Auch Fans erster Stunde von Jean-Claude Van Damme werden sich so langsam daran gewöhnen müssen, dass die Zeiten von "Bloodsport" vorbei sind und der Belgier spätestens seit "JCVD" erfolgreich versucht, ernsthaft zu schauspielern.
Ein kleiner Frontkick hätte dem Treiben des vorliegenden Tarantino-Nacheiferers vielleicht dennoch den notwendigen Drive verpasst.
Vor zehn Jahren raubten fünf Gangster um Cole (Grant Bowler) ein Casino in Las Vegas aus, Bishop (Lennie James) mussten sie verletzt zurück lassen und vermuten nun, dass sich die zehn Millionen Beute bei ihm befinden. Bishop ist mittlerweile Sheriff im Wüstenkaff Baker und kann sich aufgrund einer Amnesie an nichts von damals erinnern...
Die Titel bezieht sich auf den Handlungsort, einem Kaff am Rande der Wüste Nevadas, in dem man vor Hitze fast vergeht. Nicht von ungefähr erinnern einige Kulissen an einen Western, denn diesbezüglich muss Autor und Regisseur Keith Parmer einen Narren an Revolverduellen und schmierigen Spelunken gefressen haben. Leider bieten solche Duelle, nebst kleinen Prügeleien die einzig nennenswerte Action, zumal Van Damme zu keiner Zeit wirklich austeilt, sondern die meiste Zeit teilnahmslos an der Bar sitzt und die dazugehörige Dame anschmachtet.
Da der Streifen allerdings cool rüber zu kommen versucht, steigt er taktisch völlig ungeschickt ein, indem der Überfall und die kurze, im Endeffekt nicht erfolgreiche Flucht sehr fragmentartig abgearbeitet wird, dazwischen gibt es Parallelmontagen zweier unterschiedlicher Gottesdienste und die anrollenden Gangster auf dem Weg, während überstrapazierte Farbfilter schon mal die Übersicht verlieren lassen. Erst danach bekriegt sich Parmer und erzählt bis auf kurze Flashbacks recht straight, leider auch mit einigen Dialogen zuviel.
Denn bis auf einen versoffenen Arzt bringt kaum jemand erinnerungswürdige Worte ins Spiel, manche Nebenfiguren werden viel zu ausladend eingeführt, nur die Gangster bleiben einigen Klischees treu und gehen ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen, was dann inszenatorisch doch noch einigermaßen cool erscheint.
Recht passabel fällt auch das Spiel der Darsteller aus, vor allem überzeugt Lennie James als Cop mit nicht immer eindeutigen Prinzipen. Van Damme erhält als einer der vier Gangster eher wenig Screentime, performt jedoch grundsolide, während Grant Bowler als Chef der Truppe mit Präsenz punktet und Alfred Molina als Arzt mit Alkoholproblem für die wenigen Aufheiterungen zuständig ist.
Dennoch macht sich im Gesamtbild der Mangel an Action bemerkbar, die wenigen Gewalteinlagen entsprechen einer angemessenen FSK16, allerdings punktet ab und an die Atmosphäre des kleinen Kaffs und auch die Westerneinlagen sind effektiv in Szene gesetzt. Bleibt unterm Strich ein mit 100 Minuten Laufzeit etwas zu lang geratener Streifen, der zwar okay unterhält, mit seiner brauchbaren Prämisse jedoch zu fahrig umgeht, um dauerhaft in den Bann zu ziehen.
5 von 10