Wenn man so will, ist "The Dark Side of the Moon" das Bindeglied zwischen Ridley Scotts "Alien" und Paul Andersons "Event Horizon". Aus dem einen wird nämlich mächtig geklaut, während das andere sich sicherlich die ein oder andere Inspiration hier abgeholt hat. So ist es nicht verwunderlich, dass dieser SciFi-Horrorstreifen so mittelmäßig ist wie sein Standpunkt zwischen den beiden genannten, doch etwas bekannteren Schockern.
Auch, wenn "The Dark Side of the Moon" vielleicht storymäßig einen gewissen Einfluß auf "Event Horizon" gehabt hat (die Betonung liegt auf VIELLEICHT), so bedeutet das nicht zwingend, dass D.J. Websters Werk selbst die pure Innovation ist. Nun kenne ich mich vielleicht nicht genug aus, um Beispiele liefern zu können, bei denen sich Webster eventuell neben "Alien" noch bedient hat, aber der Kollege mit der anderen Review liefert da ja schon ein paar Namen.
Einen gewissen Reiz hat das Thema "Bermuda-Dreieck" aber schon von Natur aus, ganz egal, wie oft es wieder aufgewärmt wird. So ist es durchaus spannend, wenn wir sehen, dass das Raumschiff unserer Crew unerklärliche Mängel aufweist und der Sauerstoffgehalt immer weiter zurückgeht, als plötzlich ein lange verschollenes anderes Raumschiff wie aus dem Nichts auftaucht und zunächst mal die Rettung ist. Denn hier gibt es Sauerstoff. Ansonsten hätte man das Schiff wahrscheinlich nie betreten, denn wer weiß, wo es auf seiner langen Reise gewesen ist und was es von dort mitgebracht hat.
Und dieses Mitbringsel ist ein wahrer Alptraum, der sich entfaltet. Es stellt sich heraus, dass eine NASA-Besatzung auf dem Schiff war, was eigentlich unmöglich ist, weil die NASA seit 30 Jahren nicht mehr aktiv ist. Lebende Crewmitglieder findet man auch keine - nur eine noch ziemlich frische Leiche, der die Bauchdecke fehlt.
Was zuerst wie Selbstmord aussieht, entpuppt sich immer mehr als ein unerklärliches Phänomen in Form einer bösartigen Wesenheit, die sich in den Körpern der Raumfahrer einnistet und sie dann tötet.
Die Crew wird mit zunehmender Laufzeit immer weiter dezimiert, wobei die Reihenfolge des Abtretens der Charaktere nur wenig überraschend ist. Auch die Charaktere selbst bedienen eigentlich diverse Klischees, als wir da hätten einen Helden, seinen treuen und rundlichen Sidekick mit einer nützlichen Fähigkeit (er ist Arzt), einen älteren Veteranen mit einer gewissen Allwissenheit und nicht zu vergessen der ängstlich-aggressive Egoist, der in Extremsituationen nur an sein eigenes Leben denkt und das der anderen dadurch gefährdet.
Trotzdem bekommt man interessante Figuren zu sehen. Leider fällt gerade der Protagonist gegenüber den anderen etwas ab, was deswegen tragisch ist, weil ja gerade er die Identifikationsfigur sein sollte.
Unterstützt wird die Crew durch einen Bordcomputer in Menschenform, und das ist sofort eine gnädige Überleitung zu "Alien". Von ihrem Look her, der etwas fehl am Platze ist, erinnert sie eher an die ironisch angehauchte Roboterfrau aus "Jason X". Nur ist ihre Erscheinung hier vollkommen ernst gemeint. Angelehnt ist sie natürlich an den Androiden aus "Alien", der ja bekanntlich zur Gefahr in den eigenen Reihen wurde. Ob das hier auch so ist, das will ich mal spoilerfrei halten.
Die Parallelen zu "Alien" gehen aber noch viel weiter. Ganz offensichtlich wurde der gesamte Giger-Look übernommen. Die engen, dunklen Räume und Gänge des Schiffes mit all seinen Kabeln und technischen Spielereien, alles so farblos wie möglich gehalten, orientieren sich ganz eindeutig an dem Klassiker. Und auch, wenn man die ein oder andere C64-Tastatur erblicken kann, stimmt die Atmosphäre insgesamt. Besonders das Spiel mit Schatten bindet Webster verstärkt ein, um Angst vor allem in Form von Klaustrophobie hervorzurufen. Hier erweist er sich leider aus technischer Sicht als mittelmäßiger Handwerker, denn die Terrorstimmung aus "Alien" wird zu keiner Zeit erreicht.
Daran ändert auch das unspektakuläre Monsterdesign nichts. Im Grunde tritt das feindliche Wesen nämlich nur durch die Übernahme der Wirtskörper in Erscheinung. Gelbe Kontaktlinsen, eine computerverzerrte Stimme sowie die zugegeben etwas gorige Bauchwunde sind die Hinweise auf die Anwesenheit des Wesens. Als Kind dürfte man sich davor noch fürchten, aber unter dem Strich sind die Monsterauftritte nur wenig angsteinflößend.
Obwohl einlenkend gesagt werden muss, dass ganz geschickt nur die Urängste des Menschen angesprochen werden (was natürlich auch im Genre verwurzelt ist): einerseits die Angst vor dem Unbekannten in Form des verschollenen Schiffes und andererseits jene Angst vor dem Unbekannten in Form einer Person, die man kennt, deren Geist aber von einem unsichtbaren Wesen gelenkt wird.
Die Spannungskurve bleibt relativ höhepunktlos, aber dennoch ist eine klare Linie zu erkennen - erst die Bordprobleme, dann das Andocken an das fremde Schiff, der Fund der Leiche, das dunkle Geheimnis dieser Leiche und dann der Actionteil (die Flucht des Helden durch die Wassergänge), der relativ vergleichbar ist mit Ripleys Flucht in die Fluchtkapsel, nachdem sie den "Zerstören"-Button gedrückt hat.
Am Ende gibt es dann eine ordentliche Portion Pessimismus, die das vorhersehbare Negerlein-Prinzip doch etwas mit Innovationen versetzt.
Insgesamt bleibt ein ordentlicher Weltallhorror, den man sich durchaus ansehen kann. Allerdings gibt es mehr als genug qualitativ ansprechendere Filme in diesem Genre, so dass man "The Dark Side of The Moon" getrost auf den Mond schießen kann.
5/10