruselige Geschichten über den Schöpfer des Bildes, einen gewissen Buono Legani, der sich auf die Darstellung Sterbender spezialisiert hatte, was ihm den Titel "Maler der Schmerzen" eingebracht hat. Je weiter die Arbeiten an dem Wandgemälde fortschreiten, desto mehr interessiert sich Stefano für dessen Entstehung, wobei ihm jedoch von allen Seiten nahegelegt wird, seine Nase nicht in Angelegenheiten zu stecken, die ihn nichts angehen. Als er Zeuge wird, wie ein Bekannter von ihm, der ihn just noch über eine wichtige Entdeckung in Kenntnis setzen wollte, vor seinen Augen zu Tode stürzt, kann er die Sache erst recht nicht auf sich beruhen lassen. Stefano findet schließlich heraus, dass der vermeintlich totgeglaubte Legani im Namen seiner Kunst seine Modelle tatsächlich zu Tode gefoltert hatte, um sie akkurat portraitieren zu können, und dass in dem Dorf seit Jahren immer wieder Menschen spurlos verschwinden... "Das Haus der lachenden Fenster" ist sicherlich neben "Zeder - Denn Tote kehren wieder" der auch heute noch außerhalb seines Entstehungslandes bekannteste Film Pupi Avatis, der aber doch nicht ausreichend gewürdigt wird, denn immerhin ist dieser verstörende Thriller neben Dario Argentos "Rosso - Farbe des Todes" für meinen Geschmack einer der herausragenden italienischen Genre-Beiträge der 70er Jahre, der ebenso wie der besagte Giallo durchaus am Status eines Meisterwerks kratzt. Die unaufgeregte, entschleunigte Inszenierung schlägt den Zuschauer von Anfang an in ihren Bann, tatsächlich ist der Streifen trotz des weitestgehenden Verzichts auf allzu blutrünstige Details und vordergründige Action bisweilen unerträglich spannend. Das groteske Finale ist dann aber schließlich doch Horror pur, wobei die bizarre Pointe den filmischen Umkehrschluss von Alfred Hitchcocks "Psycho" markiert. Thematisch liefert Avati mit seinem "Das Haus der lachenden Fenster" zudem einem Vorabentwurf zu dem aktuelleren "Martyrs", wobei er im Gegensatz zu dem Franzosen-Splatter jedoch nicht als inhaltsleere Gewalt-Pornografie daherkommt. Dennoch, guter Stoff für Alpträume, und ein Film, den man wohl nicht so schnell wieder vergisst... und der, ganz anders als der ähnlich überhypte Italo-Schmonzes "Spuren auf dem Mond", seinem Ruf tatsächlich auch gerecht wird.

10/10

Details
Ähnliche Filme