Review

kurz angerissen*

Michael Mann gelingt mit seinem Noir-Thriller auf Anhieb die Widerlegung einer Dichotomie von Stil und Substanz. Sich spiegelnde Flächen auf polierten Karosserien, in Pfützen auf dem nassen Asphalt oder in der einzig friedvollen Szene des Films, einer Konversation am Steg mit einem Angler vor einer gleißenden Wasseroberfläche, bestimmen die dominante Optik des mit dunklem Strich gezeichneten Unterweltfilms. Doch der Regisseur zeigt all das nicht nur, um sich am Lichtspiel der glatten Fassaden zu erfreuen; er möchte vielmehr hindurchgreifen und etwas Gehaltvolles aus der gegenüberliegenden Seite hervorbringen.

Caans Rolle ist so angelegt, dass sie in den 80er Jahren auch mit ihren prägnanten Anleihen an die Schwarze Serie keine größere Besonderheit darstellt, sind ihre vorrangigsten Merkmale doch immer noch ihr Einzelgängertum, ihre Coolness (gegenüber Frauen und gegenüber ihrem persönlichen Schicksal) und ihre Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Kein Wunder also, dass sich die zeitgenössische Kritik eher verunsichert und uneins zeigte angesichts eines vertrauten Figurentypus, der sich aber durch ein nihilistisches Spiegellabyrinth zu kämpfen hatte, das visuell wie auch akustisch (der Soundtrack von Tangerine Dream spielt eine mindestens genauso große Rolle für die Wirkung des Films wie seine Optik) durchaus von ungewöhnlichem Format war.

Der Eindruck schlichter Charakterzeichnungen und einfacher Rollentypen ist geblieben, ihm liegt jedoch auch eine schnörkellose Orientierung am Realismus zugrunde (in ihren Schauspieldebüts sind hier unter anderem die damaligen Polizisten und späteren Schauspieler Dennis Farina und Chuck Adamson zu sehen), mit denen Mann seine ungewöhnliche visuelle Handschrift konterkarierte. Eine dem Folgewerk Manns angepasste Verkultung möchte vielleicht noch mehr darin gespiegelt sehen, gar ein sehr spezielles Subgenre womöglich (Marcus Stiglegger schreibt im Booklet zur "Ultimate Edition" vom "Neon Noir", einer synästhetisch zu verstehenden Stilbezeichnung, der man womöglich auch Werke wie "Diva", "Blade Runner" oder zuletzt die Refn-Werke "Drive" und "Only God Forgives" zusprechen könnte). "The Thief" bleibt aber letztlich im Kern, gleichwohl er heute völlig anders rezipiert werden muss als zu seiner Entstehungszeit, ein einfacher Gangsterfilm der 80er, nur eben mit dem gewissen Etwas.

*weitere Informationen: siehe Profil

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