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Perhaps the toughest of the gangster films, „Public Enemy“ and „Little Caesar“ had a great effect on public opinion. They brought home violently the evils associated with prohibition and suggested the necessity of a nation-wide house cleaning. Tom Powers in „Public Enemy“ and Rico in „Little Caesar“ are not two men, nor are they merely characters – they are a problem that sooner or later we, the public, must solve.

Soweit die Einführung zum Gangsterfilm-Klassiker „Der kleine Cäsar“ (1931). Solche Worte sind leichtfertig geformt, doch kaum jemand, der Edward G. Robinson in seiner Paraderolle wüten sah, wird dazu in der Lage gewesen sein, den Charakter völlig zu ignorieren und sich ganz auf das gesellschaftliche Problem dahinter zu konzentrieren. Zu prägnant, zu eindringlich war jede seiner Gesten auf dem Weg an die Spitze des Kartells und wieder hinab. Mit „Little Caesar“ hatte Robinson nicht nur seiner eigenen Filmografie, sondern einem ganzen Genre einen Meilenstein gesetzt.

Einen Charakter von vergleichbarem Format wieder entstehen zu lassen, muss auch die Motivation hinter dem Projekt „Black Caesar“ gewesen sein. Ursprünglich nämlich geplant als maßgeschneidertes Vehikel für Sammy Davis Jr., sollte das Erbe Robinsons und Cagneys auf eine neue Zeit, eine neue Stadt und ein neues Milieu übertragen werden. Die Hauptrolle übernahm letztlich Fred Williamson, genau wie der parallel zum Blaxploitation-Star aufsteigende Jim Brown ein Ex-Footballer, der eher physische Präsenz denn schauspielerischen Glanz in den Film bringt… und prompt kann man es glasklar sehen, das gesellschaftliche Problem hinter dem Charakter.

Denn die pulsierenden Straßen New Yorks, die Clubs, Restaurants und Einkaufsstraßen in Manhattan verleihen diesem Film noch mehr Körper als es Williamson tut. Immer wieder ergeben sich in der hochlebendigen Kulisse kurze Momente der Eskalation wie aus einem Epos der Großmeister, und man spürt selbst unter der Fuchtel des kleinen Larry Cohen, dass hier gerade die Zeit anbricht, in der Scorsese mit „Hexenkessel“ die New-Hollywood-Ära des Gangsterfilms einleiten würde. Chicago, auf dem Papier die Heimatstadt aller Gangster, konnte in „Der kleine Cäsar“ nicht einmal ansatzweise so viel Präsenz zeigen, wurden seine Straßen und Gebäude doch in den kalifornischen Burbank Studios lediglich imitiert. Auch für „Black Caesar“ entstanden zwar einige Innenaufnahmen in Kalifornien, die Schlüsselmomente wurden aber auf den echten Straßen von Harlem gedreht, dort, wo die Creme der Schuhputzer im Sonnenlicht funkelt.

Als Schuhputzer wird auch die Hauptfigur Tommy Gibbs als Jugendlicher mit metaphorischer Wucht in die Handlung geworfen, hier noch verkörpert von Omer Jeffrey. Möchte man wirklich von einem Remake ausgehen, so muss es sich um eines der freien Sorte handeln, denn der ausholende Rahmen der Neuauflage beißt sich mit dem Ansatz des 75 Minuten langen Originals, das völlig unvermittelt in einem Imbiss irgendwo im Nirgendwo begann und sich auch im späteren Verlauf aufs Wesentliche konzentrierte. Nicht mehr die Spontanität des instinktgetriebenen Protagonisten steuert in der Neuauflage die Handlung, sondern das Narrativ der dritten Person, das keinen Off-Kommentator braucht, um deutlich spürbar zu sein. Der Erzählrahmen weiß mehr über die Figur als sie selbst, folglich reisen wir in die Vergangenheit, um ihre Beweggründe aufzuarbeiten.

Dabei ist das Ende der Geschichte zumindest im kathartischen Sinne von vornherein offensichtlich, nicht anders als beim „kleinen Cäsar“, dessen Schicksal bereits besiegelt war, als nach einer halben Minute Laufzeit das Matthäusevangelium zitiert wurde mit den Worten „for all they that take the sword shall perish with the sword“. Es geht aber nicht um das Ende, sondern um den Anfang, den Blick in die Wiege der Kriminalität, um ihrer Entstehung beizuwohnen. In den Momenten des 50er-Jahre-Prologs, als sich der junge Gibbs nicht der Rolle des schwarzen Prügelknaben fügt, sondern selbst eine Faszination für das Böse offenbart, das ihm angetan wird, beginnt der Film zu wirken: Mit einfachen, hocheffizienten Mitteln hebt Cohen seinen Protagonisten aus der dunklen Masse namenloser schwarzer Opfer hervor und hat in der Folge die ganze Aufmerksamkeit seines Publikums sicher, insbesondere des schwarzen Publikums, das sich an dieser Stelle vermutlich bereits eine Revolution ausmalt, die lang und tief nachwirken soll.

Allerdings läuft „Black Caesar“ am Ende eben auch nur knappe 90 Minuten. Dem Vorgriff auf Epen wie „Es war einmal in Amerika“ oder wie der „Pate“-Trilogie wird nicht stattgegeben, vielmehr gebärt sich das Drehbuch wie ein kleiner Mann mit viel zu großem Hunger. Gibbs wird in diversen Kontexten gezeigt, die sein Darsteller alle mit der gleichen stoischen Art bewältigt. Als lernbegieriger Schützling der Mafia, als skrupelloser Mafiaboss schließlich, aber nebenbei auch als fürsorglicher Sohn einer Mutter (Minnie Gentry), als entfremdeter Sohn eines Vaters (Julius Harris), als gewalttätiger Mann einer Ehefrau (Gloria Hendry), in einer erkalteten Freundschaft mit einem alten Jugendfreund (Philip Roye) und der besonderen Würze wegen in einer Erzfeindschaft mit einem schmierigen Polizisten (Art Lund), der ihn schon in der Jugend drangsaliert hat.

Aus diesen Begegnungen entstehen dramatische Konflikte, deren Inszenierung in einigen Fällen zu wahren Höhepunkten sowohl des Mafiafilms als auch des schwarzen Kinos führt; so etwa die Machtübernahme im italienischen Restaurant, gefilmt aus der wohl einzigen Richtung, aus der man die Gefahr nicht kommen sah, den intim um das Opfer kreiselnden Anschlag mitten auf einer belebten Kreuzung oder die finale Konfrontation mit dem Polizisten, die wiederum die Schuhcreme aus dem Prolog als Farbe verwendet, um ein Symbol zu malen, unter dem nicht bloß einem Schwarzen aus Harlem die Kontrolle über den Mob gegeben wird, sondern das schwarze Kino im gleichen Zug nach der Vormacht im Filmgeschäft greift.

Einzig gelingt es Cohen nicht, diese isolierten Glanzmomente, die es im Einzelnen mit den raffiniertesten Kunstgriffen der größten Regisseure des Genres aufnehmen können, zu einem homogenen Gesamtwerk zu verbinden. Hier bleibt er zu sehr Repräsentant der B-Filmkultur, als dass er zu den späteren Großtaten Scorseses, De Palmas, Leones oder Coppolas aufschließen könnte. Auch gerade Robinsons Cäsar-Variante mit Miniaturkomplex gibt im Vergleich ein wesentlich zielstrebigeres Bild ab als sein afroamerikanisches Pendant; der „schwarze Cäsar“ scheint von den Möglichkeiten und Risiken, die ihm das New York der 60er und 70er Jahre bietet, oftmals gehemmt zu sein, wenn er nicht sogar vor ihnen erstarrt. Der Erzählfluss gerät dadurch des Öfteren ins Stocken. Tatsächlich hätte eine weitere Stunde Laufzeit mit überlegt geschriebenen Brückensequenzen als Ergänzung dazu beitragen können, den unermüdlichen Treppenlauf des Tommy Gibbs mit weiteren Zwischenstufen zu erleichtern.

Dass es trotzdem nie langweilig oder gar redundant wird, verdankt „Black Caesar“ neben der starken Inszenierung auch Nebenkategorien wie dem hervorragenden Cast (insbesondere Art Lund als scheußliches Polizeirelikt aus einer alten Weltordnung), der extravaganten Ausstattung, den gelungenen Kostümen, die gerade Williamson unheimlich schmeicheln, und nicht zuletzt dem elektrifizierenden Funk-Soundtrack von James Brown, dessen Organ die Lebens- und Leidensgeschichte von Tommy Gibbs mit unnachahmlichem Ausdruck begleitet… und der auch ein wenig der Ziellosigkeit entgegensteuert, mit der sich Aufstieg und Fall in diesem Fall vollziehen.

Der Soul von James Brown, die Coolness von Fred Williamson und der Ethos vom Aufstieg und Fall eines Gangsters; kein Wunder, dass „Black Caesar“ letztlich auch die afroamerikanische Kultur maßgeblich beeinflusst hat, bis hin zum zeitgenössischen Hip Hop. Larry Cohen gelingt hier nicht etwa eines der großen vergessenen Meisterwerke des Mafia-Films, aber als furchtlose Mischung aus edlem Gangster-Epos und reißerischer Exploitation im Spannungsfeld italo- und afroamerikanischer Grabenkämpfe ist dem ewigen B-Filmer trotz aller dramaturgischen Mängel in gewisser Weise etwas Besonderes geglückt.

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