Unweigerlich auf's diesjährige Kinoabenteuer zusteuernd musste Til Schweiger (Driven) noch ein paar TV-Einsätze als Nick Tschiller absolvieren. Überraschenderweise fällt sein zweiter Einsatz dabei recht ordentlich aus und stellt bis dato seinen besten Tilort da, der selbst Tschiller Kino-Hatz durch Osteuropa überfliegt. Denn da liegt meines Erachtens der Knackpunkt. Im Kino schicken Schweiger und sein Regie-Knecht Christian Alvert (Pandorum) Tschiller auf Urlaub in die Türkei und Russland statt ihn vor Ort in der Heimat agieren zu lassen. Wenn ich einen deutschen Actionfilm sehen will, dann will ich nicht sehen wie der Held in Gegenden Randale macht, wo schon die Amis und Franzosen in ihren Filmen (u.a. "Taken"-Reihe) alles in Schutt und Asche gelegt haben. Nein, ich will sehen wie im Heimatland die Lutzi abgeht. Und eben das wird in "Tatort: Kopfgeld" gut geboten.
Bei Nick Tschillers (Til Schweiger) letzten Großangriff auf die illigalen Machenschaften des Astan-Clans wurde der Bruder von Clan-Boss Firat (Erdal Yilfiz) zum Krüppel geschossen. Nun wollen die Astans Blut sehen und setzen ein Kopfgeld auf Hamburgs Super-Bullen aus. Zwar kann Tschiller anfangs einer Autobombe noch entgehen, aber nicht nur, dass die Astans bereits neue Attentate schmieden, es entbrennt auch noch ein Drogen-Krieg auf dem Kiez zwischen den Astans und einem rivalisierenden Clan. Als dann Tschiller Geliebte ins Kreuzfeuer gerät sieht Tschiller entgültig rot...
Til Schweiger ist auch hier keine schauspielerische Offenbarung, aber den Rambo-Cop hat er immerhin gut drauf. Ist bei den etlichen Vorlagen aus den USA aber auch nicht wirklich schwer. Nebenbei insziniert er sich auch noch als Womanizer, womit der Zuschauer direkt am Anfang seinen Hintern bewundern darf. Das Ego musste wohl gestreichelt werden und Schweiger stellt sich ja oft so da, wie er sich selber gerne sieht. Wer's nötig hat. Abermals ist sein Film-Partner Fahri Yardim (Winnetou - Der Mythos lebt) das wahre Glanzlicht, bekommt hier aber im Gegensatz zu den anderen Tilorten gleich zweifache Konkurrenz. Zum einen durch Ralph Herforth (Das Blut der Templer) als Drogenfahnder-Wrack Enno Kromer, und zum anderen durch Britta Hammelstein (Der Baader Meinhof Komplex) als Tschillers Kollegin, die hier auch mal Einsatz zeigen darf. Schweiger Jr. (Schutzengel) ist immer noch eine Talentverweigern, was sich wohl auch nicht mehr ändern wird, hat hier aber zum Glück recht wenig Szenen zu absolvieren.
Actionmäßig bekommt man für TV- und Tatort-Verhältnisse gut was geboten und auch Tschiller muss schwer einstecken. Ausgiebige Shootouts bleiben nachwievor aus, aber im Zweikampf ist der Film stark, und der Schurke erhält einen feurigen Abgang, wobei man sich schon wundern darf, dass Tschiller nicht selber die Kronjuwelen flambiert, so wie er im Vorfeld mit der brennbaren Flüssigkeit rumgesaut hat. Inhatlich hat man sich eine nette Geschichte zusammen gestrickt, die nicht unspannend ist. Von echter Polizeiarbeit halten Tschiller und Gümer zwar immer noch nix, aber für Spannung sorgen Nebenplots wie der Kiez-Krieg und die sich anbahnende Jugendkriminalität. Ebenso ist die hauptsächliche Storyline um das Kopfgeld solide geraten und dass Tschillers Liebchen durch die Mangel genommen wird sowie Kromers persönliche Vendetta sorgen nochmal für zusätzlichen Zündstoff. Facepalm-Momente bleiben dennoch nicht aus, wenn z.B. Tschiller beschließt Toter Mann zu spielen und kaum eine Sekunde später beim Astan-Boss im Knast aufmarschiert, nur, um anscheinend einen WTF-Blick von diesem einzusacken. Aber im Gegensatz zu "Tschiller: Off Duty" sind solche Momente rar gesäht.
Alles in allem kein Überflieger im deutschen Action-Genre, aber seine bisherigen Tilort-Kollegen sowie Schweigers cineastischer Reinfall kann "Kopfgeld" locker übertrumpfen. Bleibt abzuwarten, ob Schweiger dieses Kunststück nochmal glücken wird. Irgendwie bezweifle ich das...