Review

"Es wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird!" ist eine alte Volksweisheit, die sich am besten auf "Kopfgeld", Til Schweigers zweiten "Tatort"-Einsatz, anwenden lässt.

Mit 19 Toten als die leichenreichste Episode der ganzen Reihe angepriesen, stellt dieser Krimi einfach nur unter Beweis, dass ein Maximum an Gewalt kein Garant für hochkarätige Fernsehunterhaltung sein muss.
Das konfuse Handlungsskelett wurde vorab vollmundig in einem reißerischen Trailer angepriesen, der die wenigen Highlights in 90 Sekunden perfekt zur Geltung brachte und dem neugierigen Zuschauer ein spannendes und dramatisches Actionfeuerwerk suggerieren sollte.
Ein Eindruck, der nicht erst nach 90 Minuten Laufzeit wie eine Seifenblase zerplatzte. Die ersten 5 Minuten inklusive einer mehr als peinlichen Sexszene auf "Keinohrhasen"-Niveau reichten aus um bestätigt zu wissen, was schon bei Schweigers erstem "Tatort" feststand: Til Schweiger hat es drauf - aber ganz sicherlich nicht in Deutschlands dienstältester Krimireihe.
Mit seinen Komödien und dem Actionfilm "Schutzengel" bewies Schweiger bislang ein sicheres Händchen und Gespür für pointierte Dialoge und sorgfältig inszenierte Action- und Spannungsdramaturgie. Was auf der großen Leinwand funktioniert, geht im kleineren Format allerdings gründlich in die Hose: da wird das abgedroschene Klischee vom Bullen abgenudelt, der beim Sex die Handschellen zum Einsatz bringt, und Schweigers untalentierte Tochter in die Handlung eingebaut, die ebenso nervt wie Fahri Yardin als Tschillers Kollege.

Die Handlung um dessen Kampf gegen einen verbrecherischen Clan wurde dabei genauso geschwätzig in Szene gesetzt wie bereits vor drei Wochen bei den Kollegen des Bremer Tatort "Brüder". Und was bei Schweigers Einstand im letzten Jahr zumindest noch durchschnittlich war, verkommt hier zur langweiligen "Allein gegen die Mafia"-Kopie, garniert mit Groschenheft-Plattitüden, die streckenweise kaum zu verstehen sind.

Vor allem frage ich mich nach 90 langatmigen Minuten, 19 Toten, einer unnötigen Sexszene, insgesamt zwei dramatischen Momenten, Schweigers nackten Arsch in zig Einstellungen und lediglich einem wirklich gelungenen Oneliner:

Wo zum Teufel war denn hier die vollmundig angekündigte Action? Die mickrige Autoexplosion zu Anfang, die zwei, drei mittelmäßigen Schießereien oder das bisschen Feuerzauber im Finale?

Wo waren denn die witzigen Momente, die coolen Sprüche und zündenen Gags? Oder hatte ich das damals falsch verstanden, dass Schweiger "seinen" "Tatort" als eine Art "Lethal Weapon" angekündigt hatte? Nein, ich habe das schon richtig verstanden - nur hat es keiner der Beteiligten bislang mitbekommen oder sich eingestehen wollen, dass so etwas im "Tatort" einfach nicht funktioniert (und wenn überhaupt lediglich dem Münsteraner Team vorbehalten ist).

Ich habe mich schon bei "Willkommen in Hamburg" geärgert und bei "Kopfgeld" ärgere ich mich noch mehr, denn der war noch einmal eine Schüppe schlechter als Schweigers Debut.
Til Schweiger macht seine Sache nicht schlecht: er zeigt Einsatz, macht böse Miene zum noch böseren Spiel - das Problem ist einfach das Drehbuch und das größenwahnsinnige Vorhaben, mit aller Gewalt in den "Tatort" amerikanisches Flair zu bringen - was bislang gründlich daneben ging.

Da stellt man dem Ermittler-Team einen übermächtigen Kontrahenten gegenüber - und was passiert?
Nichts, rein gar nichts! Bis auf zwei Momente gab es keine nennenswerten Konfrontationen mit den Gegnern. Stattdessen zog sich der Faden um das "Kopfgeld", das auf Tschiller ausgesetzt wurde, wie ein Krebsgeschwür durch die abgedroschene Handlung und versuchte mit ein paar Härten (die Attacke auf die Staatsanwältin, unzählige Tote), Faustkämpfen und Schießereien dem Zuschauer im Gedächtnis zu bleiben.

Den einzigen bleibenden Eindruck hat in Til Schweigers zweiter Selbstinszenierung lediglich Ralph Herforth hinterlassen - er hat seine Rolle als vom Krebs gezeichneten, im Kampf gegen das Drogenkartell designierten Polizisten, mit Bravour gemeistert.

Der Rest war viel Lärm um nichts...

4/10

Details
Ähnliche Filme