"Grand Budapest Hotel" ist meine erste Begegnung mit einem Film von Wes Anderson, über den ich im Vorfeld schon oft gelesen hatte, dass er Kino mit einer ganz eigenen Note macht, die man eben mag oder nicht. Solche Aussagen bergen ein gewisses Risiko, weil man als potentieller Kinogänger dann schon überlegt, ob man das Richtige für sich gefunden hat oder am Ende enttäuscht sein wird.
Mein Fazit: Gott sei Dank bin ich meinem Bauchgefühl gefolgt und habe mich auf das "Wagnis" eingelassen. Man hat manchmal keine Ahnung, was man verpasst! Dieser Film ist aus meiner Sicht ein Muss für jeden, der Kino liebt, weil es eben wie in diesem Fall die Möglichkeit bietet, in irre, ungewöhnliche und knallbunte Welten einzutauchen, die einen aus dem Alltag entführen und alles andere vergessen lassen.
Ja, diese Welt ist sehr bunt und man muss sich auf selbige einlassen können, aber wenn man kann, dann genießt man 100 Minuten Filmmagie. Die Geschichte, die erzählt wird, ist angesiedelt im Staat "Zubrowka" (mit einem polnischen Wodka gleichen Namens kann man nach dem Film noch anstoßen!) irgendwo in Südosteuropa und spielt vorwiegend in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Bezüge zur Zeitgeschichte werden immer wieder deutlich, aber der Schwerpunkt liegt nicht auf den Umständen der Epoche, sondern auf der Geschichte des Concierge Monsieur H. und seines Schützlings, dem Lobby Boy des Grand Budapest Hotel, Zero Moustafa. Monsieur H. ist ein Universum für sich im Hotel und gewillt, sämtliche Wünsche, vor allem auch die der weiblichen Besucher, zu erfüllen. Dieser Umstand verhilft ihm letztlich zu einer Erbschaft. Das millionenschwere Bild "Junge mit Apfel", das ihm vermacht wird, wird zum Auslöser einer Reihe von Ereignissen, die den Zuschauer bestens unterhalten und abwechselnd fassungslos oder höchst amüsiert zurücklassen.
Bei mir ist während des Kinobesuchs zu keiner Zeit Langeweile aufgekommen. Gespannt verfolgt man die aberwitzige Handlung und bekommt immer wieder etwas Neues, noch Absurderes geboten. Von einer Überladung würde ich aber nicht sprechen wollen. Aus meiner Sicht ist das Geschehen nur konsequent und fügt sich letztlich zu einem Ganzen. Die Darsteller, unter denen sich einige hochkarätige Schauspieler (auch aus dem deutschsprachigen Bereich) befinden, die man mal besser oder auch erst später erkennt, agieren durchweg absolut überzeugend. Vor allem die beiden Hauptdarsteller gewinnen das Herz des Zuschauers (gut, dass Ralph Fiennes die Rolle des Concierge bekam, die war zunächst für Johnny Depp vorgesehen).
Weitere wichtige Punkte sind die Drehorte und die Filmmusik, die sich ebenfalls bestens ins Gesamtbild fügen. Man darf bestaunen, wie schön Görlitz oder die Sächsische Schweiz sowie Dresden sind. Wer sich hier auskennt, wird einige Orte wiedererkennen. Als eine Inspiration diente auch das tschechische Karlovy Vary, was man der Atmosphäre deutlich anmerkt. Man fühlt sich in die Zeit der K&K-Monarchie zurückversetzt, die aber letztlich ihrem Untergang geweiht ist. So ist das mit dem Lauf der Dinge...
Das Zeitkolorit einzufangen und eine wirklich interessante Geschichte zu erzählen, die bestens unterhält, das ist Wes Anderson mehr als gut gelungen. Dazu kommt, dass diese Geschichte bei aller Absurdität viele Wahrheiten über das Leben enthält. Also nichts wie ab ins Kino!