Hotelbesitzer Zero Moustafa (F. Murray Abraham) erzählt einem Schriftsteller (Jude Law) von seinen Ewigkeiten zurückliegenden Anfängen als Liftjunge, als er an der Seite von Concierge Monsieur Gustave (Ralph Fiennes) um den rechtmäßigen Erhalt eines Gemäldes aus dem Nachlass von Madame D. (Tilda Swinton) kämpfte und sich dabei in einen Erbschaftsstreit mit einem einflussreichen Bonzengeschlecht verstrickt...
GRAND BUDAPEST HOTEL von It-Regisseur Wes Anderson (MOONRISE KINGDOM, ROYAL TENENBAUMS), dem schwulen Innenarchitekten des zeitgenössischen Popkinos. Auch in diesem Werk zelebriert der gebürtige Texaner seinen Dekorationsperfektionismus und Vintagefetisch. Der Streifen erzählt eine schwache Story in malerisch schönen Bildern wie aus einer anderen Zeit und zieht dabei einen Querschnitt durch sämtliche europäischen Epochen. Habsburger, Kaiserreich, ein bisschen Nazideutschland ist auch mit dabei. Das ist zwar modisch hochwertig, aber nie wirklich historisch korrekt. Macht aber nix. Was die Story an Stringenz und Geradlinigkeit vermissen lässt, wird ausgeglichen durch Dekadenz, tuffige, farbenprächtige Kostüme und einem niederschmetternden Staraufgebot, dass jeden Kritiker zum Schweigen verdonnert. Allein der Cast bietet Unterhaltungswert, zumal selbst kleine Nebenrollen hochkarätig besetzt sind. Ralph Fiennes als überetikettierter Concierge, der um sein rechtmäßiges Erbe kämpft. Adrien Brody als inzestuöser Erbschleicher. Tilda Swinton als greise Grande Dame mit Saft in den Hüften. William Defoe als fieser Killernazi. Harvey Keitel als Glatzenpeter im Knast. Edward Norton als preußischer Feldwebel mit Pickelhaube. Bill Murray (nur sehr kleine Rolle) als piekfeiner Hotelier mit kaiserlichem Backenbart. Auch ein paar deutsche - Pardon, und auch österreichische - Schauspieler sind mit von der Partie: Florian Lukas (ABSOLUTE GIGANTEN), Karl Markovics (STOCKINGER) und Volker Michalowski (INGLORIOUS BASTERDS).
GRAND BUDAPEST HOTEL ist eine visuelle Dampfwalze. Er zieht einem optisch die Keule drüber, stibitzt einem, während man benebelt ist, das Geld aus der Tasche und man fühlt sich dabei nicht beraubt, sondern klatscht sogar Beifall. Anderson, dieser Nostalgieperverse, zelebriert sein Nerdtum mittels orgiastischer Optik-Exploitation. Dies wirkt zwar durch die Bank aufgesetzt, schwuchtelig-tuckig, überheblich, überkandidelt und protzig, gleichzeitig kann man sich an der Detailverliebtheit aber gar nicht satt sehen. Im Vergleich muss man aber dennoch sagen, dass MOONLIGHT KINGDOM irgendwie besser unterhielt.
Fazit:
"Ein Concierge zum Verlieben" - Eyecandy und Requisitenfetischismus.