Inhalt:
Japan am Ende des 16. Jahrhunderts, als sich die Sengoku-Periode (der Bürgerkrieg den diverse Samurai-Clans führen, um das Land unter einer Herrschaft zu vereinigen) auf ihrem Höhepunkt befindet.
Als im Jahre 1573 der Heerführer Nobunaga Oda in Kyoto den letzten Shogun der Ashikaga beseitigt, beginnt die Zeit in der das Land ohne Shogun im Chaos versinkt.
Banditen-Banden ziehen marodierend durch das Land, und überfallen die hilflosen Farmer, nehmen ihnen Jahr für Jahr die Ernte weg, Hunger und Elend sind allgegenwärtig und machen den Reis-Bauern das Leben unerträglich.
So geht es auch einem Dorf in den Bergen, das jedes Jahr nach der Gerste-Ernte überfallen wird.
Eine Bande von 40 Männern, denen ein grausamer Anführer (Takagi Shinpei) vorsteht, lässt den Dorfbewohnern Jahr für Jahr nur das Allernötigste zum "Leben".
Die verzweifelten Bauern befragen den Dorf-Ältesten (Kokuten Kodo), was zu tun ist. Die einen -wie der überaus ängstliche Manzo (Kamatari Fujiwara)- wollen sich weiter dem Schicksal ergeben, nur einer will, dass sich die Bauern endlich wehren und kämpfen: Der junge, tapfere Rikishi (Yoshio Tsuchiya).
Der Dorf-Älteste gibt seinen Rat: "Wir müssen kämpfen. Wir müssen uns herrenlose Samurai suchen, als Beistand in diesem gnadenlosen Kampf." so seine Worte sinngemäß.
Nach vielen Worten der Verzweiflung und Skepsis, macht sich dennoch eine Abordnung von Männern aus dem Dorf auf die Suche nach eben jenen Samurai.
Die Bauern können nur 3 Mahlzeiten am Tag bieten.
Die Suche gestaltet sich entsprechend schwierig. Selbst herrenlose Samurai sind zu stolz, für solch kargen Lohn einen aussichtslos erscheinenden Kampf zu riskieren.
Zufällig werden die Männer aus dem Dorf Zeugen, wie ein Samurai ein gekidnapptes Kind befreit, und den Entführer tötet.
Sie sprechen ihn an.
Shimada Kambei (Takashi Shimura), ein bereits gealteter Samurai, lässt sich überzeugen.
Kambei wird zum Anführer, zum Strategen, der den Kampf des Dorfes gegen die Banditen ´managen´ will.
Es gelingt, 6 weitere Samurai für dieses überaus gewagte Unternehmen zu rekrutieren.
Männer, die sich in ihrem Charakter sehr unterscheiden: Katsushiro (Isao Kimura) ist ein sehr junger Samurai, der in Kambei fast sowas wie einen väterlichen "Sensei" sieht, und diesen bewundert.
Shichirojí (Daisuke Kato) ist stolz doch gutmütig. Heihachi (Minoru Chiaki) ist ein offener, freundlicher Mann. Gorobei ((Yoshio Inaba) ist ein rational-überlegender, ruhiger Typ, zudem ein exzellenter Kyudo-Schütze.
Kyuzo (Seiji Miyaguchi) ist ein stoisch-introvertierter, fast nihilistischer Samurai, der Kambei bei einem Duell auf Leben oder Tod -zu dem Kyuzo genötigt wurde- in der Stadt auffiel.
Verfolgt werden die Samurai unter Kambei von dem so ungestüm wie stets knurrig-mürrisch und dann wieder übertrieben lustig und im Verhalten irgendwie gestörten Kikuchiyo (Toshiro Mifune).
Der will mit dabei sein, und Kambei nimmt ihn als "7. Samurai" ins Dorf mit.
Dort ist man verängstigt, ob der unbekannten Männer.
Es kommt zu Konflikten, die Bauern verstecken ihre Frauen vor den Samurai.
Als Kikochiyo die Rüstungen einst erschlagener Samurai entdeckt, die ihnen von den Bauern abgenommen wurden, kommt es gar zu einer Krise zwischen den Samurai und den Dörflern.
Doch gelingt es Kambei das Misstrauen Stück für Stück zu beseitigen, den Männern des Dorfes Mut einzuflößen, sowie eine Kampf-Disziplin zu vermitteln. Die Männer werden zum Kampf ausgebildet, paramilitärisch.
Das Dorf wird befestigt, und eine Strategie erdacht, wie man die Banditen wirkungsvoll bekämpfen kann.
Die Frauen kehren ins Dorf zurück, zwischen Katsushiro und der bildschönen Shino (Keiko Tsushima) -der Tochter des Bauern Manzo- entwickelt sich eine zarte Romanze.
Als die Gerste abgeerntet ist, kommen die Banditen.
Ein gnadenloser, blutiger Kampf ist nun unausweichlich. Es gelingt, die Bande zu dezimieren, doch fällt Heihachi als erster der Samurai in diesem Kampf.
Schließlich kommt es in strömendem Regen zum alles entscheidenden Show-Down...!
Kritik:
Bereits im Jahre 1954 drehte Kult-Regisseur Akira Kurosawa seinen sicher berühmtesten Film, der zugleich wohl der Bekannteste aller Chanbara-Streifen ist. Sicher hat jeder Film- und Kino-Fan schon von diesem Film gehört, er gilt als eine Art "Meilenstein" des internationalen Kinos.
Und er ist in den meisten Chanbara-Rankings im Internet ganz oben gelistet, zumeist als die "Nr. 1", und gilt somit als bester aller Chanbaras.
Ist er das wirklich?
Nun, "Die sieben Samurai" ist ein Pionier-Film, mit der erste fernöstliche Action-Film, erstmals mit annähernd choreographierten Fight-Szenen, und doch ist dieser Film auch episch -mir liegt eine 155 minütige Fassung vor, originär soll eine Laufzeit von über 200 Minuten erzielt worden sein-, ein gedehnter, sehr ambitionierter Streifen, eben ala Kurosawa.
Solche Pionier-Streifen, die bahnbrechend für etwas Neues stehen, sind leider selten perfekt. An ihnen orientierend, sind es die weiteren Filme die sich der Sache widmen, die die Dinge erst perfektionieren.
Und so geht es auch "Die sieben Samurai", noch nicht perfekt, wenngleich bahnbrechend und für viele Chanbaras ein Vorbild, ein Leitfaden.
Es lässt sich so sagen:
Was ist rational?
Und was ist irrational?
Womit viele die den Streifen sahen und kennen Schwierigkeiten haben, sind die oft irrationalen Handlungen und Verhaltensweisen der Dorfbewohner -diese Überängstlichkeit, selbst vor denen die helfen wollen-, und wie sich einer der Samurais gibt: "Kikuchiyo", der ausgerechnet von Japans Ausnahme-Darsteller Toshiro Mifune hier verkörpert wird.
Mifune ist der Schwachpunkt dieser Produktion. Ihm wird hier oft von Kritikern eine herausragende, schauspielerische Leistung attestiert.
Doch dieses ungestüme, knurrig-mürrische und dann rumhopsend-alberne Gehabe, dieses Over-Acting, ist oft peinlich-dümmlich und den Betrachter nervend.
Zwar gibt es eine darstellerisch starke Sequenz, als Mifune die Rüstungen erschlagener Samurais im Dorf entdeckt, er die Bauern als verschlagen-eigensinnig brandmarkt, aber auch erklärt, dass Hunger, Elend, Not und Ausbeutung durch Kriege der Samurais die Bauern so haben werden lassen. Doch kann dies die insgesamt peinliche Darstellung der Figur Mifunes nicht mehr retten.
Klar, deutsche Kino-Gänger und Film-Freunde sind da eben ZU rational, um sowas durchgehen zu lassen.
Mir gefiel Mifune -der hier eine seiner schwächeren Leistungen zeigt- auch nicht. Seine Figur und sein Spiel ziehen den Film leider runter, so wie die übertrieben ängstlich und oft irrational und hastig sich gebenden und agierenden Dörfler.
Da gefiel ein anderer doch wesentlich besser, er ist der eigentliche Star dieses Films: Takashi Shimura, der umsichtig, klug und eben RATIONAL die Verteidigung des Dorfes managt.
Sein Spiel ist da im Vergleich zu dem von Mifune wohltuend.
Die rational agierenden anderen Samurai, tun dem Film denn ebenfalls gut. Insbesondere Seiji Miyaguchi brilliert fast, als stoisch-introvertierter, fast nihilistisch-desillusionierter Ronin.
Auch Isao Kimura, der einen jungen Samurai -der als "jugendlicher Sidekick neben Shimura" glänzend besetzt ist- spielt, kann hier eine gekonnte Performance bieten.
Handwerklich, von der Inszenierung her, ist "Die sieben Samurai" denn durchaus exzellent gemacht.
Die Bildkomposition ist wohl überlegt in Szene gesetzt, die letztlich einfache Story ist gedehnt aber kompakt-intensiv und flüssig erzählt. Die Charakterisierung der einzelnen Figuren ist differenziert herausgearbeitet und explizit herausdestilliert.
Auch besinnliche Sequenzen weiß Kurosawa zu setzen. Als "Shino" und "Katsushiro" sich ihrer Liebe bewusst werden, diese Nahaufnahmen scheinen wie ihrer Zeit weit voraus.
Eine Szene, in der man die äußerst attraktive Keiko Tsushima ("Shino") von hinten sieht, wie sie auf den Knien hockend sich die Haare wäscht, ist voller subtiler Erotik. Wie sie über ihre Schulter nach hinten sieht, die pechschwarzen Haare nass-glänzend, dieser Rücken, diese Schultern, dieses weiße Fleisch. Und der Po, wohlgeformt, nicht fett aber auch nicht zu mager, im Kimono.
Eine subtil-erotische Szene, für 1954..., wenngleich nur angedeutet, und doch gewagt.
Erstmals ist hier die Action so richtig hart in Szene gesetzt, gerade der Show-Down, ein verzweifelter, blutiger und knallharter Fight, satte Fight-Action. Für anno dazumal, klasse.
Und strömender Regen, Kämpfe im Morast, das sorgt dafür, dass die Dramatik massiv zunimmt.
Die Kampf-Choreographie stand damals noch am Anfang, noch war vieles ´wildes Getümmel´.
Dass aber die Taktik im Endfight, 2-3 Banditen von der Bande heraus zu isolieren, um sie dann gezielt im Einzelnen zu massakrieren, etwas mehr ´Feinmotorik´ hinsichtlich einstudierterer Kampf-Action ermöglichte, ist sowas wie Kurosawa´s ´Vermächtnis´ in diesem Film was die Fight-Aktionen im Finale angeht.
Alles erstmalig so auf der Leinwand..., der erste richtige fernöstliche Actioner, an dem sich viele der Chanbara-Regisseure orientierten. So wie Leone´s "Für eine handvoll Dollar" als bahnbrechendes Vorbild für den Italo-Western -der erste in dieser Art- steht, so ist es "Die sieben Samurai" für das Chanbara-Genre.
"Die sieben Samurai", irgendwie doch ein Meilenstein als erster richtiger Action-Chanbara, doch auch ein Pionier somit, der noch nicht perfekt war und seine Schwächen hat.
Aber es ist ein Klassiker, den man aus seiner Zeit -der er auch ein Stück weit voraus war- heraus betrachten sollte, und der immer noch -wenn man über manche Schwäche die ein Pionier nun mal hat hinwegsieht- absolut sehenswert ist.
7,5/10.