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Achtung Spoiler*

„In jeder Beziehung gibt es genau einen guten Tag“ - Ein Satz aus Doris Dorries Beziehungskomödie „Nackt“. Wie auch immer, auch wenn wir im Kino nicht den besten Tag eines der drei Filmpaare kennen lernen, so ist es immerhin ein Abend der unvergesslichen Art.

Drei befreundete Paare treffen sich zum Essen. Aber die Zeit stand nicht still. Das einladende Pärchen schwimmt seit kurzen im Reichtum. Ein anderes Pärchen hat sich gerade getrennt. Wo die Gemeinsamkeiten schwinden breitet sich ein idealer Nährboden für eine aufgeladene, gereizte Atmosphäre aus. Höhepunkt diverser Sticheleien und Anspielungen bildet eine pikante Wette. Nur mit Hilfe ihres Tastsinns wollen zwei der Paare ihren jeweiligen Partner erkennen.

Doris Dörrie erzählt ihre Geschichte symmetrisch. Im ersten Drittel des Filmes werden die Paare einzeln vorgestellt. Angefangen wird mit Felix (Benno Fürmann) und Emilia (Heike Makatsch), ein Paar das sich bereits getrennt hat, beide finanziell ziemlich abgebrannt. Emilias Wohnung ähnelt einer Sperrmüllsammelstelle, in der sich u.a. ein Zelt als Bett und ein Gummiboot als Sofa entpuppt. Boris (Jürgen Vogel) und Annette (Alexandra Maria Lara) ziehen eine IKEA Behausung vor. Ihre Beziehung steht in voller Blüte. Beide befinden sich noch in der Phase des Verliebtseins.

Davon kann bei dem Paar Nr. 3 nicht mehr die Rede sein. Dyalan (Mehmet Kurtulus) und Charlotte (Nina Hoss) Beziehung ist im Grunde nur noch ein Fall für einen Abbruchunternehmer. Das gemeinsame Abendessen im mittleren Drittel vereint alle Handlungsstränge. Der Film wird beendet, indem noch einmal ein Blick auf die Paarkonstellationen, nun nach dem Abendessen geworfen werden.

Ein Paar nach den anderen verabschiedet sich und der Film endet mit dem Paar, mit dem der Film begonnen hat. Felix (Initiator der Wette) und Emilia holen das Abtastspiel, bei dem sie zuvor nur Schiedsrichter gewesen waren, nach. Emilias Erkenntnis: „Wer sich nicht fremd wird, kann sich nicht nahe sein.“

„Nackt“ umkreist unterhaltsam und kurzweilig das Thema Liebe. Da die Handlung nicht besonders viel hergibt, liegt das größte Gewicht auf dem Dialog. Dieser kommt mal realistisch, dann wieder eher theatralisch daher. Man(n) und auch Frau wird mit einen ganzen Katalog an Metaphern bombardiert, die Lust auf eine verbale Erprobung im eigenen Alltag machen, wie „Speck auf der Seele“, die Ehe als „Fuchsbau“ usw. und usw.

Daneben werden uralte „Weisheiten“ wie „Frauen und Männer passen nicht zusammen“ oder „Jeder ist austauschbar“ in Dialoge mit eingeflochten. Doris Dorrie greift eine Reihe von Klischeevorstellungen von Frauen und Männern auf, z. b. „typische“ Inhalte von Frauengesprächen“ oder „Männergesprächen“, die Vorliebe von Frauen über ihre Beziehung zu diskutieren (Anette).

Das mag den einen sauer aufstoßen, der andere wird dafür die Präsentation gängiger Klischees, die ja in der Regel einen wahren Kern haben, umso amüsierter verfolgen. Alles in allem ist „Nackt“ somit durchaus einen Kinobesuch wert. Allerdings fehlt mir das gewisse Etwas. Die Dialoge und die Charaktere sind für mich nicht so unwiderstehlich, das ich den Film richtig in mein Herz schließen konnte.

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