Ein reicher Geschäftsmann, gespielt von Mehmet Kurtulus, und seine Frau, gespielt Nina Hoss, laden zum Abendessen ein und ein kürzlich getrenntes Pärchen, gespielt von Heike Makatsch und Benno Führmann, und ein weiteres Pärchen mit Beziehungsproblemen, gespielt von Jürgen Vogel und Alexandra Maria Lara, kommen. Bei dem Treffen schließen die sechs schließlich eine Wette ab, dass sich die Pärchen nicht nackt mit verbundenen Augen durch Tasten erkennen können, als Führmann die Wette aber manipuliert, ist Beziehungsstress vorprogrammiert.
Nach langer Zeit ist "Nackt" endlich noch einmal ein Beweis dafür, dass sich die deutsche Schauspielelite nicht hinter der amerikanischen verstecken muss und mit Benno Führmann, Jürgen Vogel, Alexandra Maria Lara und Heike Makatsch ist die deutsche Elite sicherlich in diesem Film vertreten und Vogel und Lara machen sich am besten. Die beiden harmonieren gut zusammen und verkaufen sich sowohl in den Liebesszenen, als auch in den zynischen Wortgefechten sehr gut und tragen damit zum Gelingen des Films maßgeblich bei. Vogel stieg nach "Nackt" zu einem der gefragtesten deutschen Darsteller auf und brachte es sogar zu Hauptrollen in "Die Schatzinsel" und "Die Welle", während Alexandra Maria Lara mit "Jugend ohne Jugend" und "Control" sogar auf internationaler Ebene erfolgreich war. Heike Makatsch spielt wie immer überzeugend und hat wie immer eine relativ hohe Leinwandpräsenz. Mit "Resident Evil" war auch sie später international erfolgreich. Benno Führmann darf den zynischen Fiesling spielen, der seine Freund hintergeht, macht sich aber, wie später in der Rolle des skrupellosen Medizinstudenten in "Anatomie" sehr gut. Nina Hoss und Mehmet Kurtulus können ebenfalls überzeugen. Lara, Vogel, Hoss und Kurtulus bringen zudem den Mut auf, sich bei der Ausführung der Wette komplett auszuziehen und liefern damit einige erotische Momente.
Die Inszenierung von Doris Dörrie ist ebenfalls gut. Mit einem hohen Erzähltempo lässt sie den Film zu keinem Zeitpunkt auf der Stelle treten und kann so ordentlich unterhalten. Die ausgefeilten Dialoge baut sie perfekt ein und setzt ihre guten Darsteller dabei gekonnt in Szene. Sie baut ein paar Gags in den Film ein und lockert damit die ernsten Gespräche über Liebe und individuelle Gefühle. Die Musik ist nicht sonderlich auffällig und damit kann auch keine Atmosphäre aufgebaut werden, die ist aber auch nicht weiter wichtig, da der Film über weite Strecken von den guten Dialogen lebt. Die Kulisse ist dafür gut hat einen hohen Schauwert, genauso wie die, Erotik-Szenen im Mittelteil des Films, die perfekt inszeniert sind und zwar gewagt, aber nicht zu schlüpfrig wirken. Hier und da sind ein paar Sequenzen vielleicht zu lang geworden und der eine oder andere Dialog läuft ins Leere, aber alles bietet der Film ordentliche Unterhaltung.
Die Story ist alles in allem solide und im vergleich mit anderen deutschen Komödien, wie diversen Fernseh-Produktionen und Klamauk-Filmen auf jeden Fall beachtlich. Die eigentliche Handlung ist dabei eher nebensächlich, zumal sie alles in allem nur ganz wenige Wendungen aufweist und über weite Strecken vorhersehbar ist. Die Charakterkonstruktion der einzelnen Figuren ist dafür ganz gut gelungen und man hat sich sichtlich bemüht, die Sechs möglichst unterschiedlich darzustellen, um in diesem Film über Liebe, Leidenschaft und Individualismus nach Möglichkeit alle Personengruppen zu repräsentieren. Die Diskussionen über diese Thematik sind gut gemacht, die Dialoge sind dabei teilweise amüsant und pointiert, teilweise ernst und vielschichtig. Der Thematik wird man nicht ganz gerecht und das Ergebnis, dass eher auf Wohlgefühl und Kitsch aus ist, als auf ein ernsthaftes Fazit ist auch nicht sonderlich gut, aber alles in allem ist es ein ambitionierter Versuch, der sich nicht vor amerikanischen Filmen des Genres verstecken muss.
Fazit:
Mit einer, für deutsche Verhältnisse sehr guten Handlung mit starken Dialogen und einer ordentlichen Inszenierung, die Humor, Erotik und Tempo bietet und nicht zuletzt durch den starken Cast ist "Nackt" ein ordentlicher Liebesfilm, der sich nicht vor amerikanischen Produktionen verstecken muss.
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