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1940, in Europa tobt der Zweite Weltkrieg, in Kenya das Gegenteil: ausschweifende Partys in Nairobi, die britischen Kolonialherren vergnügen sich mit ihren Frauen und Gespielinnen aufs vortrefflichste. Man weiß das Leben zu genießen ("willkommen im Paradies"), jeder schläft mit jedem, Promiskuität in der High Society völlig normal.

Mitten in dieses aristokratische Freudenhaus platzt nun ein Ehepaar hinein: der reiche Lord, Sir Henry "Jock" Broughton (Joss Ackland) und die wesentlich jüngere und attraktive Diana (Greta Scacchi). Jock plant die Errichtung einer Farm gigantischen Ausmasses um die Soldaten zuhause mit Nahrungsmitteln versorgen zu können, Diana bemüht sich mehr um den Kontakt zu attraktiven in ihrem Alter befindlichen Herren. Mit Offizier "Joss" Erroll (Charles Dance, in einer der besten Rollen seiner Karriere) beginnt sie eine leidenschaftliche Affäre, doch ihr Mann steigt schnell dahiner. Als Joss erschossen aufgefunden wird stellt sich die Frage nach dem Täter.

Das Drehbuch beruht auf dem Roman von James Fox "White Mischief". Dessen Buch wiederum baut auf Tatsachen auf. Am 24. Januar 1941 wurde in Kenya ein Offizier, im Film Erroll, erschossen gefunden. Das "Fait Divers" erzeugte einen Skandal, der sich in den Gazetten des Empires niederschlug. "Die letzten Tage in Kenya" dreht sich in der ersten Hälfte vor allem um die Affäre zwischen Diana und Erroll und um die Darstellung der Dekadenz der britischen Elite. Der zweite Teil ist dem Mordprozess und der Entwicklung des Verhältnisses zwischen Jock und Diana gewidmet.

Der Film ist voller erstklassiger Schauspieler, selbst in kleinen Rollen. Wie fast immer genial ist John Hurt in seiner kleineren Rolle als Robert Colville. Dieser ist ein ungepflegter Aussenseiter der Gesellschaft, der mit Eingeborenen, den Massai-Kriegern, zusammenlebt, doch trotzdem Teil der Happy Valley Clique ist. Nach dem Mord bemüht er sich um Diana, die den nicht sehr attraktiven Mann zuerst abweist. Das etwas einseitig-vernichtende Portrait der britischen Oberklasse (in der kenyanischen Kolonie) und die erotischen Spielchen der Happy Valley Clique bilden einen Hintergrund, der leider landestypischen Flair verdrängt.

Eine spannende Dreiecks-Liebesgeschichte mit allen Facetten und bitterem Nachgeschmack.

(8/10)

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