Die Nacht bringt den Todd mal wieder zum Vorschein, wenn auch nur innerhalb einer Rahmenhandlung mit wenigen Minuten Screentime. Für mehr hätte das Mikro-Budget von rund 20.000 Pfund (also noch nicht einmal 25.000 Euro) wohl auch nicht gereicht, denn dass Found Footage nicht allzu viel kosten muss, ist seit "Blair Witch Projekt" hinlänglich bekannt.
Versemmeln kann man es hingegen problemlos.
Im Internet sind die fünf Geisterjäger um Amanda bereits der Klick-Hit, nun wollen sie dem Spuk im berüchtigten Jericho Manor nachgehen, in dem eine Familie ein schlimmes Ende gefunden haben soll. Doch als der erste der Filmenden verschwindet, macht sich berechtigtes Misstrauen unter den übrigen breit...
Found Footage wird insofern wörtlich genommen, als dass die Handlung mit der Polizei am Tatort einsteigt und der Hausmeister (Tony Todd) zu den Vorkommnissen der vergangenen Nacht befragt wird. Der Rest Rahmenhandlung besteht aus dem Sichten der entsprechenden Bänder durch den ermittelnden Kommissar, während Rückblicke aus verschiedenen Kameraperspektiven zu begutachten sind, einschließlich einiger fest angebrachter, was die Optik zuweilen nicht ganz so anstrengend verfolgen lässt.
Denn die meiste Zeit sind Nachtsichtfunktionen aktiviert, das Material erscheint entsprechend grobkörnig, phasenweise verschwommen und insgesamt recht dunkel, lediglich die dadurch hervorgehobenen leuchtenden Augen der Anwesenden erscheinen für eine Weile spooky.
Ansonsten wartet man folgerichtig auf Geistereffekte, die sich einfach nicht einstellen wollen, was handlungstechnisch eine recht simple Erklärung beinhaltet. Spätestens als ein Geist mit Strumpf über dem Gesicht in Erscheinung tritt und jeder an Paranormalem interessierte Zuschauer weiß, dass Geister sich nicht prügeln, ist es mit dem Minimum an Atmosphäre dahin.
Nun hätte die Chose wahlweise den Weg eines blutigen Slashers einschlagen können, zumal die geschärfte Sichel vorhanden ist, doch sobald es droht expliziter zu werden, driften die Bilder ins Off ab, so dass letztlich nur angedeutete Kehlenschnitte mit schwachem Make-up zum Vorschein kommen.
Darüber hinaus hat Autor und Regisseur S.J. Evans einige Grundelemente von Found Footage nicht so recht begriffen, auch wenn der Score (der eigentlich gar nicht vorhanden sein sollte) in Ansätzen ein paar gefällige Klänge einbindet. So sichtet der Cop gerade eines der Bänder, doch per Flashback werden gleich mehrere Sichtweisen verschiedener Kameras gezeigt und auch die Bilder der angeblich fest montierten Überwachungskameras mit völlig anderer Quelle sind plötzlich auf demselben Tape enthalten. Final möchte man sich auf die Motivation des "Bösen" erst gar nicht tiefgehender einlassen, denn das sprengt aufgrund hanebüchener Sachverhalte ohnehin den Rahmen.
Zwar performen zwei, drei der unerfahrenen Mimen okay, doch die Dialoge fallen durchweg hölzern und größtenteils unglaubwürdig aus, die Ausstattung ist folgerichtig minimal und selbstverständlich will sich aufgrund der unausgegorenen Dramaturgie so gut wie keine Spannung einstellen, denn selbst der Showdown fällt recht unkreativ aus.
Ereignisloses Zeug ohne nennenswerte Spukelemente, - wie dankbar wäre man doch für die ausgelutschte Auflösung eines rachsüchtigen Geistes gewesen...
2,5 von 10