Review

Extended Edition

Drachensuchen lang gemacht

Die Reise von Bilbo, Gandalf und der schlagkräftigen Zwergenbande geht weiter - und nun sind (zumindest nach gefühlt zehn weiteren nur halbwegs interessanten Zwischenstationen) alle Augen auf den Drachen Smaug gerichtet, der es sich im ausgiebigen Gold des Zwergenberges Erebor gemütlich gemacht hat und schwer zu bezwingen zu sein scheint… 

Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück

„The Hobbit II“ zeigt überdeutlich, was für eine aufgeblasene, aber doch irgendwie unterhaltsame, herzliche und spaßige Freizeitparkattraktion diese Trilogie über weite Strecken (geworden) ist. Und dass sage ich nicht nur wegen der wilden Wasserbahn in den Eichenfässern! „The Desolation of Smaug“ ist deutlich computereffektschwerer als sein direkter Vorgänger, noch deutlich gestreckter, noch actionreicher und noch weniger klassisch „Der Hobbit“. Ganz sicher nicht eine solche Abomination wie sein direkter Nachfolger, der dann fast nichts mehr mit seinem Ursprung zu tun haben sollte. Aber schon Part II zeigt definitiv erste Ermüdungserscheinungen der gesamten „Hobbit“-Trilogie. Spätestens hier wurde jedem langsam klar: Das ist nicht „Herr der Ringe“, das ist nicht wirklich „Der Hobbit“, das ist schon eine glasklare „Franchise'sierung“ dieses liebgewonnenen Kosmos' und Mythos'. Und das stößt bis heute einigen verständlicherweise übel auf. Ich kenne nicht wenige, für die existiert die „Hobbit“-Trilogie gar nicht. Soweit würde ich nie gehen. Aber ich sehe die Ärgernisse. Und „Hobbit II“ zeigt diese viel deutlicher als der erste Teil. Die Künstlichkeit, die Dehnung, die Chameos, der Spinoff-Bullshit. Und nichtsdestotrotz… auch „Hobbit II“ hat seine tollen Momente und Highlights, die auch diesen leichteren „Urlaub“ in Mittelerde vielleicht für den ein oder anderen lohnenswert machen. Howard Shores Score hat definitiv immer noch Größe und Gänsehautfaktor. Einzelne Setpieces wie die angesprochene „Fässerfahrt“ sind nicht unspektakulär. Ed Sheerans Abspannsong ist perfekt. Freemans Bilbo bekommt immer mehr Tiefe, Ambivalenz, Mut und andere Heldenfähigkeiten. Einige der Zwerge wachsen einem langsam ans Herz. Und dann hätten wir da eben noch Smaug, dessen Charisma und Feuer sich spielend von der (Heimkino-)Leinwand schält und dem Cumberbatch ziemlich furios Leben einhaucht. Er steht Gollum in Sachen „CGI-Figuren-Wow-Effekt“ gar nicht allzu weit nach für seine jeweilige Ära. Und daher ist „Desolation of Smaug“ für mich zwar sicher nicht frei von Schwächen - vor allem bin ich wirklich erstaunt, wie künstlich von hier an so viel an Mittelerde ausschaut - aber trotzdem ein passabler Mittelteil einer unnötig ausgewalzten Trilogie zwischen Feuer, Herz und Dollarzeichen in den Augen. 

Ehrenrunde nach Erebor

Fazit: Feuriger, fahler, fauler… Und trotzdem… und immer noch… und immer wieder… ist es toll in Mittelerde zu sein und diese Zwerge auf ihrer Reise zu begleiten! 


Details
Ähnliche Filme